RAF-Terroristin kommt nach Zürich

Der Revolutionäre Aufbau lädt im Vorfeld des 1. Mai verurteilte Terroristen nach Zürich ein. Das Ziel: Erfahrungen auszutauschen.

Die Ex-RAF-Terroristin: Inge Viett 2007 auf dem Weg zu einer Lesung in Luzern.

Die Ex-RAF-Terroristin: Inge Viett 2007 auf dem Weg zu einer Lesung in Luzern. Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Die Organisatoren nennen es einen «Erfahrungsaustausch», wenn am Sonntag, 26. April, das ehemalige RAF-Mitglied Inge Viett und Alfredo Davanzo, Mitglied der italienischen «neuen Roten Brigaden», aufs Kanzleiareal kommen. Den Rahmen bildet das «revolutionäre Politwochenende». Es ist das vom Revolutionären Aufbau organisierte Vorprogramm zum diesjährigen 1. Mai. «Wir wollen anhand von drei Biografien drei revolutionäre Projekte beleuchten, Erfahrungen austauschen und die Frage nach der revolutionären Perspektive heute stellen», heisst es auf dem Flugblatt.

Davanzo ist erst seit kurzem aus dem Gefängnis

Inge Viett ist heute 71-jährig. Ab 1972 gehörte sie der linksradikalen Bewegung «2. Juni» an und wurde verschiedentlich festgenommen. 1980 schloss sie sich der RAF an. Sie schoss 1981 in Paris auf einen Polizisten, der seither gelähmt ist. Für diese Tat wurde sie 1992 zu 13 Jahren Haft verurteilt, sass aber nur deren fünf ab und wurde 1997 frühzeitig entlassen. Zwischen 1982 und 1990 lebte Viett in der DDR.

Bei ihrem letzten öffentlichen Besuch in der Schweiz – Zürich und Luzern – verteidigte sie die DDR. In Luzern löste ihr Auftritt einigen Wirbel aus. Der Stadtrat äusserte sich kritisch in einer Stellungnahme: «Der Stadtrat missbilligt entschieden das extremistische Gedankengut.» Von ihrem extremistischen Gedankengut hat sich Viett bislang nicht verabschiedet. In Zürich warf der Auftritt 2007 weniger grosse Wellen. Die Einladung aus Zürich kam damals wie auch heute vom Revolutionären Aufbau.

Während Vietts gewalttätige Vergangenheit weiter zurückliegt, kam der zweite Gast, Alfredo Davanzo, erst 2014 aus dem Gefängnis. 2007 verhaftete die italienische Polizei im Rahmen einer Grossaktion ihn und 14 weitere aus dem Umfeld der «neuen Roten Brigaden». Im Mai 2012 schrieb die österreichische Zeitung «Der Standard» über den Prozess gegen Davanzo, dass er im Gerichtssaal zum bewaffneten Kampf in Italien aufrief: «Das ist der richtige Moment für die Revolution.» Der 57-jährige Davanzo soll schon den alten «Roten Brigaden» angehört haben und war über Jahre hinweg ein gesuchter Mann.

Mit Davanzo schliesst sich der Kreis zum Revolutionären Aufbau Zürich. Bei seiner Verhaftung 2007 fand auf italienisches Rechtshilfegesuch hin eine Hausdurchsuchung bei Andrea Stauffacher statt. Die Kommunistin vom Revolutionären Aufbau soll regelmässig im Kontakt mit Davanzo gestanden haben. Zu einem Verfahren kam es aber nicht.

Stadtpolizei hat Auge auf Anlass

Der Anlass mit Viett und Davanzo kommt bei Mauro Tuena, Gemeinderat und SVP-Fraktionspräsident, gar nicht gut an. Er findet die Einladung dieser Personen jenseits: «Da muss man sich also schon fragen, was das soll.» Allem Anschein nach gingen diesen Leuten die Themen aus, welche die Arbeiter wirklich interessieren. Tuena sagt, dass sein Grossvater einst als Pöstler am 1. Mai dabei gewesen sei. Sein Grossvater würde so was sicher nicht unterstützen. «Da muss man sich dann nicht wundern, wenn es wieder knallt», sagt Tuena. Denn mit der Einladung von solchen gewaltbereiten und verurteilten Personen gehe es nur um die Provokation, so seine Einschätzung.

Die Stadtpolizei hat Kenntnis vom Anlass und dem Besuch von Viett und Davanzo. Sie werde die Veranstaltung im Auge behalten. Mehr könne und wolle sie aber nicht sagen, teilt Marco Bisa mit, Sprecher der Stadtpolizei. Ein Gesuch für einen öffentlichen Anlass sei nicht eingegangen. Die Polizei gehe daher davon aus, dass es ein privater Anlass innerhalb des Gebäudes ist. Dieser brauche keine Bewilligung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2015, 11:40 Uhr

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