Rätselhafte Funde beim Zürcher Kunsthaus

In der Baugrube fanden Archäologen neben Pfahlbauer-Keramik und einem guten Stück Schanzenmauer einen wertvollen Schatz. Reste des jüdischen Friedhofs entdeckten sie wiederum nicht.

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Fast ein Jahr lang haben die Fachleute am Heimplatz Schicht für Schicht Funde dokumentiert, die nun noch ausgewertet werden müssen. Es sei eine sehr spezielle Grabung gewesen, allein schon wegen der Dimension der Baugrube, sagte Projektleiter Andreas Motschi heute Donnerstag vor den Medien. Die Untersuchungen der städtischen Archäologie reichten bis in eine Tiefe von 10 Metern.

Die untersten der freigelegten Schichten gehen bis ans Ende der Eiszeit zurück. Keramikfunde und Eingriffe in die Landschaft wie Rodungen zeigen, dass wohl die Bewohner der Pfahlbaudörfer am Seeufer auf den Geländeterrassen ihre Felder bestellten. Aus dem 19. Jahrhundert dagegen stammt ein ovales Rückhaltebecken für den Wolfbach.

Metallobjekte geben Rätsel auf

Im Mittelalter wurde das «Judengässli» erstellt, das zum jüdischen Friedhof ausserhalb der Stadtmauer führte. Der Fussweg war solide gebaut mit seitlichen Entwässerungsgräben. Ausserdem kamen bei der Grabung Reste von Staketenzäunen zum Vorschein.

Ausserdem stiessen die Archäologen hier auf einen rätselhaften Fund. Auf einer kleinen Fläche fanden sich mehrere vergoldete Metallobjekte, darunter eine fein gearbeitete Buchschliesse, filigrane Schmucknadeln, ein Kettchen und ein verzierter Messergriff. Möglicherweise wurden die wertvollen Gegenstände einst versteckt. Und beim Bau der Schanze wurde das Depot zerstört und der Inhalt verstreut. Wie die Metallfunde in den Boden kamen und aus welcher Zeit sie stammen, wird nun weiter untersucht.

Definitiv keine Gräber

Keine Hinweise fanden sich jedoch auf jüdische Gräber. Die Archäologen hatten zwischen dem«Judengässli» und dem Wolfbach einen Friedhof erwartet und daher schon im Vorfeld eng mit der jüdischen Gemeinde zusammengearbeitet.

Zwar wurden eine Reihe von Gruben freigelegt, deren Form teilweise an Gräber erinnert. Es sind aber definitiv keine, wie der Projektleiter sagte. Der Zweck ist noch unklar, möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit dem Textilgewerbe.

Schanzenmauer musste weichen

Gespannt waren die Archäologen auch darauf, wie viel von der barocken Schanzenmauer sie finden würden. Die Errichtung des imposanten Bauwerks wurde 1642 beschlossen, 200 Jahre später erfolgte der Abbruch.

Unter der meterhohen Aufschüttung konnte nun ein rund 65 Meter langes und bis zu 6 Meter hohes Teilstück mit einem Fundament aus Eichenbalken freigelegt werden. Dazu fanden sich Reste der Durchgänge und die Fundamente von zwei Wachhäuschen. Die Mauer musste nun allerdings dem Neubau weichen.

Viele offene Fragen müssen noch geklärt werden. Dabei helfen auch die Auswertung von 3D-Scans oder die Altersbestimmung von Hölzern, die zurzeit durchgeführt wird. (sda/pu)

Erstellt: 20.10.2016, 15:26 Uhr

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