Räuber nehmen Schulen ins Visier

Zürcher Schulen rüsten im Digitalbereich auf. Damit werden sie zum Ziel von Dieben, die es auf teure Laptops und Tablets abgesehen haben.

Tablet im Unterricht: In immer mehr Klassenzimmern unterstützen digitale Helferlein das Lehrpersonal.

Tablet im Unterricht: In immer mehr Klassenzimmern unterstützen digitale Helferlein das Lehrpersonal. Bild: Jacquelyn Martin/Keystone

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In Pfäffikon wüteten die Räuber zuletzt. Im Schulhaus Mettlen brachen sie mehrere Türen auf, zerstörten Schränke und Pulte. Dabei entstand ein Sachschaden von rund 20'000 Franken. Gekommen waren die Täter wegen der Laptops, irgendwann zwischen Samstagnachmittag und Sonntagmorgen. Über ein Dutzend Computer haben sie erbeutet, ehe sie sich aus dem Staub machten. Die Polizei tappt noch im Dunkeln.

Schon ein paar Tage zuvor gerieten Klassenzimmer ins Visier von Verbrechern. Der Schaden, den sie im Schulhaus Seehalde in Niederhasli angerichtet haben, ist gewaltig. Die Räuber zerstörten Mobiliar im Wert von 80'000 Franken, sie klauten 60 iPads, 30 MacBooks und plünderten die Klassenkassen mit dem Skilagergeld. Deliktsumme: rund 100'000 Franken. Auch hier sucht die Polizei Zeugen.

Ein Landproblem

In der Stadt Zürich habe man keine Häufung von Schuleinbrüchen festgestellt, sagt Stadtpolizeisprecher Marco Bisa. Pro Jahr gibts ein bis zwei Einbrüche, bei denen vereinzelt elektronische Geräte entwendet werden. Dies bestätigt auch Marc Caprez vom Schuldepartement: «Wir haben selten mit Nachtbuben zu tun, die in den Schulen Schabernack treiben.» Für Caprez könnte das mit den Standorten der Schulhäuser zu tun haben. In der Stadt seien diese meistens in belebte Quartiere integriert. «Das ist für potenzielle Diebe ein Hindernis.» Auf dem Land hingegen stünden die Schulen oftmals in wenig dicht besiedeltem Gebiet. Ans Areal der ausgeraubten Schule in Niederhasli etwa grenzen Felder und der Haslisee.

Im Kanton Zürich ist es 2014 bislang zu 6 Einbrüchen in Schulen gekommen. 2012 und 2013 kam es im Schnitt zu rund 25 Einbrüchen. Ein Trend sei aus polizeilicher Sicht noch nicht feststellbar, sagt Beat Jost von der Kantonspolizei. Aber natürlich suchten sich Diebe Ziele aus, wo es etwas zu holen gebe. «Das war bei Schulen früher vermutlich weniger der Fall.» Tatsächlich leuchtet es ein, dass für Einbrecher dünne Hochleistungscomputer ungleich wertvoller sind als vergilbte Schüleratlanten und ausgestopfte Marder.

IT-Camps geplant

«Tendenziell sind Schulhäuser sicherheitstechnisch nicht so gut ausgerüstet», sagt Kapo-Sprecher Jost. Hinzu komme, dass früher der Abwart eine Wohnung direkt im Schulhaus bewohnt habe. Heute seien dies mehrheitlich externe Angestellte, die abends nach Hause gingen. «Nachts und in den Ferien sind Schulen unbewacht, das wissen auch die Diebe», so Jost.

Mit dem technologischen Fortschritt werden Schulen für Kriminelle interessanter. «Tablets verdrängen das Schulheft», berichtete vor ein paar Wochen die «Rundschau». Immer mehr Schweizer Schulen integrieren iPads in den Unterricht. Der NZZ sagte die Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands (ZLV), Lilo Lätzsch: «Im Informatikbereich haben wir einigen Nachholbedarf.» Nun plant die Stadt Zürich einwöchige IT-Camps, in denen Schüler mit Basiswissen über Computer versorgt werden. Diese sollen im Rahmen von Projektwochen von externen Anbietern durchgeführt werden.

Geräte technisch gesichert

Dass die Investitionen in immer kleinere und leichtere Laptops und Tablets auch ungebetene Gäste anziehen, ist den Verantwortlichen im Kantonalen Schulamt klar. «Um die Entwendung der technischen Infrastruktur zu verhindern, wurden in den Schulen Massnahmen auf verschiedenen Ebenen getroffen», sagt Sprecherin Regina Kesselring. Aus Sicherheitsgründen könne man jedoch keine detaillierten Auskünfte geben. «Nur so viel: Die Geräte sind technisch so gesichert, dass eine Nutzung durch Dritte erschwert ist.» Zudem seien die Lehrer angewiesen, die Klassenzimmer sowohl in den Pausen als auch in der unterrichtsfreien Zeit abzuschliessen.

Erstellt: 04.02.2014, 13:03 Uhr

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