Reden, Reben und Käse am 1. Mai

Für die linke Politprominenz bedeutet der Tag der Arbeit vor allem viel Arbeit. Die obersten Genossen fehlen dieses Jahr allerdings auf den Rednerlisten.

Viel Volk: Am 1. Mai wird in der Regel Klartext gesprochen.

Viel Volk: Am 1. Mai wird in der Regel Klartext gesprochen. Bild: Doris Fanconi

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1. August und 1. Mai haben zwei Gemeinsamkeiten: Es gibt Reden an die Nation. Von Politikern. Doch während Reden am Nationalfeiertag mehrheitlich von rechten Politikerinnen und Politikern gehalten werden, ist der 1. Mai fast ausschliesslich den Linken vorbehalten. Dann und wann wird ein Grüner adoptiert.

Wer am morgigen Tag der Arbeit Reden über Freiheit und Lohngleichheit hören möchte, hat eine schöne Auswahl. Möchte man die Zürcher da oben in Bern einmal live hören, kann man das im Rahmen einer kleinen Tour durch die Region mehrfach tun: In Bülach spricht um 10.30 Uhr Jacqueline Badran, um 13 Uhr spricht Mattea Meyer in Baden, um 14 Uhr Thomas Hardegger im Rössli Stäfa und um 14.30 Uhr Cédric Wermuth in der Landihalle Uster zum Volk. Letzterer vertritt zwar den Aargau, aber das lassen wir hier mal gelten.

Baskische Aktivistin in Zürich

Die international bekannteste Rednerin spricht in der Stadt Zürich nach der Kundgebung auf dem Sechseläutenplatz: Die baskische Aktivistin Nekane Txapartegi ist Hauptrednerin der Stadtzürcher 1.-Mai-Feier. Sie war in Zürich von April 2016 bis September 2017 aufgrund eines Haftbefehls aus Spanien in Auslieferungshaft. Für den Zürcherischen Gewerkschaftsbund spricht zudem Vania Alleva.

Der Umzug startet um 10.30 Uhr (Besammlung 10 Uhr) auf dem Helvetiaplatz und führt über Militärstrasse, Löwenplatz, Bahnhofstrasse, Limmatquai zum Sechseläutenplatz. In den letzten Jahren nahmen rund 10’000 Personen daran teil. Seit 2011 kam es nicht mehr zu grösseren Tumulten wegen Chaoten. 1.-Mai-Umzüge gibt es auch in Winterthur (10 Uhr Besammlung Steinberggasse, Marsch zum Neumarkt) und Baden (14 Uhr Innenstadt).

Jungspunde und alte Hasen

Wer die umtriebige Juso-Präsidentin Tamara Funiciello nicht nur in der «Arena», sondern einmal live sehen möchte, kann das um 11 Uhr auf dem Neumarkt in Winterthur tun. Dort reden auch Paul Rechsteiner, der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Carla Ruckstuhl (Juso) und die VPOD-Präsidentin Katharina Prelicz.

Eine der jüngsten aktiven SP-Frauen spricht gleich zweimal: Die 21-jährige Kantonsrätin Hannah Pfalzgraf steht um 10.30 Uhr in Bülach (Guss 39) und um 18 Uhr im Roots in Affoltern am Albis vor dem Rednerpult. Ein alter Hase spricht dagegen in Dietikon: SP-Fraktionschef, Kantonsrat Markus Späth (14 Uhr Kirchplatz, Fest ab 12 Uhr).

Wo ist die Stadtpräsidentin?

In der Freizeitanlage Wädenswil spricht um 13 Uhr unter anderen Henriette Borchert (GBKZ-Frauenkommission), im Rössli Stäfa um 14 Uhr die grüne Stadtzürcher Gemeinderätin Elena Marti. Insgesamt eine beeindruckende Rednerliste. Doch fehlen da doch einige ...

Stadtpräsidentin Corine Mauch hält an diesem 1. Mai keine Rede, auch den anderen Genossen aus dem Stadtrat sind wir auf den Rednerlisten nicht begegnet. Und auch das linke regierungsrätliche Gespann Fehr & Fehr, Mario Fehr und Jaqueline Fehr, besteigt nirgends die Rednertribüne.

Alternative: Wein und Käse

Wer es zwar feuchtfröhlich, aber ohne offizielle politische Reden mag, hat eine Alternative. Am 1. Mai ist nämlich seit einigen Jahren auch Tag der offenen Weinkeller. Über 200 Deutschschweizer Winzer laden zu Degustationen ein, an die 50 davon im Kanton Zürich.

Keine Reden? Keine Reben? Dann vielleicht Käse? In Saland, im Zürcher Oberland findet am 1. Mai traditionellerweise ein Käsemarkt (9 bis 16 Uhr, Nähe Bahnhof Saland) statt. Dazu gehört auch ein urchiges Rahmenprogramm mit Trychlern und Schwyzerörgeli, zu dem etwa die Meisterschaft im Bachtelstein-Werfen gehört.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 13:06 Uhr

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