Rekurs stoppt neue Überbauung im Triemli

Die neue, grosse Siedlung der Baugenossenschaft Sonnengarten kann nicht gebaut werden. Es tobt ein Rechtsstreit zwischen der Genossenschaft und einer Privatperson.

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Im Bereich der Birmensdorfer- und Triemlistrasse entstanden zwischen 1944 und 1952 die ersten Wohnüberbauungen der Baugenossenschaft (BG) Sonnengarten mit 750 Wohnungen. Bei vielen entsprechen die kleinen Grundrisse nicht mehr den heutigen modernen Bedürfnissen. Obschon die Häuser nicht sanierungsbedürftig wirken, hat sich die Genossenschaft entschlossen, diese zugunsten von Ersatzneubauten abzureissen.

Das Zürcher Architekturbüro Ballmoos Krucker Architekten hat für das Grundstück mit der Fläche von 18600 Quadratmetern eine Arealüberbauung entworfen, die nach Fertigstellung über 190 Wohnungen umfasst. Vorgesehen sind Eineinhalb- bis Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnungen, deren Miete zwischen 850 und 2100 Franken beträgt. Die Baukosten betragen 80 Millionen Franken, 2011 sollen die ersten Mieter einziehen.

Eigentlich hätten in diesen Tagen die Bagger auffahren und mit dem Neubau beginnen sollen. Daraus wird vorläufig nichts, denn hinter den Kulissen tobt seit Monaten ein erbitterter Rechtsstreit zwischen der BG Sonnengarten und der Privatperson Arthur Frei (Name von der Reaktion geändert). Das Pikante: Arthur Frei war früher selber Mieter der BG Sonnengarten, so lange, bis er ein Haus an der Birmensdorferstrasse kaufte, das ungefähr 90 Meter von der neuen Überbauung entfernt ist. Frei, der vom Neubauprojekt der Genossenschaft gewusst hatte, bevor er sein Haus erwarb, gibt gegenüber den Medien keine Auskunft. Sein Vertreter und Sprecher ist Urs Wieder, der in einem Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen tätig ist. «Es ist richtig, dass mein Mandant Rekurs gegen das Bauprojekt eingereicht hat, und er ist bereit, diesen – wenn nötig – bis vor das Bundesgericht weiterzuziehen.»

Wertverlust von 320'000 Franken

Arthur Frei stört sich vor allem an der Höhe und den Ausmassen der Überbauung. Er fordert von der Genossenschaft, die Siedlung um zwei Etagen zu reduzieren. Wieder: «Wenn die Arealüberbauung fünf Stockwerke hoch wird, hat mein Mandant von seinem Haus aus keine freie Sicht mehr auf die Stadt.» Frei liess ein Architektengutachten erstellen. Das Ergebnis: Sollte die Siedlung gebaut werden, wäre seine Liegenschaft auf einen Schlag 320'000 Franken weniger wert. Wieder: «Ein solcher Wertverlust ist inakzeptabel. Wir fordern Schadenersatz von der Baugenossenschaft.»

Im Quartier sorgt der Baustopp ebenfalls für Gesprächsstoff. Max Kurzen, Präsident des Quartiervereins Triemli: «Wenn mein Haus 320'000 Franken weniger wert wäre, würde ich auch klagen.» Der Quartiervereinspräsident findet die Neuüberbauung eindeutig zu gross, sie passe nicht ins kleinräumige Triemli. «Genossenschaften sollten nicht so hoch neben zweigeschossigen Häusern bauen», kritisiert Kurzen.

In Zürich wird es sowieso immer schwieriger, grosse Bauprojekte zu realisieren, ohne dass diese von Rekurrenten blockiert werden. Auch die Triemli-Überbauung droht nun zu einem Spielball von Anwälten zu werden. Urs Erni, Präsident der BG Sonnengarten, bedauert dies: «Wir wollten tatsächlich in diesen Tagen mit dem Neubau beginnen, aber wegen des Rekurses sind uns die Hände gebunden.» Aus Sicht der Genossenschaft sei es sehr schade, dass eine Einzelperson den Neubau von fast 200 Wohnungen verhindern könne. Obwohl der Baubeginn für den Genossenschaftspräsidenten in weite Ferne gerückt ist, hofft er trotzdem auf eine Einigung: «Wir werden auf alle Fälle noch einmal den Kontakt zu Arthur Frei suchen und mit ihm verhandeln.» Die Genossenschaft sei aber nicht bereit, in irgendeiner Form auf finanzielle Forderungen einzugehen. «Die Baugenossenschaft Sonnengarten lässt sich nicht erpressen.» Gemäss Frei kennt das kantonale Baurecht keine Vorschrift, die es erlauben würde, ein Bauvorhaben nur darum zu verweigern, weil es die Aussicht einer Drittperson beeinträchtige.

Unterstützung bekam die Baugenossenschaft Sonnengarten von offizieller Seite. Die Baurekurskommission I des Kantons Zürich hat vor wenigen Tagen den Rekurs von Arthur Frei abgewiesen. Die Begründung: Die Wohnzone im Triemli eigne sich sehr gut für eine Arealüberbauung. Den Bauplänen zufolge, so teilt die Baurekurskommission in ihrer Antwort mit, seien die Vorschriften betreffend Geschosszahl und Gebäudehöhe vollumfänglich eingehalten worden.

Auf die Ablehnung des Rekurses angesprochen, sagt Urs Wieder: «Mein Mandant zieht seinen Rekurs an die nächste Gerichtsinstanz, das Verwaltungsgericht, weiter. Bis zu einem endgültigen Urteil gibt es im Triemli keine neue Überbauung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 23:20 Uhr

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