Rentenwiese? Arboretum!

Sie ist bekannt, sie ist beliebt und trotzdem wissen die wenigsten etwas über die Parkanlage am See.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein wenig auf dem Rasen liegen, den Wellen lauschen und im Schatten ausladender Blätterdächer dösen: Ein Vergnügen, das man sich mit den steigenden Temperaturen auf der sogenannten Rentenwiese - benannt nach dem benachbarten Hauptsitz der Rentenanstalt – wieder gönnen kann. Doch das Gelände, auf dem die Städter heute ganz selbstverständlich Sonne und Sicht geniessen, musste Anfang des 19. Jahrhunderts erst dem See abgerungen werden.

Damals entwickelte sich die Limmatstadt langsam zur Seestadt. Die Quaianlagen, die sich vom Zürichhorn bis zur Enge erstrecken, sind in dieser Zeit entstanden. Das Herzstück dieser Anlagen ist das Arboretum mit seinen vielfältigen Baumgruppen und ausladenden Wiesenflächen – im Volksmund heute Rentenwiese genannt. Eine Grünoase, die unter der Federführung von Otto Froebel entstanden ist.

Das Werk eine Gartenbau-Dynastie

Otto und sein Vater Theodor Froebel haben neben dem Arboretum unter anderem auch den Rieterpark, den Alten Botanischen Garten und die Villenquartiere von Riesbach gestaltet. Zum Leben und Wirken der Zürcher Kunst- und Handelsgärtner findet derzeit die Ausstellung «Teppichbeet und Promenade» im Baugeschichtlichen Archiv statt.

Begleitend dazu veranstaltet die Stadt drei Führungen durch die Gartenanlagen der beiden Landschaftsarchitekten (siehe Box). «Wir zeigen das Werk der Dynastie Froebel, wie es sich heute präsentiert, und erklären gleichzeitig, was zum Erhalt dieser Gartendenkmäler nötig ist», sagt Judith Rohrer, Gartendenkmalpflegerin bei Grün Stadt Zürich. Sie leitete den ersten Rundgang, der heute Dienstagmittag durch die Parkanlagen am Seeufer führte.

Bildung beim Spazierengehen

Wo sich heute das Arboretum befindet, plante die Stadt ursprünglich eine konventionelle Grünanlage. Erst auf Anregung namhafter Botanik- und Geologieprofessoren wurde daraus ein Bildungspark mit fremdländischen Baumgruppen, einer Gesteinssammlung sowie einer Alpenpanoramakarte am Ufer, damit die Bürgerinnen und Bürger bei ihrem Sonntagsspaziergang auch etwas dazulernen konnten.

Die Froebels waren zu jener Zeit die richtigen Fachleute am richtigen Ort. «Sie hatten die nötigen Handelsbeziehungen, um diese Sammlung teils exotischer Pflanzen zu planen und zu beschaffen. Das war für die Umsetzung der neuen Parkanlage entscheidend», sagt Rohrer.

Zurück zum Start am Uferrand

1886 begann der Bau des Arboretums. Froebel arbeitete mit seinem Berufskollegen Evariste Mertens zusammen. Sie legten den Park als Landschaftsgarten an, eine Stilrichtung, die auf die barocke Gartengestaltung folgte. «Die Wege wurden geschwungen statt symmetrisch angelegt, Bäume wurden nicht mehr geschnitten, sondern in ihrer natürlichen Form belassen. So gaukelte man eine künstlich geschaffene, idealisierte Landschaft vor», sagt Rohrer.

«Gartendenkmäler sind dynamische Systeme, die sich laufend entwickeln und auch erneuert werden müssen.»Judith Rohrer, Gartendenkmalpflegerin

Noch heute ist vieles vom damaligen Bestand erhalten. Haben die Pflanzen aber ein gewisses Alter erreicht, steht ein Generationswechsel an. Es falle natürlich auf, wenn riesige Solitärbäume wie jene im Arboretum durch Jungbäume ersetzt werden müssen, sagt Rohrer. Für den Erhalt der Anlage sei dies aber entscheidend, weshalb die Pflanzen seit einigen Jahren in Etappen ersetzt würden. «Gartendenkmäler sind dynamische Systeme, die sich laufend entwickeln und auch erneuert werden müssen.»

Die Baumsammlung des Arboretums gemäss dem damaligen wissenschaftlichen Konzept zu erneuern, ist erklärtes Ziel der Stadt Zürich. Deshalb hat sie während der Sanierung der Uferböschung von September 2015 bis Sommer 2016 auch die Promenade gemäss dem ursprünglichen Gestaltungskonzept wiederhergestellt. In diesem Jahr können die Zürcherinnen und Zürcher die Vorzüge des historischen Parks schon mit Beginn der Sommersaison in vollen Zügen geniessen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 11:47 Uhr

Artikel zum Thema

Schwimm, Bad!

Ende des 19. Jahrhunderts trieben in Zürich auf See und Limmat zehn Badeanstalten. Manche Bijous wünscht man sich zum Start der Badesaison zurück. Mehr...

Informationen zu den Führungen

Die zweite Führung findet am 13. Juni statt. Dann sind die Villengärten in Riesbach das Thema. Im Rahmen der dritten Führung stellt Rohrer am 4. Juli Froebels Wirken im Alten Botanischen Garten von Zürich vor. Die Führungen sind kostenlos und starten jeweils um 12.30 Uhr. (tif)

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Geldblog Neue Novartis nimmt Gestalt an

Von Kopf bis Fuss Die Top 9 der probiotischen Produkte

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...