Rodin kehrt zurück

Das Höllentor ist wieder da, wo es hingehört: Gleich neben dem Eingang des Kunsthauses. Was hat sich während seiner Abwesenheit verändert?

Aus dem Hinterhof wieder zurück zum Vorhof: Detail des Höllentors des französischen Künstlers Auguste Rodin.

Aus dem Hinterhof wieder zurück zum Vorhof: Detail des Höllentors des französischen Künstlers Auguste Rodin. Bild: TA

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Die Hölle ist zurück auf dem Heimplatz! Präziser: Der Heimplatz ist wieder der Vorhof zur Hölle - das macht die Heimkehr eines Kunstwerks auf den Heimplatz sichtbar.

Die Rede ist von der Rückkehr des «Höllentors», dieses Monumentalwerks Auguste Rodins, vor den Moserbau des Kunsthauses, das die letzte Zeit etwas versteckt herumstand. Die sechs Tonnen Bronze wurden vor wenigen Wochen mit einem Kran über den Pfisterbau (das ist jener mit dem Restaurant drin) zurück an ihren ursprünglichen Platz gehievt.

Dafür seien lediglich zehn Minuten nötig gewesen, heisst es beim Kunsthaus - und ein windstiller Tag, damit die Sache nicht ins Wanken geriet. Millimetergenau parkierten die Bauarbeiter das Kunstwerk auf den neuen Sockel, nivellierten es aus, bis es wirklich in der Waage stand.

Rodin bei der Stützliwösch

Aus seinem Zwischenlager, Luftlinie 50 Meter, kehrte das Tor etwas ermattet zurück - die Restaurationsabteilung des Kunsthauses nutzte die Gelegenheit und überliess das Werk fünf Tage lang den Metallrestauratoren Patrick Decker und Giacomo Peguri. Sie reinigten die gesamte Oberfläche mit Bürsten und Wasser, entfernten Staub und Russ und was sich sonst noch alles angesammelt hatte.

Die Arbeit, wie sie Björn Quellenberg vom Kunsthaus schildert, ist vergleichbar mit der Pflege eines wertvollen und geliebten Automobils: «Heisswachskonservierung. Heisst: Erhitzen der Bronze und Aufstrich von in Lösungsmittel gelöstem Wachs.» Man stelle sich vor, Rodin führe eines Nachmittags bei der Stützliwösch vor...

Das Höllentor glänzt nun in der Sonne sattschwarz statt mattschwarz, zeichnet sich hart von seiner Steinrückwand ab. Und man fragt sich: War es an seinem provisorischen Standort zwischen Kunsthaus-Restaurant und dem Eingang zum Vortragssaal nicht fast besser aufgehoben?

Das Fotomotiv im Hinterhof

Vor Jahresfrist schrieb der «Tages-Anzeiger» über das «Höllentor»: «Diese ewige Bauerei, vor dem Kunsthaus, neben dem Kunsthaus, gegenüber sowieso. Es ist die Hölle! Sogar das Höllentor steht nicht mehr dort, wo es hingehört. Verschoben haben sie es, nicht weit, man stellt sich vor, wie es tonnenschwer am Haken eines Baggers hängt und leicht schaukelt beim Rüberfahren. Jetzt ruht das Werk Rodins etwas versteckt im kleinen Hof hinter dem provisorischen Eingang im Bau der Gebrüder Pfister. Dort steht das schwarze Ungetüm vor einer hellen Wand - und kommt, wenn nicht besser, sicher anders zur Geltung.»

Eigentlich war es nie ganz weg: Das «Höllentor» von Auguste Rodin wird millimetergenau zurückversetzt (Bild: Juliet Haller, Amt für Städtebau)

Auch das Kunsthaus bestätigt: Auf dem extra angefertigten Sockel vor der ebenfalls extra angefertigten Holzwand habe es als Fotomotiv und Treffpunkt für Führungen gedient - das Höllentor als Selfiepoint.

Dunkle oder helle Gedanken?

Das Versetzen ebenso wie das Zurückversetzen zwingen (oder ermutigen) einen, das Kunstwerk neu zu entdecken. Ist es grösser geworden? Die Wand dahinter kleiner? Was macht der Neubau auf der anderen Strassenseite mit dem Rodin? Was der Rodin mit dem Chipperfield, der immer mehr nach einem Bau als nach einer Baustelle aussieht?

Aus der zentralen Halle des Neubaus wird man dereinst quer über den Heimplatz hinweg auf den Eingang des Moserbaus schauen - und auf das «Höllentor» gleich daneben. Man darf sich dann Gedanken machen. Über dunkle Mächte, die Hölle, die Höllen unseres Daseins - oder sich durch die anderen Kunstwerke, die nach Fertigstellung des Neubaus 2020 den Heimplatz zieren, auf hellere Gedanken bringen lassen.

Erstellt: 17.09.2019, 14:43 Uhr

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