Rugby und Frauenfussball künftig im Letzigrund?

Der Gemeinderat fordert, das Stadion jenen zu geben, die heute zu kurz kommen.

Stadion Letzigrund in Zürich. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

Stadion Letzigrund in Zürich. (Archivbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In wenigen Tagen beginnt eine der grössten Sportveranstaltungen des Planeten: die Rugby-WM. In Zürich aber fristet dieses Spiel, das manche als attraktivere Alternative zum Fussball sehen, ein Nischendasein. Das könnte sich ändern nach einem gestrigen Entscheid des Zürcher Gemeinderats, der von den Grünliberalen angestossen wurde. Sie verlangten, den Letzigrund zur Heimat von Rasensportarten wie Rugby und American Football zu machen, sobald die Profifussballer ins neue Hardturmstadion umgezogen seien.

GLP-Gemeinderätin Isabel Garcia strich heraus, was viele in dieser Stadt noch nicht registriert haben: Die Zuschauer fänden mehr und mehr Gefallen an diesen beiden Sportarten, und die Zürcher Mannschaften gehören landesweit zur Spitze.

Trägt seine Heimspiele bisher auf der Allmend Brunau aus: Das GC-Rugbyteam. Bild: Thomas Egli

Im Rugby stellen die Grasshoppers sogar den aktuellen Schweizer Meister. Während sich die GC-Fussballer auf eine zweitklassige Saison vorbereiteten, gewann das Rugbyteam im Juni gegen Nyon zum zweiten Mal den Titel. Und das in einer Liga, die sonst von Teams aus der Romandie dominiert wird, wo der Einfluss der Rugby-Grossmacht Frankreich spürbar ist. Und im American Football sind die Renegades, einst mehrfacher Schweizer Meister, gerade wieder in die höchste Spielklasse zurückgekehrt.

«Da ist wirklich noch Sport»

Die Idee, solchen Teams im Letzigrund einen würdigen Rahmen zu bieten, stiess im Rat fast durchs Band auf Wohlwollen. Der Stadtrat muss nun prüfen, was möglich ist. Auf Insistieren der FDP wurde dieser Auftrag ausgeweitet auf andere Mannschaftssportarten, die heute zu kurz kommen. Preparim Avili sagte, dass man insbesondere auch dem Frauenfussball eine Plattform bieten könnte.

Diese Aussichten begeisterten SVP-Gemeinderat Bernhard im Oberdorf, weil dieser der Meinung ist, dass der Fussball der Frauen «wirklich noch Sport» sei und nicht bloss «Business». Er wünsche ihnen viel mehr Zuschauer. Zürich scheint bereit für alternative Sportangebote im Letzigrund, das zeigten auch andere euphorische Voten.

Noch einen Schritt weiter geht die SP: Sie verlangt vom Stadtrat, zu prüfen, ob der Letzigrund künftig auch für die Bevölkerung wieder geöffnet werden könne. So, wie das einst versprochen war, bevor wegen der Fussballfans und der Pyro-Problematik ein Zaun hochgezogen wurde. Die FDP ist skeptisch. Sie sorgt sich wegen kostspieliger Schäden an der schnellen Laufbahn, auf die das Leichtathletik-Meeting angewiesen sei.

Kosten sind der Knackpunkt

Josh Bjornson, der Präsident der GC-Rugby-Sektion, fände es grossartig, wenn sein Team in Zukunft im Letzigrund spielen könnte statt wie heute auf einem Feld in der Allmend Brunau am Stadtrand. Allerdings hat er Zweifel, ob der Umzug finanziell tragbar wäre. Der Platz in der Allmend kostet den Rugby-Club etwa 5000 Franken pro Jahr, hinzu kommen 3000 Franken für einen Trainingsplatz in Küsnacht während des Winters. Viel mehr liege mangels Sponsoren zurzeit nicht drin, die Rugby-Sektion finanziere sich vor allem über Mitgliederbeiträge und eine jährliche Grillparty.

Bjornson kann sich deshalb vorstellen, den Letzigrund in einem ersten Schritt als Spielstätte für das Nationalteam zu nutzen, um Werbung für den Sport zu machen. Als die aufstrebende Schweizer Mannschaft vor fünf Jahren in einem Entscheidungsspiel den Aufstieg in eine höhere Division schaffte, zog dies eine Menge Zuschauer ins Zürcher Kleinstadion Utogrund.

Bjornson bestätigt den Eindruck, dass Rugby hier populärer wird. Das liege nicht nur an Expats und Zuwanderern aus Ländern mit langer Rugby-Tradition. Der Anteil an Schweizer Spielern sei bei den Grasshoppers innert gut zehn Jahren von rund 40 auf 70 Prozent gestiegen.

Erstellt: 11.09.2019, 23:57 Uhr

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