SBB wollen Neugasse nicht verkaufen

Das Areal im Zürcher Kreis 5 bleibt in der Hand des Bundesbetriebs. Die SBB wollen aber mehr günstige Wohnungen anbieten.

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Das bei den Wahlen erstarkte rot-grüne Lager macht in der Zürcher Wohnbaupolitik weiter Dampf. Jüngstes Beispiel ist die geplante Überbauung des SBB-Areals Neugasse zwischen Josefwiese und Bahngleisen im Kreis 5. Die SBB wollen auf dem 30’000 Quadratmeter grossen Gebiet, auf dem sich heute noch die Reparaturwerkstätte der SBB befindet, ab 2022 eine Überbauung mit einem Viertel Gewerbeflächen und drei Vierteln Wohnungen erstellen.

Von den Wohnungen für 900 Personen sollte nach bisherigen Plänen ein Drittel gemeinnützig sein. Nun sind die SBB bereit, den Anteil günstiger Wohnungen zu erhöhen. Konkret sollen die Wohnungen wie folgt angeboten werden:

  • Ein Drittel gemeinnütziger Wohnungsbau, Baurecht Genossenschaften
  • Ein Drittel preislich limitiertes Wohnen, erstellt durch die SBB
  • Ein Drittel Wohnen Marktmiete, erstellt durch die SBB

Dies gaben Jürg Stöckli, Leiter SBB Immobilien, Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) heute an einer gemeinsamen Medienkonferenz bekannt.

Lage des Neugasse-Areals. Klicken Sie hier, um die Karte zu vergrössern.

Der Stadtrat habe in einem Schreiben Interesse an einem Landkauf bekundet. Ein vollständiger Verkauf des Grundstücks oder eine Abgabe im Baurecht sei für die SBB aber keine Option. Stadtpräsidentin Mauch lobte die Kompromissbereitschaft der SBB.

Die SBB reagieren damit auf eine von linken Kreisen lancierte Volksinitiative, die unter anderem von der SP unterstützt wird. Das im Frühjahr in Rekordzeit zustande gekommene Volksbegehren verlangt, dass die Stadt das Neugasse-Areal von den SBB erwirbt oder im Baurecht übernimmt und darauf zu 100 Prozent gemeinnützige Wohnungen erstellt.

«Eine Europaallee genügt», lautet das Motto der Initianten des Vereins Noigass. Sie kritisieren, dass im Kreis 5 in den vergangenen Jahren fast ausschliesslich Wohnungen im Luxussegment gebaut worden seien. Zudem hätten es die SBB bei vergangenen Projekten in Zürich versäumt, auf ihren Arealen angemessen gemeinnützig zu bauen.

Vorschlag genügt Initianten nicht

Jetzt beugen sich die SBB ein Stück weit dem Druck der Volksinitiative. Denn ihre Pläne an der Neugasse lassen sich nur verwirklichen, wenn das Stadtparlament mit seiner links-grünen Mehrheit einer Umzonung des Areals von einer Industrie- in eine Wohnzone zustimmt. Deshalb sind sie auf den Goodwill der Linken angewiesen.

Der Verein Noigass zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zwar erfreut über die Zusicherung der SBB, neben dem Drittel gemeinnütziger Wohnungen ein weiteres Drittel der Wohnungen zu «preislich limitierten Mieten» zu vermieten. Das sei prima vista ein Fortschritt gegenüber den bisherigen Rahmenbedingungen, genüge allerdings nicht und werfe viele Fragen auf. Ein Rückzug der Volksinitiative kommt für den Verein nicht in Frage, wie es auf Anfrage hiess. Das Ziel bleibe, das Areal Neugasse dauerhaft und vollständig der Spekulation zu entziehen.

Für die AL bewegt sich die SBB mit dem Angebot, zusätzlich ein Drittel der Wohnungen auf dem Neugasse-Areal zu «preislich limitierten Mieten» anzubieten, «in die richtige Richtung». Die Konturen des neuen Vorschlags seien im Moment allerdings reichlich vage, schreibt sei. Die AL stelle sich weiterhin auf den Standpunkt, dass SBB-Areale, die einst für einen öffentlichen Zweck erworben oder enteignet worden sind, grundsätzlich weiterhin öffentlichen Zwecken dienen sollen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2018, 15:20 Uhr

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