SP-Politiker Willy Spieler ist tot

Im Alter von 78 Jahren ist am Donnerstag der ehemalige SP-Fraktionschef, Philosoph und Publizist Willy Spieler einem Krebsleiden erlegen.

War nicht nur als Politiker, sondern auch als Publizist und Redaktor aktiv: Der damalige SP-Kantonsrat Willy Spieler auf einer Aufnahme von 2000. (Bild: Archiv TA)

War nicht nur als Politiker, sondern auch als Publizist und Redaktor aktiv: Der damalige SP-Kantonsrat Willy Spieler auf einer Aufnahme von 2000. (Bild: Archiv TA)

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Spieler galt als Vordenker des religiösen Sozialismus in der Schweiz. Von 1977 bis 2007 leitete er die Zeitschrift «Neue Wege», ein Forum für kritische Kirchenleute aller Konfessionen. Wie Spieler in seinem letzte Woche verschickten Lebenslauf schreibt, wuchs er am Rathausplatz in Glarus auf, sein Grossvater Ferdinand war der erste Regierungsrat der von ihm mitbegründeten Katholischen Volkspartei. «Meine Mama unternahm alles, um mich so katholisch wie möglich zu erziehen», schreibt er. Spieler war Ministrant, besuchte die Stiftsschule in Engelberg, studierte Jus und Philosophie, wurde Offizier und Präsident des Schweizerischen Studentenvereins. Vizepräsident dieser Kaderschmiede des politischen Katholizismus war damals der spätere Bundesrat Flavio Cotti.

1965 folgte ein radikaler Bruch. Spieler trat in die SP ein, weil ihn störte, wie katholische Politiker die Religion für ihre Zwecke missbrauchten. «Ich wurde über Nacht zur verfemten Unperson», schreibt er. Spieler begann sich mit Befreiungstheologie zu beschäftigen und mit dem religiösen Sozialismus. Er war acht Jahre lang Gemeinderat in der Goldküstengemeinde Küsnacht – trotz seines Engagements für die GSoA – und führte Kinderkrippen ein. 1991 wurde er Kantonsrat und präsidierte von 1996 bis 2001 die SP-Fraktion im Kantonsrat.

Prägende Figur für die SP

Spieler war einer der seltenen Politiker, die sowohl exzellent reden als auch schreiben konnten. Schriftlich wirkten seine Texte elegant, aber unnachgiebig; mündlich war Spieler liebenswürdig – und ebenso unnachgiebig, wenn es um die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich ging. Für die bürgerliche Ratsseite war er «einer der letzten Ideologen» im Parlament. «Willy Spieler verkörperte das moralisch-ethische Gewissen der SP und hat sie insbesondere im Kanton Zürich in Bezug auf die Werthaltung stark mitgeprägt», sagte am Freitag der Zürcher SP-Präsident Daniel Frei.

2010 wurde Spieler von der SP Schweiz beauftragt, den visionären Teil des neuen Parteiprogramms zu verfassen. Die 2012 in Lugano angenommene Kurzfassung trägt seine Handschrift, begeistert unterstützt von den Juso. Spieler sprach etwas eleganter von der «Demokratisierung der Wirtschaft» und nicht von der «Überwindung des Kapitalismus». Die Abschaffung der Armee im Parteiprogramm freute ihn, den erklärten Pazifisten und ehemaligen Offizier. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2016, 09:31 Uhr

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