SVP nominiert Tochter von Hans Fehr

Die Zürcher SVP will zwei Stadtratssitze erobern – mit der 32-jährigen Nina Fehr und dem Gemeinde- und Kantonsrat Roland Scheck.

Die frisch gekürten SVP-Stadtratskandidaten: Roland Scheck und Nina Fehr.

Die frisch gekürten SVP-Stadtratskandidaten: Roland Scheck und Nina Fehr. Bild: Nicola Pitaro

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Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die SVP unter Parteipräsident Roger Liebi zieht mit einer politisch wenig erfahrenen jungen Frau und einem Politiker mit doppelter Parlamentserfahrung in den Wahlkampf. Die rund 50 Delegierten haben auf Antrag der Parteileitung Nina Fehr und Roland Scheck als Stadtratskandidaten nominiert. Es gab dabei keine Diskussion, aber viel Applaus.

Die grosse Überraschung ist dabei Nina Fehr. Die 32-Jährige ist bisher politisch nicht aufgefallen und besetzt kein öffentliches Amt. Aber sie stammt aus einer hochpolitischen Familie. Ihre Mutter, Ursula Fehr, ist SVP-Gemeindepräsidentin in Eglisau. Noch bekannter aber ist ihr Vater, SVP-Nationalrat Hans Fehr. Sie ist Juristin und arbeitet im Kader der Zürich Versicherung. Nebenbei strebt sie an der Uni Zürich noch den juristischen Doktortitel im Fachbereich Versicherungsrecht an.

Fehr wollte Model werden

Politisch ist Fehr nicht ganz unbefleckt: Schon als 14-jährige sammelte sie Unterschriften für ein Verbot von Delphin-Shows in der Schweiz. Dem «Beobachter» sagte sie damals, ihr Vater sei zwar bei der SVP, sie würde aber «wenn schon den Grünen beitreten». Als 17-jährige beteiligte sie sich am Schönheitswettbewerb «Elite Model Look 98» und schaffte es unter die schönsten 10. Sie interessiere «die ganze Modeszene sehr» erklärte sie dem «Sonntagsblick». Als ihre Vorbilder bezeichnete sie «Schweizer Models, die es geschafft haben». Als 20-jährige machte Fehr auch eine Ausbildung als Flight-Attendant bei der Swissair.

Im weitesten Sinn politische Erfahrung erwarb Fehr als Geschäftsführerin und juristische Beraterin beim Konsumentenforum Zürich. Zusammen mit ihrem Mann, Thomas Düsel, sitzt sie heute im Vorstand der SVP-Sektion Zürich 7 und 8. Sie präsentierte sich vor den Delegierten als sattelfest im SVP-Programm, ging aber auf die Details der städtischen Politik nicht ein.

In Zürich politisch bekannter ist Roland Scheck. Der 46-jährige mit dem markanten kahlen Kopf ist zugleich Gemeinde- und Kantonsrat, aber beides erst seit 2010 beziehungsweise 2011. Er politisiert seit 2008 in der SVP, wo er sich vom einfachen Parteidelgierten aus dem Kreis 3 zum Vorstand der Stadtpartei hoch diente. Der diplomierte Bauingenieur ETH hat sich in Betriebswirtschaft weiter gebildet arbeitet seit einem Jahr als selbstständiger Webdesigner. Vorher war er während über einem Jahrzehnt bei der Zürcher Kantonalbank angestellt, zuletzt als Mitglied der Direktion.

Scheck wirkte vor den Delegierten detailsicherer als Fehr. Vor allem die städtischen Finanzen liegen ihm am Herzen: «Die Stadt ist faktisch bankrott, und der Stadtrat hat keine Vorstellung, wie das ändern soll.» Trotz beschlossener Stellenplafonierung steige die Zahl der städtischen Angestellten laufend, mit den entsprechenden Kosten. «Der Stadtrat kann seine eigenen Beschlüsse nicht umsetzen.»

SVP unterstützt Leutenegger

Die SVP hatte schon lange vor den Sommerferien angekündigt, mit mindestens zwei Kandidaten bei den Stadtratswahlen im nächsten Februar anzutreten. Anders als bei der FDP und bei der SP, die die Kandidatenauswahl öffentlich austragen, hielt die SVP aber bei den Namen absolut dicht. Die SVP verzichtet darauf, Stadtpräsidentin Corine Mauch mit einem eigenen Kandidaten anzugreifen. Parteipräsident Roger Liebi erklärte aber, dass die SVP Filippo Leutenegger, den Kandidaten der FDP, im Wahlkampf ums Stadtpräsidium unterstützen wird. Die Delegierten folgten Liebis Antrag einstimmig.

Jetzt gibt es im Stadtratswahlkampf 2014 nur noch eine grosse Unbekannte: Wer bewirbt sich von der SP für den Sitz des zurücktretenden Sozialvorstehers Martin Waser? Die Sozialdemokraten nominieren am kommenden Dienstag. Fünf Kandidaten haben die Sommerwochen hindurch innerhalb der Partei für sich geworben. Die bekanntesten Anwärter sind die beiden SP-Fraktionschefs aus dem Gemeinde- und dem Kantonsrat, Min Li Marti und Raphael Golta. Gemeinderätin Christine Seidler, Kantonsrat Thomas Marthaler und die Ex-Gemeinderätin Regula Enderlin. Wieder kandidieren werden von der SP Stadtpräsidentin Corine Mauch, Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen und Hochbauvorsteher André Odermatt.

Grüne verteidigen Genners Sitz

Die FDP, die im Frühling den Sitz von Martion Vollenwyder an Richard Wolff von der Alternativen Liste verloren hat, greift mit Nationalrat Filippo Leutenegger den Sitz von Stadtpräsidentin Mauch an. Und Andres Türler will seinen Posten als Departementsvorsteher der Industriellen Betriebe verteidigen. Schon länger ist bekannt, dass CVP-Schulvorsteher Gerold Lauber wieder kandidieren wird.

Ebenfalls wieder ins Rennen steigen wird Daniel Leupi für die Grünen, der vor etwas mehr als drei Monaten das Finanzdepartement übernommen hat. Den Sitz der zurücktretenden Ruth Genner versucht Fraktionschef Markus Knauss zu erobern. Die Grünliberalen schicken Gemeinderat Samuel Dubno ins Rennen.

Erstellt: 05.09.2013, 20:47 Uhr

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