SVP-Männer möchten in die Frauenbadi – und ernten Spott

Der Rechtsaussen-Flügel des Stadtparlaments plädiert für die Öffnung der Frauenbadi. Die Folge: schallendes Gelächter.

Die SVP möchte aus Gründen der Gleichstellung die Frauenbadi am Stadthausquai auch für Männer öffnen.

Die SVP möchte aus Gründen der Gleichstellung die Frauenbadi am Stadthausquai auch für Männer öffnen. Bild: Keystone

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Am Schluss wurde der SVP gratuliert, wenn auch mit ironischem Unterton. Der Grund dafür war ein Postulat von Urs Fehr gegen Ende der gestrigen Sitzung im Zürcher Gemeinderat, wonach die Frauenbadi künftig auch für Männer zugänglich werden soll. Der Parlamentarier verwies auf die Entscheidung der Stadt, geschlechtsneutrale Toiletten zu etablieren. «Gleichstellung», war sein Argument. Schallendes Gelächter in fast allen Fraktionen die unmittelbare Folge darauf. Nicht zuletzt, weil Fehr seiner Rede voranstellte, es sei das beste Postulat, das er je eingereicht habe.

Die AL schliesslich nahm die Steilvorlage an. Andrea Leitner-Vorhoeven nannte den Vorstoss zuerst erheiternd und frotzelte schliesslich, dass die SVP in die Frauenbadi wolle, lasse nichts als tief blicken. Auch Kathrina Prelicz-Huber (Grüne) entgegnete, ausser Rand und Band sei nicht die Genderpolitik der Stadt, sondern die Fantasie der SVP. Dies nun sei das beste Beispiel dafür, dass getrennte Badis noch immer wichtig seien. Zahlreiche Männer schlossen sich dieser Meinung an, schliesslich soll jeder selber entscheiden, wie und wo er baden möchte, lautete die einhellige Meinung. Einige verwiesen auf die Religionsfreiheit, weil insbesondere orthodoxe Juden nur getrennte Badeanstalten benutzten.

15 Redner meldeten sich

Einer ganz anderen Argumentation folgte Severin Pflüger (FDP): Die Geschlechter würden sich gegenseitig nur ablenken, sagte er, deshalb seien getrennte Zonen nach wie vor sinnvoll. Und sowieso sei die Gleichstellung schon sehr weit fortgeschritten, wenn derartige Postulate überhaupt existierten. Es sei zu begrüssen, sagten schliesslich mehrere Redner – insgesamt waren es zu dieser Sache 15 –, dass sich die SVP neuerdings für Gleichstellung interessiere. So viel zum Lob.

Das Postulat wurde nicht an den Stadtrat überwiesen, die SVP erhielt ausserhalb ihrer Fraktion keine Stimme. «Unser Parlament gibt ein schlechtes Bild ab, wenn sie derart ausschweifend über solche Themen debattiert», sagte schliesslich Davy Graf (SP).

Ist das Anliegen der SVP-Politiker gerechtfertigt oder verstehen Sie die Häme der Linken? Was ist Ihre Meinung dazu? Diskutieren Sie in unserer Kommentarspalte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2017, 07:57 Uhr

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