SVP-Nationalrat übt Kritik an Personalplänen der Uni

Die Universität Zürich ordnet zwei Bereiche der medizinischen Fakultät neu. Von den Veränderungen ist auch das ehemals von Christoph Mörgeli geführte Medizinhistorische Museum betroffen.

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Die Universität Zürich bekommt ein Center for Medical Humanities – das erste dieser Art in der Schweiz. Bis zum Herbstsemester 2014, das am 1. August beginnt, soll das Projekt umgesetzt werden, teilt die Universität am Dienstag in einer Medienkonferenz mit.

Zur Bildung des neuen Zentrums teilt die Universitätsleitung das Medizinhistorische Institut auf. Das Museum und die Objektsammlung werden einem neu geschaffenen Institut für Evolutionäre Medizin zugeteilt. Die Fachrichtung befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte menschlicher Krankheiten und des menschlichen Körpers. Leiter des Instituts wird Professor Frank Rühli, der bereits dem Zentrum für Evolutionäre Medizin vorstand.

Ziel: Ganzheitliche Forschung

Das Archiv und die Bibliothek des Medizinhistorischen Instituts sowie das Institut für Biomedizinische Ethik werden zum Center for Medical Humanities zusammengelegt. Neue Leiterin ist die bisherige Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik, Nikola Biller-Andorno.

Flurin Condrau, Leiter des Medizinhistorischen Instituts, wird den Lehrstuhl für Medizingeschichte im neuen Zentrum führen. Die Universitätsleitung will das aber nicht als eine Degradierung Condraus verstanden wissen. Wichtig ist laut Universitätsrektor Michael Hengartner, dass Condrau, «ein hervorragender Wissenschafter», die Medizingeschichte an der Uni Zürich stärken kann. Flurin Condrau selbst begrüsst die neue Lösung und freut sich, aktuelle Themen der Medizingeschichte in Zürich aufgreifen zu können, wie er vor den Medien sagte.

Ethischen Aspekte stärken

Mit dem neu geschaffenen Center for Medical Humanities verfolgt die Universität das Ziel, die gesellschaftlichen und ethischen Aspekte in der Medizin zu stärken und eine ganzheitliche Forschung und Lehre in diesem Bereich zu ermöglichen. Die Reorganisation soll zudem sicherstellen, dass die ethischen, fachlichen und räumlichen Anforderungen des seit 1. Januar 2014 gültigen Humanforschungsgesetzes umgesetzt werden können. «Unsere Studierenden sollen auch bezüglich der gesellschaftlichen Dimensionen ihres Berufs zu kritischen und unabhängigen Denkern ausgebildet werden», sagt Hengartner vor den Medien.

Neues Konzept für Medizinhistorisches Museum

Noch ist unklar, wie das ehemals von Christoph Mörgeli geführte Medizinhistorische Museum dereinst ausgestaltet werden soll. Zurzeit ist das Museum geschlossen. Dies dürfte so bleiben, bis das künftige Betriebskonzept steht. Dies kann noch Jahre dauern, wie Felix Althaus, Delegierter der Universitätsleitung für die Museen, sagte.

Sicher ist, dass es neu Medizinmuseum heissen wird und im Rahmen der Sanierung der medizinhistorischen Objektsammlung eine umfassende Digitalisierung ansteht – bisher sind nur rund zwei Prozent der Sammlung digital erfasst worden. Schlussendlich solle ein Museum entstehen, das mit einem variablen Ausstellungskonzept allen medizinischen Fachgebieten offenstehe und einer breiteren Öffentlichkeit wissenschaftliche Entwicklungen in der Medizin näherbringe.

Mörgeli schweigt

Mörgeli nahm als Zuhörer an der Medienkonferenz teil. Er wollte die Neuerungen auf Anfrage der SDA nicht kommentieren. Anders sein Parteikollege Alfred Heer, der als Medienvertreter des SVP-Parteiorgans «Zürcher Bote» vor Ort war. Seiner Ansicht nach steht es der Universität nicht gut an, Condrau weiter zu beschäftigen. Dieser sei für den Niedergang des Medizinischen Institut und Museums sowie die personellen Turbulenzen verantwortlich.

Zudem ist es für Heer unverständlich, dass das Medizinhistorische Museum, das bei den Leuten beliebt sei und sich an bester Lage befinde, nun geschlossen bleibe. Das koste den Steuerzahler viel Geld - genauso wie die Neupositionierung.

(Mit Material der SDA)

Erstellt: 06.05.2014, 11:05 Uhr

Die Vorgeschichte

Bereits im vergangenen Dezember hatte die Universität Zürich eine Neupositionierung des Medizinhistorischen Museums und Instituts angekündigt. Die beiden waren im Herbst 2012 in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten. Damals kam die Affäre Mörgeli aufgrund eines Berichts im «Tages-Anzeiger» ins Rollen.

Mörgelis damaliger Vorgesetzter, Flurin Condrau, hatte dessen Arbeit als Konservator des Museums und Verantwortlicher für die Objektsammlung als ungenügend beurteilt. Die Uni verfügte die Amts-Einstellung des Kurators.

Ende März 2013 folgte Mörgelis Kündigung. Den Titel Titularprofessor konnte er jedoch behalten. Damit ist er berechtigt, auf Einladung der Fakultät Vorlesungen zu halten.

Im Raum stehen immer noch gegenseitige Anschuldigungen, Beschwerden und Rekurse. Condraus Stellvertreterin Iris Ritzmann wurde ebenfalls entlassen. Es sind mehrere Anklagen hängig in diesem Fall. Auch der damalige Uni-Rektor Andreas Fischer war im Zuge der Affäre kurz vor seiner ordentlichen Pensionierung zurückgetreten. (sda)

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Der Fall Mörgeli: Eine Chronologie

Der Fall Mörgeli: Eine Chronologie Am 11. September 2012 brachte ein Bericht des «Tages-Anzeigers» den Fall ins Rollen.

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