Sahelzone am Seebecken

Die Wiesen am Zürichsee erinnern mehr an Randgebiete einer Wüste denn an eine mitteleuropäische Parkanlage. Braun statt grün, wohin das Auge reicht. Das wird noch eine Weile andauern.

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Die Wiesen beim Arboretum machen der Bezeichnung Wiese heute Dienstagvormittag keine Ehre. Braun und Gelb sind die vorherrschenden Farben. Über grosse Flächen hinweg trocknet die vormalige Grünanlage vor sich hin. An verschiedenen Orten sieht der Boden aus wie eine Bienenwabe. Hunderte Löcher sind zu erkennen. Einzig zwischen Voliere und Hafen Enge ist ein kleines Wiesenstück abgesperrt. Das gleiche Bild auf der anderen Seeseite: Auf der Blatterwiese reihen sich vertrocknete Grasflächen aneinander, meist nur gebrochen durch schwarze, runde Flecken von Einweggrills. Einsam auf weiter Flur schützt gerade mal eine Absperrung ein paar Quadratmeter der Wiese.

Laut Annina Keller, Sprecherin von Grün Stadt Zürich, sind die vertrockneten Rasenstücke «Nachwehen des Züri-Fäscht». Die Wiesen seien durch die vielen Stände in Mitleidenschaft gezogen worden. Dass dies auch drei Wochen nach Zürichs grösster Party noch klar ersichtlich ist, habe vor allem mit dem Wetter zu tun: «Es ist seither äusserst trocken. Wir können deshalb nicht sagen, wie lange es dauert, bis die Grünanlagen wieder wie gewohnt aussehen.»

Tägliche Bewässerung

Jeden Morgen zwischen fünf und neun Uhr würden sämtliche Anlagen bewässert. «Wir nehmen Rücksicht auf die vielen Menschen, die sich bei diesem Wetter in den Seeanlagen vergnügen. Der Nutzungsdruck im Seebecken ist äusserst hoch.» Deshalb habe Grün Stadt Zürich nur wenige, kleine Parzellen abgesperrt, bei denen der Boden besonders belastet wurde. «Dort sind wir dabei, neuen Rollrasen auszulegen oder die Wiese neu anzusäen.»

Auch die Löcher in den ausgetrockneten Wiesen, die manche Stellen wie Bienenwaben aussehen lassen (siehe Bildstrecke), hat Grün Stadt Zürich gebohrt: «An diesen Stellen herrschte während des Züri-Fäscht besonders grosser Druck auf den Boden», erklärt Keller. Um ihn zu belüften, habe man die Löcher gebohrt, «damit er sich schneller erholt».

Die Einweggrills und deren Brandlöcher seien in den Grünanlagen nach wie vor ein Problem: «Da sie grundsätzlich nicht verboten sind, können die Nutzer nur dann gebüsst werden, wenn sie einen Schaden hinterlassen», erklärt Keller. Die Stadt versuche aber die Bevölkerung zu sensibilisieren: «Wir verteilen Flyer, auf denen wir auf die entstehenden Schäden hinweisen und Alternativen vorschlagen.» Zudem habe die Stadt an verschiedenen Orten Elektrogrills aufgestellt, um das Problem zu lösen. «Dies hält jedoch viele nicht davon ab, den eigenen Grill mitzunehmen.»

Beim Arboretum hat die Trockenheit der letzten Wochen eine weitere Konsequenz: Die Bäume, welche den Uferweg vor dem Seebad Enge zieren, bergen plötzlich eine Gefahr: Die dicken Äste könnten abbrechen, auch gesunde, wie ein Schild Velofahrern und Fussgängern angibt. Deshalb sind die Bäume umzäunt, der direkte Uferweg darf auf einem Teilstück nicht befahren werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.07.2013, 14:50 Uhr

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