Schenkelklopfer statt Tritte

Der umstrittene Hundetrainer Cesar Millan zeigte sich im Hallenstadion handzahm. Statt rabiater Dressurmethoden gabs Komikeinlagen.

Auftritt im Trikot der Schweizer Fussballnationalmannschaft: Hundetrainer Cesar Millan im Hallenstadion. Foto: Doris Fanconi

Auftritt im Trikot der Schweizer Fussballnationalmannschaft: Hundetrainer Cesar Millan im Hallenstadion. Foto: Doris Fanconi

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Wer von Cesar Millans gestriger Show im ausverkauften Hallenstadion eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Hundeerziehung erwartete, wurde enttäuscht. Der gebürtige Mexikaner, der mit 21 illegal in die USA einwanderte und sich als Hundetrainer zum Millionär hocharbeitete, lieferte eine unterhaltsame Show im amerikanischen Stil. Dabei trat der selbst ernannte «Hundeflüsterer» mehr als Komödiant denn als Hundetrainer in Erscheinung, auch wenn sich seine Gags um Vierbeiner drehten.

Sein Wissen über Hunde, das er sonst in seinen Fernsehsendungen mit rund elf Millionen Zuschauern allein in den USA, in sechs Büchern und einer eigenen Zeitschrift präsentiert, servierte Millan den 6200 Zürcher Besuchern in Form von Schenkelklopfersprüchen. Der Simultandolmetscher neben ihm auf der Bühne übersetzte Gags wie: «Hunde haben die Absicht, uns glücklich zu machen – im Unterschied zu Tieren, die uns fressen wollen: Krokodile, Haie . . . oder Ex-Frauen.» Er wisse, wovon er spreche, meinte Millan, in ein rotes Fussballleibchen der Schweizer Nationalmannschaft gekleidet. Das Publikum dankte ihm seine Offenheit mit herzlichen Lachern – zuverlässig wie die Lachkonserven einer Vorabendserie.

Leucht- statt Würgehalsbänder

Von Millans umstrittenen Methoden war auf der Bühne nichts zu sehen. In seinen Fernsehsendungen setzt Millan auch mal auf Würgehalsbänder und Fusstritte, um aggressive Hunde zu bändigen – Methoden, die in der Schweiz verboten sind. Im Vorfeld der Tour hatten Tierschützer und Hundetrainer, die sich für eine gewaltfreie Erziehung von Hunden einsetzen, gegen die Auftritte des dominanten «Hundeflüsterers» protestiert. In Zürich wachten deshalb Vertreter des Veterinäramtes über der Show. Doch Millan gab sich handzahm. Erst nach gut Dreiviertelstunden Millan-Monolog kamen zwei Hündchen für Kurzauftritte auf die Bühne.

An Hündin Oona zeigte Millan mit viel Körpereinsatz, «shht»-Lauten und seinem Ansatz der «ruhigen entschlossenen Energie» vor, wie Hunde vom unkontrollierten Fressen abgehalten werden können. Für den geglückten Einsatz gab es frenetischen Applaus.

Angereist aus der ganzen Schweiz waren Hundebesitzerinnen und Hundesitter, die sich weiterbilden wollten. Angesprochen auf Millans härtere Methoden, zeigten sich auch einige seiner Fans kritisch. Susanne Manser aus Klein­andelfingen fand Würgehalsbänder «too much». Nadine und Vanessa Zehnder aus Birmensdorf hingegen sagten: «Wenn ein Würgehalsband richtig eingesetzt wird, finden wir es okay.» Die von Millan entwickelten Würgehalsbänder gab es am Merchandising-Stand im Hallenstadion gestern nicht zu kaufen. Nur Halsbänder, die im Dunkeln leuchten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2014, 23:14 Uhr

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