Schreiend 80 Meter in die Tiefe

Premiere am Knabenschiessen. Zum ersten Mal wartet an Zürichs grösstem Volksfest ein 80 Meter hoher Freefall-Tower auf die Besucher. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat den freien Fall getestet.

Video: Lea Koch und Giorgia Müller

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Den Kopf in den Nacken gelegt, gehe ich auf den 80-Meter-Riesen im Albisgüetli zu. Eine absolute Premiere am Knabenschiessen sei dieser Freefall-Tower, liess ich mir im Vorfeld sagen. Am Samstag werden Hunderte Besucher mit ihm in die Höhe fahren, um zwei Sekunden den freien Fall zu erleben. Ich muss alleine dort hoch, ohne Mitstreiter.

Als mich der Schausteller Hanspeter Maier begrüsst, ist mir meine Nervosität ins Gesicht geschrieben. «Ich fahre täglich vier- bis fünfmal damit hoch», erklärt er mir und zeigt auf den Tower. Über drei Millionen Franken kostete ihn der «bisher höchste Freefall-Tower der Welt», wie es auf einem Schild heisst.

Kein Weg zurück

Auf dem Weg zum Tower erfahre ich, dass ich gleich bis zu 100 km/h schnell und mit 2,5 g in den Sitz gepresst werde. Dann muss ich alleine weiter: Ich setze mich auf einen der lila Sitze. Mein Puls beschleunigt sich, als ich den Sitzbügel zuziehe. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Zu wissen, dass es gleich 80 Meter in die Höhe geht, beschert mir eine prickelnde Mischung aus Erregung und Angst. Es ruckt einmal, und wie von Geisterhand bewegt sich die ganze Sitzreihe senkrecht nach oben. Wegen der Hydraulik fühlt es sich an wie im Lift. Schnell wird alles unter mir kleiner, die Luft kühler und die Aussicht besser.

Zwei Minuten dauert es, bis ich ganz oben angekommen bin. Es ist wirklich ziemlich hoch. Meine Beine baumeln fröhlich in der Luft. Der Ausblick ist trotz schlechten Wetterverhältnissen phänomenal! Ich schaue auf den Boden: Wie hoch 80 Meter sind, kann man von unten zwar sehen, von oben schaut das aber noch mal ganz anders aus.

Freier Schrei

Der Tower bleibt eine Minute stehen. Mein Puls rast, und mein Körper schüttet Adrenalin aus. Als der Sitz in die Tiefe schiesst, schreie ich. Meinen Magen spüre ich bis in meinen Hals, in meinem Kopf perlt es wie Champagnerbläschen, und irgendwie bin ich erstaunt, dass das ganze Ding tatsächlich kurz vorm Boden sehr sanft abbremst. Wow! Das ging schnell. Mir zittern zwar beim Aussteigen die Knie, aber ich fühl mich irgendwie auch gut – fast schon euphorisch.

Der kurze Spass ist allerdings kein Schnäppchen: Mit 12 Franken pro Fahrt ist der Freefall-Tower eines der teuersten Fahrgeschäfte am Knabenschiessen.

Erstellt: 12.09.2014, 17:14 Uhr

Artikel zum Thema

10 Dinge, die Sie über das Knabenschiessen wissen müssen

Ab kommendem Samstag ist es wieder so weit: Auf dem Albisgüetli drehen die Bahnen und schiessen die Schützen. Der Traditionsanlass wartet mit einigen Novitäten auf. Eine davon ist 80 Meter hoch. Mehr...

Dompteurin der Spassmeute

Uschi Spenglers Leben spielt sich auf der Chilbi ab, auch beim Knabenschiessen ist sie mit ihrem Stand dabei. Sie führt das unstete, aber freie Leben einer Schaustellerin. Porträt einer Frau, die einiges über die Natur des Menschen weiss. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...