Schüsse auf den Einbrecher waren Notwehr

Die Untersuchung gegen einen Wildhüter wurde eingestellt. Er hatte sich mit einem Revolver gegen einen Eindringling gewehrt.

Notwehr: In diesem abgelegenen Haus am Waldrand hat der Wildhüter den Einbrecher überrascht.

Notwehr: In diesem abgelegenen Haus am Waldrand hat der Wildhüter den Einbrecher überrascht. Bild: Stefan Hohler

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Ende Juni überraschte der Wildhüter in seinem Haus am Adlisberg in der Nähe des Zoos einen Einbrecher und schoss auf ihn. Der Täter konnte fliehen und wurde trotz Grosseinsatz der Polizei nicht gefunden. In der Folge untersuchte die Staatsanwaltschaft den Vorfall. Am 14. November hat sie nun eine Einstellungsverfügung erlassen, wie der Wildhüter auf Anfrage sagt. Laut Marc Engler, seinem Anwalt, hat die Staatsanwaltschaft die Schussabgabe als angemessene und verhältnismässige Notwehr betrachtet.

Wie der Wildhüter sagt, war er an diesem Tag gerade kurz ausser Haus gewesen; seine beiden Hunde liess er zurück. Als er zurückkam, seien sie wie «Ölgötzen» im Erdgeschoss gestanden. Die Tiere hatten gemerkt, dass sich jemand im oberen Stock befand – sie waren aber darauf abgerichtet, die beiden oberen Stockwerke nicht zu betreten. «Sie waren völlig überfordert.» Da hörte der Wildhüter, wie eine Treppe leicht knarrte. Er vermutete, dass sich ein Fuchs ins Haus geschlichen hatte.

Der Wildhüter nahm einen kleinen Fangschussrevolver zur Hand und stieg die Treppe hinauf. Im zweiten Stock stand er plötzlich einem Typen gegenüber, der einen «Riesenföhn», eine grosse Pistole, in der Hand hielt und auf ihn zielte. Geistesgegenwärtig schoss der Wildhüter. «Es knallte, und der Typ rannte davon.» Nach der Schussabgabe meldete der Wildhüter den Vorfall der Polizei. Ob der Unbekannte getroffen wurde, ist unklar. Die Polizei fand keine Blutspuren. Der Wildhüter betont, er habe die Waffe tief gehalten und auch nicht nachgeschossen. Er ist überzeugt, den Mann getroffen zu haben.

Ein Bauchschuss?

Beim unbekannten Einbrecher handelt es sich um einen circa 35-jährigen, etwa 175 Zentimeter grossen, sportlichen Mann mit dunklem Teint. Er trug ein graues Kapuzenshirt. Eine Autofahrerin sah kurze Zeit später in der Nähe einen Mann mit einem Kapuzenpulli, die Strasse überqueren. Der Unbekannte hielt die Hände dabei in den Taschen seines Pullis vor dem Bauch. Möglicherweise hat er einen Bauchschuss erlitten. Obwohl die Polizei mit rund 60 Beamten sowie mit Diensthunden im Grossraum Dolder/Kunsteisbahn/Zoo nach dem Einbrecher fahndete, blieb der Mann spurlos verschwunden. Auch konnten keine DNA-Spuren von ihm gefunden werden.

Der Vorfall hatte für den Wildhüter keine beruflichen Konsequenzen. Er ist berechtigt, weiterhin eine Waffe zu tragen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.12.2012, 07:25 Uhr

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