Schule nur bis 14 Uhr: Versuch startet frühestens in zwei Jahren

Der Regierungsrat steht der Einführung von Halb-Tagesschulen in der Stadt Zürich positiv gegenüber. Das neue Schulmodell wird nicht nur den Alltag der Kinder massiv umstellen.

Die Volksschule übernimmt das Modell: Unterricht in der privaten Tagesschule Zurich International School. Foto: Keystone

Die Volksschule übernimmt das Modell: Unterricht in der privaten Tagesschule Zurich International School. Foto: Keystone

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Die Stadtzürcher Schulkinder sollen in Zukunft jeden Tag bis 14 oder 15 Uhr in der Schule bleiben – durchgehend, inklusive Mittagessen – wie in Deutschland, Österreich und den USA. Das hat der Gemeinderat letzte Woche beschlossen. Nun ist der Stadtrat gefordert. Er muss darlegen, wie er die Vorgabe umsetzen will. Dafür hat er zwei Jahre Zeit.

Gesetzliche Grundlage fehlt

Was bereits jetzt klar ist: Zur definitiven Einführung der Tagesschule light, wie das von der FDP vorgeschlagene Modell genannt wird, ist eine Änderung des kantonalen Volksschulgesetzes nötig. Damit Kinder verpflichtet werden können, über Mittag in der Schule zu bleiben, braucht es eine gesetzliche Grundlage. Diese fehlt bis jetzt. Ein Schulversuch ist bereits heute möglich. Es gibt verschiedene Varianten: Die Stadt könnte das neue Modell in allen Schulen gleichzeitig erproben. Dazu braucht es eine Bewilligung des Regierungsrats.

Der Stadtrat kann den Versuch aber auch in eigener Kompetenz durchführen, zum Beispiel, wenn er ihn nur in je einer von zwei benachbarten Schulen durchführt. So hätten die Kinder und ihre Eltern die Wahl zwischen dem alten und dem neuen Modell. Das würde auch zeigen, welches der beiden auf mehr Interesse stösst. Möglich wäre auch eine Erprobung der Tagesschule light in nur einem Schulkreis der Stadt.

Viele offene Fragen

Laut Martin Wendelspiess, Leiter des kantonalen Volksschulamts, müsste der Versuch länger als ein Jahr dauern. «Die Schwachstellen und Vorteile eines neuen Modells zeigen sich frühestens im zweiten Jahr», sagt Wendelspiess. Seiner Ansicht nach würde es etwa zwei Jahre dauern, den Versuch vorzubereiten.

Im ersten Jahr müssen folgende Fragen geklärt werden: In wie vielen Schulhäusern wird das Modell getestet? Wie wird die Lehrerschaft eingebunden, wie das Hortpersonal? Gibt es über Mittag warmes Essen oder müssen die Schüler Sandwiches mitnehmen? Wie wird die Betreuung der Kinder nach 14 oder 15 Uhr sichergestellt? Können auch andere Gemeinden das Modell ausprobieren? Im zweiten Jahr werden die Schulen auf das Pilotprojekt vorbereitet. Wendelspiess glaubt, dass die Stadt Zürich frühestens in zwei Jahren, im Sommer 2014, mit dem Schulversuch beginnen kann.

Stadtrat scheut eine Prognose

Das ist auch im Sinn der städtischen FDP, die den Vorstoss zur Einführung der Tagesschule light eingereicht hatte. «Der Stadtrat muss jetzt vorwärtsmachen», sagt FDP-Gemeinderätin Claudia Simon. Sie rechnet mit zwei bis drei Jahren bis zum Beginn des Versuchs. In spätestens zehn Jahren soll der Stadtrat die Tagesschule light flächendeckend einführen. Bis dahin muss der Kantonsrat das Volksschulgesetz geändert haben.

Die FDP-Fraktion im Kantonsrat arbeite auf dieses Ziel hin, sagt Simon. Dass der Regierungsrat dem neuen Modell grundsätzlich positiv gegenübersteht, zeigt sich in seiner Antwort auf eine Anfrage der FDP-Kantonsrätinnen Leila Feit und Carmen Walker Späh zum Thema: «Die sogenannten Halb-Tagesschulen können zu einer Verbesserung der Tagesstrukturen beitragen», schreibt der Regierungsrat. Offen bleibe, ob der Betreuungsbedarf mit dem Modell ausreichend abgedeckt werden könne.

Das städtische Schul- und Sportdepartement von Gerold Lauber (CVP) will im Moment noch keine Prognose wagen, wie lange es bis zur Erprobung und Einführung der Tagesschule light dauert. «Wir müssen zuerst eine Auslegeordnung vornehmen und einen konkreten Vorschlag ausarbeiten», sagt Regina Kesselring vom Schulamt. Nur so viel könne sie schon jetzt sagen: «Wir suchen nicht die schnellstmögliche, sondern die bestmögliche Lösung.»

Erstellt: 11.04.2012, 08:35 Uhr

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