Schweizerdeutsch im Tram gefordert

Durchsagen im Tram mit helvetischem Akzent – das wollen die SVP, EVP und SD.

«Triimli» oder «Triemli»? Zürcher Parteien wollen Traumdurchsagen mit Schweizer Akzent.

«Triimli» oder «Triemli»? Zürcher Parteien wollen Traumdurchsagen mit Schweizer Akzent. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zum ersten Mal durfte gestern der Vizepräsident ran. Martin Abele (Grüne) leitete für den anderswo dringender benötigten Gemeinderatspräsidenten Albert Leiser (FDP) die Sitzung. Er tat das in seinem gemächlichen Bieler Dialekt. Das passte, denn der Rat verwendete einen grossen Teil der Sitzungszeit darauf, Vor- und Nachteile einer mundartlich gefärbten Aussprache bei Tramdurchsagen zu diskutieren.

Die SVP-Ratsmitglieder Daniel Regli und Monika Erfigen forderten nämlich, «dass durch Lautsprecher verbreitete Mitteilungen der VBZ nur von Personen gesprochen werden, deren Muttersprache Schweizerdeutsch ist». Man muss hier festhalten, dass der Vorstoss wirklich ernst gemeint war.

«Helvetische Intonation» gefordert

Regli präzisierte, es gehe nicht darum, Hochdeutsch oder die Anstellung deutscher Chauffeure zu verbieten. Ihm liegt die «helvetische Intonation» bei Tramhaltestellen-Namen wie Albisgüetli und Triemli am Herzen.

Tatsächlich: Wer ist (als Dialektsprecher) nicht schon zusammengezuckt, wenn bei einer Leitstellendurchsage von «Albisgüttli» oder «Triimli» die Rede war? Aber dass dies ein politisch zu behebendes Problem sein soll, konnten nur EVP und Schweizer Demokraten nachvollziehen.

Alle anderen Parteien brachten ihr Kopfschütteln wortreich zum Ausdruck. Für Andreas Kirstein (AL) ist der Vorstoss «an Provinzialität nicht zu überbieten». Martin Luchsinger (GLP) nannte ihn «Hafenkäse». Und Severin Pflüger (FDP) machte eine «Durchsage der Leitstelle: Streckenblockierung durch Ideologiekollision bei der SVP». Sein Hochdeutsch war dialektgefärbt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2013, 10:33 Uhr

Umfrage

Sollen künftig nur noch Schweizer Tramdurchsagen sprechen dürfen?

Ja.

 
60.8%

Nein.

 
39.2%

659 Stimmen


Artikel zum Thema

«Das isch wahri Swissness»

Der Uhrenkonzern Swatch hat seinen Geschäftsbericht auf Schweizerdeutsch verfasst. Man verstehe dies als «positive Provokation». Mehr...

De Gischpli grochset i de Bäsebeiz

Quiz In der Nationalbibliothek startet eine grosse Mundartausstellung. Testen Sie im Quiz von Tagesanzeiger.ch/Newsnet ihre Dialekt-Kenntnisse. Mehr...

Der Dialekt als Sprache des Herzens? Pardon, das ist Kitsch!

Peter von Matt äussert sich über Dialektwahn und die gefährliche Abwertung des Hochdeutschen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...