Scientology missioniert im Hauptbahnhof

Auch auf dem Boden der SBB herrscht Meinungsfreiheit. Das nützt die umstrittene religiöse Bewegung.

Professionelle Missionsmethoden: Zum 40-jährigen Jubiläum propagierten Scientologen in Bern ihre «Religion» (6. Juni 2014).

Professionelle Missionsmethoden: Zum 40-jährigen Jubiläum propagierten Scientologen in Bern ihre «Religion» (6. Juni 2014). Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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In jüngster Zeit missioniert Scientology nicht nur auf der Zürcher Pestalozziwiese mit Standaktionen, sondern auch im Gebäude des Hauptbahnhofes. So auch am vergangenen Sonntag, wie ein aufgebrachter Leser dem TA mitteilte. Er könne nicht verstehen, dass eine Sekte sich im Bahnhof postieren, Leute ansprechen und ihnen die Broschüre «Der Weg zum Glücklichsein» verteilen dürfe, sagte der Passant. Er ärgerte sich auch, dass nur versteckt und klein gedruckt der Name des Sektengründers Ron Hubbard erwähnt war.

Gemäss dem SBB-Mediensprecher Reto Schärli zwingt ein Bundesgerichtsentscheid von 2012 die SBB, den Bahnhof für kommerzielle, ideelle und religiöse Zwecke zugänglich zu machen. Auslöser der neuen Nutzungsbestimmungen waren israelfeindliche Plakate, welche die SBB verboten hatten. Das Bundesgericht kam aber zum Schluss, die grossen Bahnhofsareale seien mit den vielen Läden eine «City in the City», also ein öffentlicher Raum, in dem auch die Meinungsfreiheit gewahrt werden müsse. Deshalb seien selbst kritische Aussagen zu aussenpolitischen Themen zu tolerieren.

Daraufhin überarbeiteten die SBB die Nutzungsbestimmungen für ideelle Promotionen auf dem Bahnhofsareal, die seit Januar 2013 in Kraft sind. Diese erlauben es auch umstrittenen Organisationen wie Scientology, einen Informationsstand zu betreiben. Die Sekte wird als ideelle Organisation eingestuft, weil sie nichts verkauft. Deshalb gilt für sie wie für alle ideellen Gemeinschaften eine stark reduzierte Standgebühr von 90 Franken.

Laut Schärli müssen die Standbetreiber die Flugblätter und Broschüren vorlegen, die sie verteilen wollen. Das schriftliche Material darf keine rassistischen Aussagen enthalten oder gegen ethische und moralische Grundsätze verstossen. «Alles, was auf öffentlichem Grund erlaubt ist, müssen wir auch in den Bahnhofshallen zulassen», sagt Reto Schärli. Da liessen sich die Scientologen mit ihren professionellen Missions­methoden nicht zweimal bitten.

Erstellt: 23.09.2014, 22:22 Uhr

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