Sechseläutenplatz: Martelli stellt sich gegen eigene Partei

Die Alt-FDP-Stadträtin macht im Pro-Komitee für den neuen Platz mit – obwohl ihre Partei das Referendum dagegen ergriffen hat.

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Kaum lanciert, birgt der Abstimmungskampf um den Sechseläutenplatz schon Zündstoff: Niemand geringerer als die ehemalige FDP-Stadträtin Kathrin Martelli ist dem überparteilichen Pro-Komitee beigetreten. «Ja, ich bin dabei», bestätigt Martelli. Pikant: Ihre eigene Partei hat mit SVP und SD das Behördenreferendum gegen die Vorlage ergriffen. Darum kommt es am 23. September zur Volksabstimmung über den 17,2-Millionen-Kredit.

Martelli, die von 1994 bis 2010 in Zürichs Stadtregierung sass, begründet ihren Schritt damit, dass sie als frühere Tiefbauvorsteherin an der Entwicklung des neuen Sechseläutenplatzes massgeblich mitbeteiligt war. Sie erinnert an die Volksabstimmung von 2003, als die Stimmberechtigten zum Gestaltungsplan Sechseläutenplatz klar Ja sagten. Die Ex-Stadträtin zeigt zwar Verständnis für den Ärger ihrer Partei wegen des Spurabbaus am Utoquai. Dennoch ist sie gegen das Referendum. Die dadurch entstehende Verzögerung beim Platzumbau sei sehr bedauerlich. Ursprünglich hätte der neue Platz pünktlich zum Züri-Fäscht im nächsten Jahr fertig sein sollen. Nun kann er frühestens Anfang 2014 eröffnet werden. Wie Martelli weiter sagte, hat sie ihre Partei nicht vorgängig über den Beitritt zum Ja-Komitee orientiert.

Die FDP ist verärgert

FDP-Präsident Michael Baumer zeigt sich von Martellis Engagement überrascht und wenig angetan. «Das ist unglücklich», sagt er. Es sei wenig hilfreich, wenn Partei-Exponenten sich gegen deren Parolen stellten. Zudem hätte er es begrüsst, wenn sich prominente Mitglieder etwas mehr Zurückhaltung auferlegten. Umgekehrt habe er ein gewisses Verständnis dafür, dass Kathrin Martelli die neue Platzgestaltung so stark gewichtet. Doch für die FDP-Fraktion sei die von der grünen Stadträtin Ruth Genner vorgenommene Kombination von Platzgestaltung und Spurabbau nicht hinnehmbar. Auch SVP-Fraktionschef Mauro Tuena wundert sich: Martelli meine offenbar, sich gegenüber der Fraktion ihrer Partei profilieren zu müssen.

Im Ja-Komitee frohlockt man über die prominente Unterstützung. Man habe die Ex-Stadträtin angefragt, sagt Grünen-Fraktionschef Markus Knauss. Martellis Beitritt zum Komitee hält er für naheliegend: Schliesslich sei die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes für sie stets «eine Herzensangelegenheit» gewesen.

Erstellt: 20.08.2012, 07:56 Uhr

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