Seco-Affäre: Haus von Zürcher Ex-Chefbeamten durchsucht

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Spitzenmann der ZKB. Es ist der bisher hochrangigste Verdächtige in der Informatikaffäre des Seco.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Das Seco-Kompetenzzentrum in Bern.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt: Das Seco-Kompetenzzentrum in Bern. Bild: Sophie Stieger

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Am Mittwoch um 6 Uhr früh klingelte es an der Tür der herrschaftlichen Residenz von Daniel Heinzmann im aargauischen Möriken. Dann ging alles schnell. Polizisten und Ermittler stellten im Auftrag der federführenden Zürcher Staatsanwaltschaft das Domizil des 47-Jährigen auf den Kopf, der mitten in die sogenannte Seco-Affäre geraten ist.

Heinzmann war bis 2012 Chef von Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ), dem Rechenzentrum und IT-Kompetenzzentrum der Verwaltung. Anfang 2013 wechselte Heinzmann als IT-Chefstratege zur Zürcher Kantonalbank. Seither rapportiert er an den Zuständigen in der ZKB-Generaldirektion.

Aufträge ohne Ausschreibung

Beim Ex-OIZ-Direktor und heutigen Kadermann der ZKB handelt es sich um den bisher hochrangigsten Verdächtigen in der Informatikaffäre, die im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vor zwei Monaten ihren Anfang genommen hat und sich seither rasch auf weitere öffentliche Verwaltungen ausweitet. Heinzmann befindet sich nicht in Untersuchungshaft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Gegenstand der Ermittlungen sind Bestellungen von IT-Kadern beim Bund und in Kantonen bei der IT-Firma Fritz & Macziol aus Rotkreuz ZG. Aufträge sollen ohne korrekte Ausschreibung und zu überhöhten Preisen erfolgt sein, im Gegenzug sollen die Beamten von den damaligen Chefs von Fritz & Macziol mit Reisen, Elektronikgeräten und Fussballtickets entschädigt worden sein.

Zwei Ex-Spitzenleute in Untersuchungshaft

Ob auch Gelder flossen, ist Teil der Untersuchung. Zwei Ex-Spitzenleute der privaten IT-Firma befinden sich in Untersuchungshaft – gegen einen Dritten wird ebenfalls ermittelt. Auch ein Zürcher Chefbeamter der kantonalen Justizdirektion steht unter strafrechtlichem Verdacht.

Der beschuldigte Ex-OIZ-Direktor Daniel Heinzmann als Fünfter im Bund liess Anrufe unbeantwortet. Sein Kommunikationsberater konnte keine Stellung nehmen, weil er seinen Klienten nach Auskunft von gestern Abend seit über einem Tag nicht mehr ans Telefon gekriegt habe. Ein Sprecher der Kantonalbank wollte sich nicht zu Heinzmann äussern – auch die Oberstaatsanwaltschaft gab keinen Kommentar ab.

Der aus Visp im Wallis stammende Heinzmann hatte bereits vor der Hausdurchsuchung seine ZKB-Chefs ein erstes Mal über seiner Rolle in der Seco-Affäre informiert. Laut einer Quelle gab er sich damals zuversichtlich, dass er ungeschoren davonkommen würde.

Jede Schuld von sich gewiesen

Heinzmann habe betont, dass er als damaliger OIZ-Chef keine grossen IT-Bestellungen tätigen konnte, ohne dass die obersten Verantwortlichen in der Stadtverwaltung darüber entschieden hätten. Es habe immer grünes Licht des damaligen Finanzvorstehers Martin Vollenwyder (FDP), des IT-Ausschusses der Stadtregierung oder sogar des gesamten Stadtrats gebraucht. Ab 2007 hatte das OIZ bei der Firma Fritz & Macziol IT-Hardware und Dienstleistungen im Wert von 20 Millionen Franken bestellt.

Nach der Hausdurchsuchung vom Mittwoch habe Heinzmann die ZKB-Spitze und weitere Schlüsselleute innerhalb der Bank über die Zuspitzung in seinem Fall informiert, sagt eine zweite Quelle. Die Zuständigen hätten darauf entschieden, Heinzmann in seiner Funktion zu belassen. «Gegenüber der Bank stellte sich Heinzmann auf den Standpunkt, dass das OIZ unter seiner Führung erstmals moderne Grundsätze zur Unternehmensführung implementiert habe», sagt der Gesprächspartner. Selbst jetzt, nachdem die Ermittler sein Domizil durchsucht und ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet hätten, weise Heinzmann jegliche Schuld von sich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2014, 06:56 Uhr

Daniel Heinzmann

Der 47-Jährige war bis 2012 Chef von Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ). Seit 2013 arbeitet er als IT-Chefstratege bei der ZKB. Foto: PD

Daniel Heinzmann

Der 47-Jährige war bis 2012 Chef von Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ). Seit 2013 arbeitet er als IT-Chefstratege bei der Zürcher Kantonalbank.

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