Setzt jemand Goldfische aus, kostet das Zehntausende Franken

Die Zierfische sind putzig, sorgen aber in freier Wildbahn für riesige Probleme. Ausserdem muss jeder, der sich der Tierchen entledigt, mit hohen Geldstrafen rechnen.

Können zum Problem werden: Goldfische – hier im Aquarium.

Können zum Problem werden: Goldfische – hier im Aquarium. Bild: Adrian Moser

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Der kleine Weiher unweit vom Albisgüetli liegt in einer Kuhle mitten im Wald. Die Kiesböschung am Ufer ist noch etwas karg an diesem Frühlingsmorgen, das Grün fängt erst langsam an zu spriessen. Deshalb fällt das Schild sofort auf, das unweit des Wassers am Wegrand steht: «Bitte keine Goldfische aussetzen!»

Grün Stadt Zürich hat die Tafel zu Beginn der Laichsaison dort und an der Weiheranlage Dienerhölzli aufgestellt. Die Biotope sind für Amphibien in dieser Zeit besonders wichtig – dort paaren sie sich, dort legen sie ihre Eier ab. Und das verträgt sich absolut nicht mit ausgesetzten Goldfischen. Diese sind nämlich ausgesprochen gefrässig.

Schnelle Vermehrung und grosser Hunger

Die Zierfische, die ursprünglich aus China stammen, ernähren sich von fast allem, was ihnen vors Maul kommt. Sie essen nicht nur den Laich der Fische und Amphibien, sondern später auch deren Larven und Kaulquappen sowie Insekten, Wasserkäfer, Plankton, Kleinkrebse und Wasserpflanzen.

Hinzu kommt, dass Goldfische sich gut an unterschiedlichste Lebensbedingungen anpassen können und sich rasch vermehren. Die putzigen, unscheinbaren Tierchen erreichen gut genährt Längen von bis zu 40 Zentimetern und können 30 Jahre alt werden.

Bitte keine Goldfische aussetzen: Warntafel an einem Zürcher Weiher (Bild: Urs Jaudas)

All diese Eigenschaften machen sie zu gefährlichen Konkurrenten heimischer Tierarten. Obwohl die Zierfische in freier Wildbahn grosse Schäden am Ökosystem anrichten, kommt es immer wieder vor, dass sie in Weihern der Stadt ausgesetzt werden.

Bis zu 100'000 Franken für Trockenlegung

Tauchen Goldfische in Biotopen auf, muss Grün Stadt Zürich diese meist trockenlegen und abfischen, um sicher zu gehen, dass sich keine dieser Zierfische mehr darin befinden. In sechs Weihern mit Amphibienvorkommen habe man diese aufwendige Massnahme bereits treffen müssen, sagt Lukas Handschin, Mediensprecher von Grün Stadt Zürich. «Fünf davon können trotzdem nicht ganz goldfischfrei gehalten werden.» Je nach Grösse des Gewässers entstehen der Stadt dabei jedes Mal Kosten von 10'000 bis 100'000 Franken.

Sie verbreiten sich schon: In einem Weiher beim Albisgüetli tummeln sich Goldfische (Bild: Urs Jaudas)

Was viele nicht wissen: Das Aussetzen fremdartiger Tiere ist illegal und kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Je nach Schwere des Falls sieht das Tierschutzgesetz (TSchG) eine Geld- oder sogar eine Gefängnisstrafe vor. Damit sollen nicht nur die Tiere selbst vor dem Aussetzen, sondern heimische Arten vor neuen Fressfeinden geschützt werden.

Bisher hat Grün Stadt Zürich gemäss Handschin meist jemanden gefunden, der die Fische nach der Trockenlegung der Weiher übernommen hat. Gelinge das nicht, werden sie «tierschutzkonform getötet» und der Kadaverstelle übergeben. «Vor der Anschaffung von Goldfischen sollte man sich deshalb lieber drei- als zweimal überlegen, ob man die langlebigen Tiere auf die Dauer artgerecht halten kann», sagt Handschin.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2019, 12:36 Uhr

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