«Setzt man die Prioritäten anders, hats plötzlich Platz für Velos»

Der Dachverband der Velofahrer befürwortet die Pläne der Stadt, Radwege aus Sicherheitsgründen rot einzufärben. Trotzdem bekommt der Kanton Zürich von Pro-Velo-Geschäftsführer Dave Durner bessere Noten.

Rote Farbe für die Velos: Die Stadt will 40 Radwege zur Verbesserung der Sicherheit einfärben.

Rote Farbe für die Velos: Die Stadt will 40 Radwege zur Verbesserung der Sicherheit einfärben. Bild: Tina Fassbind

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Der Zürcher Stadtrat will an 40 gefährlichen Verzweigungen und Einspurbereichen die Velostreifen rot einfärben. Was sagen Sie zu diesen Plänen?
Wir von Pro Velo sind der Meinung, dass es die richtigen Massnahmen sind. Sieht man die Resultate des bisherigen Pilotprojekts an, so scheint das Konzept zu funktionieren. An diesen Stellen sind die Unfälle zurückgegangen. Ob 40 rote Radwege allerdings ausreichen, muss sich noch weisen. Sollte sich herausstellen, dass es noch weitere Bereiche gibt, die eingefärbt werden müssen, dann ist die Dienstabteilung Verkehr sicherlich pragmatisch genug, um rasch zu reagieren.

Neben den roten Velowegen plant die Dienstabteilung Verkehr ein Pilotprojekt im Seefeld. Dort soll im Randbereich der Strasse eine gelbe Fahrbahneinfärbung als Führungshilfe für den Verkehr eingezeichnet werden. Anders als die roten Radstreifen haben diese jedoch keine rechtliche Bewandtnis. Kann das funktionieren?
Es ist durchaus eine Option. An der Langstrasse gibt es bereits solche Streifen – allerdings sind sie grau, und inzwischen kann man sie kaum mehr erkennen. Sie haben tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation geführt. Wir haben deshalb bereits vor zwei Wochen bei der Stadt angeregt, dass man auch dort eine hellere Farbe verwenden soll. Fakt ist aber bei dieser Variante, dass ein einziges Auto reicht, das sich nicht an diesen Sicherheitsabstand zum Strassenrand hält, um die ganze Wirkung verpuffen zu lassen. Dann kommen die Velos bereits nicht mehr durch. Solange Autos durch die Langstrasse fahren und man den Velos nicht den Vorrang gibt, wird sich die Situation dort nicht verbessern.

Mischverkehr ist überall in der Stadt heikel. Polizeivorsteher Richard Wolff verfolgt deshalb das Ziel, auf Trottoirvarianten für den Veloverkehr zu verzichten und die Radwege auf die Fahrbahn oder allenfalls auf abgesetzte Bereiche des Trottoirs zu legen. Lässt sich der Mischverkehr ganz vermeiden?
Wenn Zürich wirklich eine Velostadt werden will, funktioniert das nicht mit Mischverkehr. Wir wehren uns deshalb immer mit Händen und Füssen gegen solche Varianten. Wenn ich allerdings die Verkehrsplanungen der letzten Jahre betrachte, glaube ich ehrlich gesagt nicht daran, dass es weniger Mischverkehr in der Stadt geben wird – auch wenn ich nur zu gerne daran glauben würde.

Worin sehen Sie denn die konkreten Schwachpunkte?
Die Anliegen der Velofahrer fliessen nicht oder zu spät in den Planungsprozess ein – obwohl wir das bereits mehrfach bei der Stadt angeregt haben. Auf Kantonsgebiet läuft das ganz anders. Da wird zunächst ein Betriebs- und Gestaltungsprojekt ausgearbeitet. Bevor die Bedürfnisse der verschiedenen Verkehrsteilnehmer nicht klar darin aufgenommen wurden, wird gar nicht erst mit der Planung begonnen.

Also ist der Kanton punkto Veloverkehrsplanung der Stadt Zürich voraus?
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die Verkehrsplanung funktioniert im Kanton tatsächlich besser als in der Stadt. In Zürich wird nicht an die Bedürfnisse der Fussgänger und Velofahrer gedacht. Es entsteht der Eindruck, dass man für diese Verkehrsteilnehmer bei Strassenbauprojekten oft die Restfläche verwendet. Der öffentliche Verkehr ist die heilige Kuh des Stadtrats. Wenn dafür genügend Platz ist – wie beispielsweise an der Winzerstrasse, wo eine separate Busspur angelegt wurde –, dann überlegt man sich, was mit den Autos passieren soll. Würde man die Prioritäten anders legen, dann hätte es auch in der engen Stadt Zürich plötzlich jede Menge Platz für Velos.

Erstellt: 01.07.2014, 14:24 Uhr

Wo die Velowege rot werden

«Wenn Zürich wirklich eine Velostadt werden will, funktioniert das nicht mit Mischverkehr»: Dave Durner, Geschäftsführer Pro Velo Zürich. (Bild: Doris Fanconi)

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