Shoppen in Deutschland – für Zuwanderer

Die Zurich International School führt Neuzuzüger ins German Shopping ein. Der Ausflug nach Jestetten kostet 50 Franken.

Profitieren von breiterem Sortiment und tieferen Preisen: Schweizer Zöllner überpfrüft Ware, die ein Konsument im Ausland einkaufte. (Archivbild)

Profitieren von breiterem Sortiment und tieferen Preisen: Schweizer Zöllner überpfrüft Ware, die ein Konsument im Ausland einkaufte. (Archivbild) Bild: Keystone

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Was, wenn die echte britische Marmelade auf dem Frühstückstisch fehlt und die Babywindeln hierzulande zu teuer sind? Im Bildungsprogramm für Englisch sprechende Eltern der Schülerinnen und Schüler an der Zurich International School steht auch eine Einkaufstour ins nahe Deutschland im Kursangebot. Der dreistündige Trip führt die Zuwanderer nach Jestetten am Hochrhein. Kostenpunkt fürs «German Shopping»: 50 Franken.

Zu kleines Angebot

Mancher, der aus dem Ausland in die Schweiz komme, empfinde das hiesige Angebot als zu klein, so Kursleiterin Karen Spink, die selbst aus Australien stammt. Sie sagt: «Die Auswahl machts!» Sie nennt Produkte wie ungesüsste Dosenfrüchte, die erwähnte britische Marmelade, Vollkorn-Muffins sowie den bitteren Schnaps Angostura, der hier gar nicht erhältlich ist. Ihre «Heimweh-Einkaufstouristen» – vorwiegend Inder, Briten und Schweden – würden hauptsächlich Esswaren kaufen. Aber auch Waschpulver, das in Deutschland wesentlich günstiger ist als in der Schweiz.

Unterrichtet werden die Teilnehmer auch im Ausfüllen der wichtigsten Formulare, inklusive der Erläuterungen, wie viele Sachen zollfrei zu haben sind. Lohnt sich die Reise? In der Regel würden die Zuwanderer vom Ausflug nicht profitieren, «sie legen eher noch drauf», sagt Karen Spink. Warum würde die Kursleiterin selber das German Shopping mitmachen? «Höchstens wegen der Vollkorn-Muffins.» Doch mit der Zeit lerne man, «dass man dies alles gar nicht braucht».

Empört über das Rosinenpicken

Alles andere als erbaut vom German Shopping ist der Schweizerische Gewerbeverband, der bisher von diesem Kursangebot keine Kenntnis hatte. Direktor Hans-Ulrich Bigler sagt: «Expats profitieren bei uns von sämtlichen Vorteilen. Wenn sie jetzt noch von einer internationalen Schule im Rosinenpicken drüben in Deutschland angeleitet werden, ist das ein absoluter Affront gegenüber dem Gastgeberland.»

Kursleiterin Karen Spink wehrt sich. Die Deutschlandtour nach Jestetten sei ohnehin Teil eines allgemeinen Shoppingkurses. «Wir stellen den Teilnehmern auch das Warensortiment der einheimischen Grossverteiler Coop, Migros sowie Denner vor.» Sie zeige den Expats obendrein auch jene ausländischen Shops, die spezifische Produkte aus den jeweiligen Heimatländern feilbieten, zum Beispiel im Langstrassenquartier oder an der Josefstrasse im Kreis 5. Die Zurich International School ist eine Ganztagesschule mit fünf verschiedenen Standorten im Grossraum Zürich und Baden, die von über 1500 Studenten aus mehr als 55 Ländern besucht wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2013, 08:52 Uhr

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