«Single-Haushalte produzieren anderen Abfall»

Ein Fünftel des Schweizer Hauskehrichts könnte laut dem Bundesamt für Umwelt wiederverwertet werden. Leta Filli von Entsorgung & Recycling Zürich ERZ sagt, wie es in Zürich um Altmetall und Bioabfall steht.

Bafu-Zahlen zur Zusammensetzung des Schweizer Abfalls.


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Laut einer Studie des Bundesamtes für Umwelt könnte ein Fünftel des Abfalls in der Schweiz wiederverwertet werden. Entspricht dies den Erfahrungswerten von Entsorgung & Recycling Zürich?
Die 20 Prozent in der Bafu-Studie sind jener Anteil an Wertstoffen, die bereits im Hauskehricht gelandet sind. Zürcher führen rund 40 Prozent dessen, was im Haushalt an wiederverwertbaren Stoffen anfällt, ausserhalb des Hauskehrichts zurück in den Kreislauf.

Zum Beispiel über Sammelstellen?
Über Sammelstellen und über die Abfuhr von Papier, Karton und Textilien und Bioabfall. Dann bleiben noch 60 Prozent des gesamten Abfalls eines Haushalts übrig. Dieser landet dann im Hauskehricht oder wird als Sperrgut abgegeben. Ich gehe aber davon aus, dass diese 20 Prozent auch auf die Stadt Zürich zutreffen werden.

Laut der Studie sind die Anteile an Glas, Papier, Pet, und Elektroschrott im Hauskehricht noch immer hoch. Sind die Menschen faul?
Das würde ich so nicht sagen. Wie gesagt: Wir haben eine Recycling-Quote von 40 Prozent. Das Engagement der Zürcher ist gross. Sie geben sich Mühe, die Wertstoffe zurück in den Kreislauf zu bringen.

Und doch machen es nicht alle.
Natürlich gibt es immer Menschen, die sich nicht für das Recycling zu interessieren scheinen. Ob das Faulheit ist oder Unwissen, kann ich Ihnen nicht sagen. Mehrere Aspekte leisten einen Beitrag: In der Stadt Zürich ist der Anteil an Single-Haushalten sehr hoch. Durchschnittlich leben 1,8 Personen in einem Stadtzürcher Haushalt. Diese Haushalte produzieren anderen Abfall als eine Familie mit zwei Kindern.

Inwiefern?
Jemand in einem Single-Haushalt kauft sich vielleicht öfters eine Tiefkühlpizza - ein Produkt, bei dem mehr Verpackungsmaterial anfällt. Oder die Person kauft Lebensmittel in kleineren Portionen, wodurch der Anteil an Verpackung prozentual höher ausfällt. Im Gegensatz zu einer Familie verpflegen sich Singles vielleicht auch öfters unterwegs. Da werden dann mehr Petflaschen oder Kartonbecher weggeworfen.

Zusätzliche Sammelstellen sollen den Anteil an Wiederverwertbarem im Abfall vermindern. Ist es damit getan?
Mehr Stellen einzuführen ist sicher eine mögliche Lösung. Das Ausbauen der Infrastruktur macht aber nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn. Tatsächlich will niemand eine Wertstoffsammelstelle vor seinem Haus stehen haben. Irgendwo beginnt auch die Verantwortung der Person, die den Abfall produziert.

In den vergangenen Jahren wurde Urban Mining, das Rückgewinnen von Rohstoffen aus dem Abfall, zum grossen Thema. Auch bei der ERZ?
Wir nutzen die Verbrennungswärme des Abfalls, um Wärme und Strom zu gewinnen. Das Hagenholz ist eines der effizientesten Kehricht-Heizkraftwerke in Europa. Die produzierte Wärme würde ausreichen, um in der Stadt Zürich 170'000 Wohnungen zu versorgen. Wir beliefern unter anderem Betriebsgebäude, das Schweizer Fernsehen und den Hauptbahnhof Zürich. Die so hergestellte Wärme erspart der Luft rund 200'000 Tonnen CO2. Natürlich versuchen wir auch, nach dem Verbrennungsprozess Metall aus der Schlacke zurückzugewinnen.

In welchem Umfang?
Wir holen jährlich 6000 bis 7000 Tonnen Stahl, Eisenmetall, Aluminium, Kupfer und Messing aus der Schlacke.

Wird diese Rückgewinnung künftig noch ausgebaut?
Sicher. Alles Metall, welches so zurückgewonnen werden kann, muss nicht abgebaut werden und schont so die Umwelt. Wir arbeiten laufend daran, die Prozesse zu verbessern.

Seit einem Jahr gibt es in Zürich nun die neuen Abos für die Grünabfuhr. Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?
Gute. Wir konnten bereits 14'000 Abonnements für die Bioabfuhr verkaufen. Im ersten Jahr konnten wir das Vergärwerk mit dem Inhalt von etwa 8800 Biotonnen versorgen. Die Mieterinnen und Mieter in Zürich sind sehr engagiert und gehen auf die Hausverwaltungen zu. Sie wollen Bioabfall getrennt sammeln.

Erstellt: 28.01.2014, 20:54 Uhr

«Das Engagement der Zürcher ist gross»: Leta Filli, Pressesprecherin von Entsorgung + Recycling Zürich ERZ.

Vorbildliche Recycler: Eine Frau entsorgt Altglas. (Archivbild ) (Bild: Keystone )

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