Skatepark am Oberen Letten kann bleiben – vorerst

Ginge es nach dem Lärmkläger, wären die Skate-Ramps unter der Kornhausbrücke längst Geschichte. Jetzt darf der Park doch noch bleiben.

Unter der Kornhausbrücke messen sich die verschiedensten Radathleten. (Archivbild: Sophie Stieger)

Unter der Kornhausbrücke messen sich die verschiedensten Radathleten. (Archivbild: Sophie Stieger)

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Der Obere Letten ist ein Hotspot. Im Sommer trifft sich hier das ganze Quartier und mit ihm die halbe Stadt zum Baden, Schwimmen, Skaten, Sprayen, Boule- und Beachvolleyball-Spielen. Nicht nur, aber gerade bei Eltern ist der Ort beliebt. Es ist einer der wenigen Plätze in Zürich, der der ganzen Familie gefällt: ein kühles Bierchen für die Grossen und Spielmöglichkeiten für die Kleinen.

Ein einziger Anwohner will nun erwirken, dass den Kindern eine Spielmöglichkeit weniger offen steht. Er deckt den kleinen Skatepark unter der Kornhausbrücke mit Lärmklagen ein. Am Donnerstag hätte der Park abgeräumt werden sollen. Zu spät hat die Stadt gemerkt, dass nie eine Baubewilligung für den Park eingeholt wurde. Dieses Schlupfloch fand der Anwalt des klagenden Anwohners.

Am Montagmittag wurde die Abbaufirma nun zurück gepfiffen. «Die Stadträte Leutenegger und Odermatt haben beschlossen, dass die Anlage vorerst nicht stillgelegt wird», lässt Pio Sulzer, Sprecher des Tiefbaudepartements verlauten. «Ein Baugesuch wurde nun eingereicht und ist in Bearbeitung.» Warum der Park trotzdem hätte abgebaut werden sollen, erklärt die Stadt nicht.

«Es gibt immer weniger Plätze für Kinder»

«Wir haben wenigstens Sport im Kopf», sagt Sven Kilchenmann. Er ist 35 und skatet schon seit 20 Jahren. Die Skaterszene in Zürich ist nicht riesig, aber: «Es gibt viele Kids, die sich für den Sport begeistern, und es ist eine sinnvolle Beschäftigung», sagt Kilchenmann. In der Szene denkt man über Protestaktionen gegen die Lärmkläger nach.

Auch Carlos Venegas, Chef der Freestylehalle Zürich, ist nicht glücklich: «Es gibt immer weniger Plätze und Möglichkeiten für Kinder», sagt er. «Der Park ist nach dem Drogenelend organisch am Letten entstanden und hat ihn positiv belebt.» Die Stadt sei bereits an einer Lärmemissionsstudie und prüfe Lärmschutzmassnahmen.

Skater unter der Kornhausbrücke. (Archivbild: Doris Fanconi)

Der Hotspot explodiert ohnehin

Neben der Freestylehalle in der Grünau gibt es in der Stadt Zürich nur noch auf der Hohlstrasse neben der Bäckeranlage, in der Almend und auf der Landiwiese Skate-Möglichkeiten.

Ob der Lärmkläger mit dem Abbau der Skateanlage glücklicher wäre, ist unklar. Der Platz unter der Kornhausbrücke eignet sich auch ohne Ramps und Rails als Flat-Skate-Platz und im baldigen Sommer, explodiert der Hotspot ohnehin. Bereits heute sorgt ein Security jeden Abend dafür, dass um 21 Uhr Schluss mit dem Skaten ist. Der Anwohner, der das gesamte Areal mit Lärmklagen eindeckt, hält sich bedeckt. In der Szene kennt niemand seinen Namen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2018, 10:11 Uhr

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