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So geht Heiraten

Barn Weddings, Naked Cakes, Tattoo-Spitzen: Es gibt viele neue Trends rund ums Heiraten. Die Tipps der Hochzeitsbloggerin.

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Haben Sie vor kurzem einen Heiratsantrag erhalten? Vielleicht sogar während der Festtage? Dann sollten Sie nun so schnell wie möglich mit den Vorbereitungen für die Hochzeit beginnen – zumindest wenn Sie vorhaben, im nächsten Jahr mit allem Schnickschnack zu heiraten.

Fürs 2017 sei es dafür jedenfalls schon zu spät, sagt die Hochzeitsbloggerin und Chefredaktorin des «Marrymags» Chris Libuda. «Die wenigsten wollen im Winter heiraten, und in den warmen Jahreszeiten sind die besten Locations an den Wochenenden sehr schnell ausgebucht», sagt sie beim Gang durch die Fest- und Hochzeitsmesse Zürich in Oerlikon.

Männer reden nur beim Auto und DJ mit

Es sind vor allem Frauen, die mit uns durch die Messe flanieren. Mütter mit ihren Töchtern oder Gruppen von Freundinnen. Nur wo die Aussteller Eheringe präsentieren, sitzen junge Paare und lassen sich beraten. «Die Hochzeitsplanung ist reine Brautsache. Die Männer reden höchstens bei der Wahl des Autos, des DJs oder der Location mit», erklärt Libuda. Das sei den meisten Männern auch recht so.

Die Hochzeitsbloggerin stellt fest, dass der Wunsch zu heiraten bei der jungen Generation besonders ausgeprägt ist. «Sie wünschen sich ein richtig grosses Fest. An dem Tag muss alles top sein, und sie wollen es so richtig krachen lassen.» Generell gehe der Trend hin zum sogenannten «Green Wedding»: Die Brautleute legen laut Libuda mehr Wert auf Nachhaltigkeit, wählen Kleider von lokalen Designern aus und wollen generell wissen, woher die Dinge kommen. «Auch veganes Essen oder fair gehandeltes Gold sind ein Thema.»

Wie und wo ist entscheidend

Heiraten, das heisst heute nicht einfach nur im richtigen Moment Ja sagen. Es ist ein bis ins kleinste Detail durchstudierter Event – und es gibt für jede Kleinigkeit eine Branche und Trends. Das wird einem schnell klar beim Blick auf das Angebot der über 270 Aussteller der Messe. Man mäandert durch Blumenbouquets, Tortentürme, Schokoladenfontänen und natürlich Hochzeitskleider in allen erdenklichen Dimensionen und bekommt immer wieder Visitenkarten zugesteckt. Wer hier nicht mit ganz konkreten Vorstellungen herkommt, ist heillos überfordert.

Deshalb rät Libuda dazu, sich zunächst einmal in aller Ruhe über die Art und Weise Gedanken zu machen, wie man das Fest feiern will. Wer soll auf die Gästeliste? Wo soll die Hochzeit stattfinden? In welchem Rahmen wird gefeiert? Angesagt sind derzeit beispielsweise sogenannte «Barn Weddings» in umgebauten Scheunen – und wer sich für einen solchen Schauplatz entscheidet, braucht kaum eine mehrlagige Abendrobe mit ausladendem Reifrock.

Save the Date kommt gleich nach dem Antrag

Ist der passende Ort für die Hochzeitsfeier gesichert, muss man mit dem Vorhaben bereits an die Öffentlichkeit treten. «Damit die wichtigsten Leute und besten Freunde sicher am Fest dabei sein können, sollte man so rasch wie möglich eine Save-the-Date-Karte verschicken. Denn viele sind auf Monate hinaus verplant», sagt Libuda.

Auch bei diesem Teil der Hochzeitsplanung gibt es die Trabi- und die Porsche-Variante: Natürlich kann man die Gäste per SMS über den Zeitpunkt des Festes informieren oder online eine Karte kreieren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, mit Profis eine Art Corporate Identity für das Fest zu entwickeln – eine Art Liebes-Logo, das die Postkarten ziert, später aber auch auf dem Menü zu sehen ist, den Tischkarten, der Hochzeitstorte, den Luftballons.

Einige Beispiele sind an der Messe zu sehen. Die Designs sind unter anderem per Lasercut in Karton gestanzt oder im edlen Letterpressverfahren ins Papier gedruckt. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Dem Geldbeutel wohl eher: Für 50 dieser Edelkarten muss man rund 1000 Franken hinblättern.

Der Hochzeitsfotograf als Reporter

Keine leichte Sache ist auch die Suche nach dem passenden Fotografen. «Der Stil muss zu einem passen. Es hilft, sich an Messen wie dieser oder im Internet inspirieren zu lassen», sagt Libuda. Heute seien eher Hochzeitsreportagen gefragt, bei denen die Fotografen die Brautleute während des ganzen Tages begleiten. So darf in einem Hochzeitsalbum das «Getting Ready» nicht mehr fehlen. «Diese Zeit, in der die Frau mit Schminken und Frisieren zur Braut wird, muss zelebriert werden. Vor allem wenn man bedenkt, dass es ein Jahr Vorbereitung bis zu diesem Tag brauchte.»

«Die Zeit, in der eine Frau zur Braut wird, muss zelebriert werden.»Chris Libuda, Chefredaktorin Marrymag


Auch der «First Look», der Moment an dem sich Braut und Bräutigam am Hochzeitstag zum ersten Mal sehen, darf ein Fotograf keinesfalls verpassen. Wichtig ist zudem, dass von jedem Gast mindestens ein gutes Bild im Album zu sehen ist. Bis zu 12 Stunden ist der Hochzeitsfotograf am Werk, damit all dies klappt. 3500 Franken kostet es, wenn er ein Minimum von acht Stunden mit dabei ist.

Bei der Wahl der Ringe geht es gemäss Libuda einzig darum, zu entscheiden, ob es ein rein symbolisches Schmuckstück oder eine echte Wertanlage sein soll. «Es ist letztendlich eine Preisfrage.» Hochzeitsmessen seien ideale Orte, um sich ein Bild über die neusten Trends zu machen. So werden beispielsweise nicht mehr nur die Hochzeitsdaten auf der Innenseite der Ringe eingraviert, sondern wahlweise auch der Fingerabdruck des Ehepartners.

Drei Monate Lieferzeit fürs Brautkleid . . .

Beim Brautkleid muss man wieder mehr Zeit einberechnen – zumindest wenn es keines von der Stange sein soll. Die Lieferzeit für eine massgeschneiderte Robe beträgt rund drei Monate. Angesagt sind derzeit bauchfreie Modelle und sogenannte Tattoo-Spitzen, fein gestickte Ornamente auf Tülleinsätzen. Der Trend geht zudem weg von pompösen, mehrlagigen Tüllkleidern hin zum schlichten Vintage-Look. Es habe durchaus praktische Gründe, dass Hochzeitskleider von modernen Designern entschlackt würden, sagt Libuda. «Trägt eine Braut voluminöse Reifröcke, braucht sie bei allem Unterstützung. Selbst beim Gang auf die Toilette.»

Weiss muss es sein: Kleiderausstellung an der Hochzeitsmesse in Zürich (Bild: Doris Fanconi)

An einer Tradition halten die Bräute aber fest: Das Hochzeitskleid muss weiss sein. Farbige Hochzeitskleider will laut der Hochzeitsbloggerin kaum jemand kaufen. Und auch der Trend, das Hochzeitskleid nach der Feier an einer «Trash the dress party» zu zerstören, konnte sich nicht richtig etablieren. «Die Frauen hängen zu sehr an den Kleidern.»

Um den Anzug der Herren wird weit weniger Aufhebens gemacht – obwohl er, wie Lubida vermutet, für viele der erste massgeschneiderte Anzug ihres Lebens ist. Er muss vor allem zum Kleid der Braut passen. Individualisierung ist allerdings auch hier gefragt. So trägt der Mann seine Initialen im Innern des Hochzeitsjackets eingestickt, oder das Hochzeitsdatum ist am Kragen eingenäht.

. . . zwei Monate für eine Torte

Schliesslich steht noch die Wahl des passenden Blumenschmucks und des Essens an. «Die meisten Locations haben ein hauseigenes Catering, das mitgebucht werden muss», sagt die Hochzeitsexpertin Lubida. Könne man aber das Catering selbst auswählen, rät sie dazu, keine exotischen Experimente zu machen. Gute Hausmannskost sei fast nie verkehrt.

Bei den Blumen wie auch bei den Hochzeitstorten liegt Natürlichkeit im Trend. Die Brautsträusse sind nicht mehr enge Blumenkugeln, sondern locker gebundene Bouquets mit viel Zartrosa und Grün. Bei den Desserts gibt es neben den klassischen Etagentorten mit Buttercremefüllung und farbiger Fondantschicht die sogenannten «Naked Cakes», die nicht ganz so perfekt daherkommen, aber dennoch hochprofessionelle Kreationen sind.

Angesagt sind auch «Drip Cakes», bei denen die Glasur lässig über die Seite herunterkullert, oder «Candy Bars», wo sich die Gäste kleine Dessertkreationen wie Cupcakes oder Cakepops holen können. Mindestens zwei Wochen sind nötig, um eine Hochzeitstorte zu fertigen. Für Meisterwerke mit Zuckerblumendekoration sind's ganze zwei Monate.

Flucht in ein Elopement

Es braucht also einen sehr langen Atem, um ein fulminantes Hochzeitsfest zu planen. Und ein gut gefülltes Konto. Laut Lubida müsse man bei 50 Gästen mit Kosten von mindestens 20'000 Franken rechnen. Hinzu kommen noch die Ausgaben für das Brautkleid, welche zwischen 500 und 5000 Franken liegen, für die Ringe, die je nach Modell bis zu 20’000 Franken kosten, sowie Torten, Blumen, Musiker und DJ.

Wird einem dies alles dann doch etwas zu viel, hat man immer noch die Möglichkeit, das Ganze in einem Elopement abzuhandeln – einer Hochzeit, an der nur das Ehepaar teilnimmt. Das ist definitiv günstiger und sehr viel schneller zu organisieren. Und es liegt ebenfalls im Trend.

Erstellt: 07.01.2017, 17:58 Uhr

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