So sieht Zürichs grösstes Hotel aus

Nächstes Jahr eröffnet das Motel One mit 400 Zimmern. Es ist optimiert bis in den letzten Quadratmeter. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hatte erste Einblicke.

«Es wird ein Hotel für Businessleute und Tagesreisende»: Anastasios Tschopp, Swiss Prime Site. (Video: Lea Koch, Mirjam Ramseier)

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Die Sonne scheint durch die Fensterfront ins leere Musterzimmer im vierten Stock, die frisch gestrichenen weissen Gipswände blenden. Das Mobiliar haben die Bauleute nach der Bauabnahme des Zimmers bereits wieder entfernt. Dennoch ist offensichtlich: Die Hotelzimmer im Motel One Zürich im Selnauquartier werden klein. Um genau zu sein: zwischen 16 und 18 Quadratmeter gross – mit wenigen Ausnahmen. Dazu kommen ein kleiner, schmaler Gang und ein Badezimmer, dessen Tür sich geräuschlos von selbst schliesst. Badewannen sucht man in den standardisierten Zimmern vergebens. Sie fressen Platz und werden kaum gebraucht. Bilder, Minibar oder Schreibtisch? Überflüssig für eine Nacht.

So wird ein Zimmer aussehen. Visualisierung: Motel One

Sparen am Raum und Angebot, Qualität bei der Ausstattung für die Übernachtung. Nach diesem Prinzip hat die deutsche Hotelkette Motel One alle ihre bisherigen 55 Ableger geplant. So erfolgreich, dass sie bereits von anderen Anbietern kopiert wird. Und nach diesem Prinzip geht sie auch in Zürich vor. Mit 397 Zimmern baut das Unternehmen derzeit in der Zürcher City gar das derzeit grösste Hotel der Deutschschweiz.

Die Investitionssumme der Hausbesitzerin Swiss Prime Site (SPS) für den historischen Blockrandbau, in dem einst die Post und zuletzt der Club Jade eingemietet waren, beträgt 77,5 Millionen Franken. Im Sommer 2017 ist die Eröffnung geplant. Die Marktpremiere in der Schweiz hat Motel One bereits hinter sich. Im Juni öffnete am Basler Barfüsserplatz das Haus mit 140 Zimmern seine Tore.

Moderne in altem Haus aus drei Epochen

Die Qualität der Ausstattung ist auf dem Baustellenrundgang in Zürich erst im Bad sichtbar: Der dunkle Granit wirkt elegant, die Armaturen, unter anderem eine Regenbrause, sind formschön. Boxspringbetten und Bettwäsche aus ägyptischer Baumwolle sollen gemäss Katalog für ein perfektes Schlaferlebnis sorgen, die Design-Leseleuchte helles Licht geben, der Flatscreen schön und funktional sein und die Frotteewäsche die Haut schnell trocknen.

Dass dann doch nicht immer der Motel-One-Norm entsprochen werden kann, zeigt sich beim Zürcher Bau gegen den Innenhof. Da hat das Gebäude aus dem Jahr 1915 im vierten Stock eine Terrasse, grundsätzlich gehören Balkone gemäss Hotelkonzept aber auch in die Kategorie überflüssig. Aus Schutzgründen mussten sie im historischen Bau aber erhalten bleiben. Planer Daniel Schneider sagt: «Das moderne Konzept mit den denkmalgeschützten Gebäuden aus drei Bauepochen in Einklang zu bringen, war und ist sicher die schwierigste Aufgabe am Projekt.»

Cassiopeia-Steg zum Gipfeli

An alte Zeiten erinnert fühlt man sich im u-förmigen Eingangsbereich des zukünftigen Hotels. Kunstvolle Schmiedeisengitter zieren die riesigen Arkadenfenster vor dem grosszügigen Raum des künftigen Bar-Teils. Man kann sich förmlich vorstellen, wie hier vor hundert Jahren Briefe aufgegeben wurden und die Angestellten in der zweiten Telefonzentrale der Stadt die Abonnenten links der Limmat mit den Empfängern verbanden. Mit einer üppigen Ausstattung – Ledermöbel und Teppich – will die Betreiberin den Raum unverwechselbar machen und einen Bezug zum Segeln schaffen. Im Frühstücksraum wird gar ein Dampfschiff und ein Schwan auf dem Cassiopeia-Steg verewigt. Das Bildschirm-Cheminee-Feuer in der Rezeption darf aber auch in Zürich nicht fehlen.

Aus Kostengründen spart Motel One auch bei der Gastronomie. An der Bar können die Gäste zwar Getränke konsumieren, das Frühstück, das im Hotelpreis nicht inbegriffen ist, holt sich der Gast von einem Buffet. So fallen die Kosten fürs Servicepersonal weg. Von all dem profitiert letztlich der Kunde: Ein Zimmer kostet um die 120 Franken. Damit bewegt sich die Hotelgruppe für Zürich im unteren Preissegment. Der preisgekrönte Motel-One-Gründer Dieter Müller sagte einst gegenüber der «Süddeutschen Zeitung»: «Wenn Budget die richtigen Akzente setzt, kommt am Ende Luxus heraus, der für jeden bezahlbar ist.» Eine generelle Auslastung von 75 Prozent gibt ihm recht.

Wie hoch sie im Zürcher Haus sein wird, wird sich zeigen. Laut Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hotelier-Vereins, dürfte am Platz Zürich der Preisdruck mit dem neuen Haus weiter zunehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2016, 14:25 Uhr

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