So wohnt Zürich

Neu veröffentlichte Zahlen zeigen, wer wo in gemeinnützigen Wohnungen lebt, und wo jede dritte Bleibe eine Eigentumswohnung ist.

Zürich wandelt sich: Neue Zahlen von Statistik Stadt Zürich zeigen wie.

Zürich wandelt sich: Neue Zahlen von Statistik Stadt Zürich zeigen wie. Bild: Retp Oeschger

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Die Stadt Zürich ist um eine Kennzahl reicher: 13'160. Um so viel stieg die Zahl der Wohnungen zwischen 2008 und 2016 an. Das lässt sich seit kurzem selber berechnen, denn Open Data Zürich hat neue Datensätze zum Thema Wohnen veröffentlicht. Die Daten werden künftig jährlich aktualisiert und erlauben zahlreiche Analysen, wo und wie die Zürcher wohnen.

Die 13'160 Wohnungen entsprechen einem Wachstum von insgesamt 6,4 Prozent. Dabei haben sich die Stadtquartiere in den vergangenen acht Jahren unterschiedlich entwickelt. Besonders viele neue Wohnungen gibt es in den Quartieren Escher Wyss, Albisrieden, Affoltern, Seebach, Unterstrass, Höngg und Altstetten. Die Veränderung ist nicht nur in den Daten sichtbar. In den betreffenden Quartieren hat sich das Aussehen der Stadt markant gewandelt. Grossüberbauungen wie beispielsweise das Freilager auf dem Gelände des ehemaligen Zollfreilagers in Albisrieden oder das Zölly-Hochhaus in Zürich-West sind entstanden.

Was beim Stadtspaziergang verborgen bleibt, sind die Eigentumsstrukturen und wer in den Wohnungen in der Stadt lebt. Die neuen Datensätze liefern darauf einige Antworten. Interessant ist die Analyse der gemeinnützigen Wohnungen in der Stadt – den öffentlichen oder genossenschaftlichen. Deren Fläche ist seit 2008 um 5,6 Prozent gestiegen, ihr Anteil am Flächenbestand aber leicht zurückgegangen.

Über das gesamte Stadtgebiet ist der Anteil dieser Wohnungen in etwa konstant geblieben. Vor allem junge Zürcherinnen und Zürcher und Ältere leben überdurchschnittlich häufig in gemeinnützigen Wohnungen. Fast jeder zweite 10- bis 19-Jährige (rund 44 Prozent) lebt in einer. Ähnlich hoch ist der Anteil nur noch bei den über 80-jährigen (rund 41 Prozent). Den tiefsten Wert bei den Gemeinnützigen weisen die 20- bis 29-Jährigen (rund 22 Prozent) und die 30- bis 39-Jährigen auf (circa 20 Prozent) auf.

Neben der Altersstruktur wird auch die Haushaltsstruktur wiedergegeben. Aus deren Analyse geht hervor, dass fast jede oder jeder zweite Alleinerziehende in einer gemeinnützigen Wohnung lebt. Wohngemeinschaften ohne Kinder und Zweipersonenhaushalte sind dort seltener. Es sind also nicht die Doppelverdiener, die von den gemeinnützigen Wohnungen profitieren. Doppelverdiener ohne Kinder wünschten sich oftmals mehr als eine Dreizimmerwohnung, sagt Urs Rey von Statistik Stadt Zürich. Dies ist in den gemeinnützigen Wohnungen aufgrund von Belegungsvorschriften aber meist nicht möglich. «Die Zahlen lassen vermuten, dass diese Vorschriften oder Empfehlungen wirken.»

Das Stockwerkeigentum

Deutlich stärker als der Anteil der gemeinnützigen Wohnungen hat der Anteil an Eigentumswohnungen in den letzten acht Jahren deutlich stärker zugenommen. Heute ist beinahe jede zehnte Wohnung im Stockwerkeigentum. Der Anteil ist zwischen 2008 und 2016 von 7,3 auf 9,3 Prozent angestiegen. In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil sogar verdoppelt. Die Entwicklung in den Quartieren verlief unterschiedlich: Im Quartier Hard ist die Quote leicht gesunken während sie im Escher-Wyss-Quartier um rund 16 Prozentpunkte angestiegen ist. Über 30 Prozent der Wohnungen im einstigen Industriequartier sind heute im Stockwerkeigentum. Den Anstieg erklärt Statistiker Rey mit dem enormen Bauboom in den letzten zehn Jahren. Es sei aber nicht so, dass die vielen neuen Eigentumswohnungen immer von den Besitzern bewohnt würden. «Besonders im Quartier Escher-Wyss werden verschiedene grosse Gebäude rechtlich im Stockwerkeigentum gehalten und dennoch als Mietwohnungen angeboten», sagt Rey.

Wer Stockwerkeigentum bewohnt, beansprucht im Schnitt deutlich mehr Wohnraum als in öffentlichen und genossenschaftlichen Altbauten. Dort lebt eine Person im Schnitt auf 33,6 Quadratmeter. Im Stockwerkeigentum sind es 46,7 Quadratmeter und bei anderen privaten Eigentümern 40 Quadratmeter. In etwa 57 Prozent der Eigentumswohnungen leben keine Kinder.

Die Neubauten

Spezielle Auswertungen erlauben die Datensätze auch für jene rund 11 Prozent der Bevölkerung, die in maximal 10-jährigen Neubauten wohnen. Besonders hoch ist deren Anteil in den Stadtkreisen 5, 9, 11 und 12, wobei sich die jeweiligen Kreise im Detail klar unterscheiden. Die veröffentlichten Daten teilen die Neubauten in drei Kategorien auf: Sind es Wohnersatzbauten, wurden die Neubauten auf vorher umgenutztem Areal erbaut (beispielsweise Industriebrachen) oder entstanden auf zuvor unbebautem Gebiet. Im Kreis 5 gibt es vor allem Umnutzungen. In Altstetten, Albisrieden (im Kreis 9) und in Schwamendingen (im Kreis 12) sind Wohnersatzbauten verbreitet, im Kreis 5 Umnutzungsbauten, während es in Seebach und Affoltern (im Kreis 11) primär Neubauten auf vorher unbebautem Land sind.

In Neubauten leben mehr Kinder als in Altbauten. Das gelte vor allem für die Wohnersatzbauten, weil diese stark genossenschaftlich geprägt seien, sagt Rey. Über 60 Prozent der Bewohner von Wohnersatzbauten leben dort mit Kindern. Die Umnutzungsgebiete hingegen liegen oft zentral und sind attraktiv für Erwerbstätige. Dementsprechend sind die Haushalte kleiner und überwiegend kinderlos und meist zwischen 20 und 39 Jahren alt.

Und zum Schluss noch dies: Heute sind Wohnungen stärker belegt als vor acht Jahren. Im Schnitt leben 2,22 Personen darin. 0,08 mehr als noch 2008 – und wir sind um noch eine Kennzahl reicher.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.06.2017, 13:49 Uhr

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