Spatz bricht seine Zelte in Zürich ab

Fast 80 Jahre lang hat Spatz mitten in der Stadt Zelte genäht und verkauft. Nun zieht das Traditionsunternehmen nach Wallisellen.

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Die Attraktion an der Hausmesse von Spatz am kommenden Wochenende ist das neue Zelt, das drei Personen Platz bietet und erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine runde Tunnelform hat. Bekannt geworden ist die Firma mit ihren doppelwandigen Gruppenzelten mit Giebelform – alle, die je mit der Pfadi oder Jungwacht in einem Zeltlager waren, kennen diese. Das neue Zelt ist wie die Gruppenzelte aus hellbrauner Baumwolle gefertigt. Es ist 3,5 Kilogramm schwer und wiegt damit fast doppelt so viel wie ein leicht­gewichtiges Zelt. Dafür ist der neue Spatz stabiler als die ultramodernen Produkte. Firmenbesitzer Marc Jansen sagt: «Wenn drei Wanderer das Gewicht auf ihre Rucksäcke verteilen, trägt jeder nur noch etwas mehr als ein Kilo.»

Das Tunnelzelt ist nicht der einzige Bruch mit der Tradition im Unternehmen. Die Firma kündet gleichzeitig mit der Hausmesse auch den Umzug nach Wallisellen an. In einem halben Jahr bricht Spatz die Zelte an der Hedwig­strasse 25 im Kreis 7 ab. Und richtet sie neu in einer Halle eines Gebäudes ein, das zwischen dem Bahnhof Wallisellen und dem Glattzentrum momentan erstellt wird. Dort verkauft die Firma wie bisher neben den eigenen Zelten auch fremde Fabrikate sowie Camping- und Outdoor­ausrüstungen.

Der Umzug ist keine grosse Überraschung. Marc Jansen hat ihn bereits vor eineinhalb Jahren angekündigt, als er die Firma kaufte. Im idyllischen Haus an der Hedwigstrasse muss Spatz die Ausstellung auf drei Stockwerke verteilen, im obersten Stock müssen sich die Kunden teilweise bücken, wollen sie alle Zelte sehen. Die grossen Hauszelte sind zudem ein paar Gehminuten weg in einem Keller an der Forchstrasse ausgestellt. Diese Verzettelung erfordert viel Personal.

Zudem liegt das Haus an der Hedwig­strasse für Passanten kaum sichtbar versteckt im Quartier und hat nur wenige Parkplätze. Was bei Produkten wie den grossen, bis zu 30 Kilogramm schweren Pfadizelten ein gewichtiger Nachteil ist.

Im heutigen Gebäude untergebracht sind auch die Büros und die Fabrikation. Spatz stellt die Zelte in der eigenen Schneiderei und ­Näherei her. Der Stoff stammt – genau gleich wie die Aluminium-Zeltstangen – aus Schweizer Produktion. Bei der Übernahme sagte Jansen, er wolle die eigene Fabrikation beibehalten, obwohl eine Fertigung im Ausland billiger wäre. Und so ziehen auch die Schneiderei und die Näherei in die neue Halle in Wallisellen. «Dort haben wir den Vorteil, dass alles auf einem einzigen Geschoss angesiedelt ist», sagt Jansen. Für Spatz mietet er eine Fläche von 1350 Quadratmetern. «Wir wären gerne in der Stadt geblieben, haben aber nie erwartet, dass wir hier eine Lösung finden», sagt Jansen. Mit dem Standort Wallisellen ist er sehr ­zufrieden.

Mitarbeiter verkauften Anteile

Bis vor eineinhalb Jahren gehörte die Firma noch den Mitarbeitern. Die Beteiligung ging auf Hans Behrmann zurück, der das Unternehmen 1935 gegründet hatte. Der kinderlose Mann wollte ­verhindern, dass seine Verwandtschaft die Firma erben konnte. Und gründete in den 80er-Jahren einen Aktienpool. Pro Dienstjahr erhielten die Mitarbeiter eine Aktie, vier Kaderleute konnten weitere Wertpapiere erwerben. Behrmann starb 1999.

Die Besitzerstruktur war aber mit Problemen verbunden. Eine Lösung mit einem angestellten Geschäftsführer taugte nicht. Deshalb entschlossen sich die Mitarbeiter im Sommer 2012, die Firma per Zeitungsinserat zum Verkauf auszuschreiben. Mit Erfolg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2014, 07:12 Uhr

Marc Jansen
Spatz-Besitzer

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