Niederdorf

Sperrstunden für den Strassenstrich im Niederdorf

Die Prostituierten an der Zähringerstrasse sollen nur noch von 22 Uhr bis 2 Uhr anschaffen dürfen. Das verlangt das Zürcher Stadtparlament.

Anwohner und Gewerbe klagen über die Begleitumstände: Prostitution im Niederdorf.

Anwohner und Gewerbe klagen über die Begleitumstände: Prostitution im Niederdorf. Bild: lessandro Della Bella/Keystone

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Der Entscheid war deutlich: Mit 94 zu 20 Stimmen überwies der Gemeinderat gestern Abend ein FDP-Postulat, das die Strassenprostitution im Gebiet Zähringerstrasse auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 2 Uhr beschränken will. Trotz der Einführung eines Nachtfahrverbots und des Einsatzes eines privaten Sicherheitsdienstes seien die Zustände weiterhin inakzeptabel, klagte Marc Bourgeois (FDP).

Anwohner und Gewerbe litten unter den Immissionen wie nächtlichem Lärm; Hotels verlören Grosskunden und würden auf Internetplattformen immer öfter mit dem Hinweis auf einen «Red Light District» schlechter bewertet. Mit der vom Gemeinderat im Frühling gutgeheissenen Prostitutionsgewerbeverordnung verfüge der Stadtrat nun über ein Instrument, um Missständen zu begegnen. So könne er eine zeitliche Einschränkung des Dörflistrichs verfügen, was dessen Attraktivität reduzieren und die Auswüchse beschränken würde.

FDP wollte auch Nachtfahrverbot verkürzen

Auch die SVP verlangte eine zeitliche Beschränkung des Strichs im Niederdorf, weil aggressiv werbende Prostituierte immer mehr Kunden und Gäste vertrieben. Die Situation sei «längst eskaliert», auch weil der Stadtrat den Ernst der Lage lange nicht erkannt habe. Fraktionschef Mauro Tuena forderte den Stadtrat auf, die Zähringerstrasse lieber heute als morgen aus dem Strichplan zu entlassen. Als weiteres Problem komme hinzu, dass der Strich im Niederdorf viele schaulustige Jugendliche anlocke.

SP, GLP, CVP und EVP trugen den Vorstoss der Bürgerlichen mit. «Es besteht Handlungsbedarf», sagte Marianne Aubert (SP). Allerdings machten die Mitte-links-Parteien ihre Unterstützung von einer Textänderung im Postulat abhängig. Die Freisinnigen wollten wegen der reduzierten Betriebszeiten des Strassenstrichs gleich auch noch das Nachtfahrverbot verkürzen. Dies kam bei den Mitte-links-Fraktionen schlecht an, worauf die FDP die Forderung fallen lassen musste, um das Postulat zu retten.

Leupi: «Situation nicht optimal»

Gegen den Vorstoss stimmten einzig Grüne und Alternative. Ausgerechnet die FDP, die für längere Ladenöffnungszeiten weible, wolle einem Gewerbe ein Gewerbeverbot erteilen, giftelte Fabienne Vocat (Grüne). Der Vorstoss sei absurd, und ein Kandidat für den – von der FDP verliehenen – «Gaats-no-Priis» für überbordende Bürokratie. Alecs Recher (AL) kritisierte den seiner Ansicht nach zu repressiven Umgang mit der Prostitution. Diese könne nicht einfach an den Stadtrand gedrängt werden.

Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) war bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Die Situation an der Zähringerstrasse sei «nicht optimal». Er warnte aber vor Illusionen: «Es gibt keine schnellen Lösungen.» Anpassungen am Strichplan dauerten stets lange, weil Rechtsmittel ergriffen würden.

Erstellt: 31.05.2012, 10:43 Uhr

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Der Verein Zürcher Aids-Hilfe erhält bis 2016 jährlich 356'000 Franken von der Stadt. Dies hat das Parlament mit 91 zu 23 Stimmen beschlossen. Die SVP war dagegen, weil im Betrag neu auch die Subvention für das von ihr bekämpfte Beratungsangebot «Herrmann» für männliche Sexarbeiter enthalten ist.


Spitalpersonal entlasten

Die Stadt soll die Arbeitsbedingungen des Personals in den Spitälern Triemli und Waid rasch verbessern. Dies verlangt eine Mitte-links-Mehrheit. Sie war mit der stadträtlichen Weisung zum Gesundheitsschutz für Spitalangestellte nicht einverstanden und beschloss mit 69 zu 50 Stimmen Rückweisung. Streitpunkt ist die Unterstellung der Spitalangestellten unter das Arbeitsgesetz. Der Stadtrat lehnt dies ab. Eine Unterstellung unter das Arbeitsgesetz sei nicht das geeignete Mittel und führe zu hohen Mehrkosten. Das städtische Personalrecht biete mehr Vorteile. Zudem hätten die Stadtspitäler bereits Massnahmen ergriffen, um die Arbeitssituation zu verbessern. (mth)

Stau in der Zähringerstrasse: Das geltende Nachtfahrverbot scheint die Automobilisten nicht zu kümmern.

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