Stadionbau wird für Investoren wieder attraktiv

Der Zürcher Stadtrat gibt dem Druck von privaten Stadioninvestoren nach. Er lockert die Bedingungen und eröffnet den Bauherren neue Möglichkeiten. Das gibt dem Stadionprojekt neuen Auftrieb.

Die Forderung ist klar: GC-Fans am 21. August 2014 in der AFG-Arena in St. Gallen.

Die Forderung ist klar: GC-Fans am 21. August 2014 in der AFG-Arena in St. Gallen. Bild: Arno Balzarini/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach der heftigen Kritik an den engen Bedingungen für private Bauherren des neuen Fussballstadions hat der Stadtrat reagiert. Wie er am heutigen Mittwochnachmittag bekannt gab, hat er die Rahmenbedingungen für den Investorenwettbewerb gelockert. «Der Stadtrat will ein Stadion ermöglichen», versicherte Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) vor den Medien. Gleichzeitig räumte er ein, dass in der Kommunikation mit potenziellen Investoren «nicht alles optimal verlaufen» ist.

Konkret geht es darum, dass Investoren nicht notgedrungen das städtische Stadionprojekt der Architekten Burkard Meyer übernehmen müssen. Auch werden ihnen die Planungskosten fürs alte Stadionprojekt erlassen. «Die Stadt übernimmt die 6,5 Millionen», sagte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP).

Stehplätze bleiben

Noch wichtiger ist wohl der Entscheid, dass die Stadt auf den Bau des eigenen Wohnhochhauses mitsamt 154 gemeinnützigen Wohnungen gleich neben dem Stadionareal auf dem Hardturm verzichtet. Bedingung hierfür ist, dass der Bauherr Wohnhäuser mit mindestens gleich vielen Wohnungen mit Kostenmiete errichtet.

Die Stadt ist also bereit, das gesamte Areal, die drei Baufelder A, B und C (siehe Bild rechts), einem Investor abzugeben – im Baurecht. Von der Höhe des Baurechtszinses hängt ab, ob für die Landabgabe eine Volksabstimmung nötig wird, sagte Leupi. Je tiefer der Zins, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Abstimmung.

Das Fassungsvermögen von 20'000 Zuschauern bleibt gesetzt. Gemäss Odermatt sind dabei die von den Fans geforderten Stehplätze inbegriffen. Als Standort kommt nur der Hardturm infrage, die Stadt wird weder Besitzerin noch Betreiberin des Stadions. Der finanzielle Beitrag der Stadt ans Gesamtprojekt müsse gegen Null tendieren, stellte Leupi klar.

Erstes Spiel 2019?

Die Anpassung der Bedingungen ist das Resultat der Gespräche von Stadtrat Leupi mit Investoren und Architekten. Der Stadtrat reagiert auch auf ein Postulat aus dem Gemeinderat, das mehr Flexibilität verlangte.

Den Investorenwettbewerb mit den neuen Bedingungen will der Stadtrat Mitte 2015 starten. Dafür braucht er einen Nachtragskredit von 1 Million Franken, die er dem Gemeinderat im Novemberbrief beantragt. In der Budgetdebatte wird das Stadtparlament also einen Vorentscheid fällen können, ob es mit dem Vorgehen der Stadtregierung einverstanden ist.

Am Wettbewerb werden nur qualifizierte Planer teilnehmen können. «Es sind nicht viele,» bemerkte Odermatt. Danach werden die Sonderbauvorschriften formuliert. Diese müssen vom Gemeinderat gutgeheissen werden und sind referendumsfähig. Wann das lange ersehnte neue Stadion für den FC Zürich und den Grasshopper-Club stehen könnte, ist noch unklar. Odermatt sprach von einem ersten Anpfiff frühestens 2019 oder 2020. «Der Weg ist lange und schwierig.»

80-Meter-Hochhäuser möglich

Mit dem Wettbewerb wird ein externes Fachbüro beauftragt. Es soll ebenfalls in einem Auswahlverfahren bestimmt werden. Die Stadt betritt mit einem Investorenwettbewerb Neuland. Das gesamte Projekt soll Freiräume für die Quartierbevölkerung (Stadionplatz) ermöglichen sowie eine verkehrsarme Nutzung aufweisen, sagte Odermatt. Gemäss Hochhausleitbild sind auf dem Areal Hochhäuser von 80 Metern möglich, eventuell noch höhere - allerdings nicht auf dem Baufeld A. Dort darf der Schattenwurf die Bernoulli-Häuser nicht erreichen.

Als der Stadtrat Anfang September mitteilte, dass das alte Stadionprojekt mitsamt den Projektkosten von 6,5 Millionen übernommen werden müsse und das Baufeld A von der Stadt bebaut würde, zogen sich zwei von fünf privaten Interessenten zurück. Unter ihnen war die Firma Halter, welche das Stadion in Altstetten bauen und mit Wohnungen im Hardturm querfinanzieren wollte.

Stadtrat auf der Linie von Swiss Prime Site

Die Swiss Prime Site (SPS) um CEO Markus Graf und Investmentchef Peter Lehmann blieb im Rennen und präsentierte einen Vorschlag, wonach der Stadt und den Clubs ein Stadion für 1 Franken angeboten wird – falls der Immobiliengigant auf allen Baufeldern bauen könne. Das ist jetzt der Fall.

Am 22. September 2013 hatten 50,8 Prozent der Stadtzürcher Stimmenden einen 216-Millionen-Kredit für ein städtisch finanziertes Fussballstadion abgelehnt. Der städtischen Wohnsiedlung für 103 Millionen gleich neben dem Stadion stimmten 67,4 Prozent zu.

Erstellt: 05.11.2014, 14:19 Uhr

Baufelder ursprünglich: A: Städtisches Wohnhaus. B: Städtisches Stadion. C: Reserve. Neu kann ein Bauherr über alle drei Baufelder verfügen. (Zum Vergrössern anklicken) (Bild: PD)

Artikel zum Thema

«Todesstoss» fürs neue Stadion

Der Stadtrat soll in der Stadionfrage gegenüber möglichen Investoren mehr Flexibilität zeigen, fordert der Zürcher Gemeinderat – und stellt eine weitere Bedingung. Mehr...

Die Stadt bricht ihr Schweigen zum Stadion

Lange hat der Zürcher Stadtrat potenzielle Stadioninvestoren irritiert, indem er sie nicht kontaktierte. Nun aber sucht er das Gespräch – auch mit solchen, die seine Vorgaben ablehnen. Mehr...

Es riecht nach Eigentor

Analyse Fussballstadion: Zürichs Stadtrat irritiert mit seinem Schweigen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...