Stadt Zürich stösst Juden vor den Kopf

Weil er die israelkritische Ausstellung «Breaking the Silence» mit 10'000 Franken unterstützt hat, wird der Zürcher Stadtrat von verschiedenen Seiten kritisiert.

Das Schweigen brechen: Das wollen ehemalige israelische Soldaten von «Breaking the Silence».

Das Schweigen brechen: Das wollen ehemalige israelische Soldaten von «Breaking the Silence». Bild: Keystone

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In der Helferei findet ab morgen Donnerstag die Ausstellung «Breaking the Silence» statt, in der ehemalige israelische Soldaten über ihre Kriegserfahrungen berichten. Das Eidgenössische Aussendepartement (EDA) und die Stadt Zürich finanzieren das Kulturhaus mit 15'000 respektive 10'000 Franken – eigens für diesen Anlass. In Israel sorgte das für Aufruhr: Der israelische Botschafter Yigal Caspi hat im EDA eine Protestnote deponiert. Gemäss Caspi hat die Ausstellung den Zweck, Israel im Ausland negativ darzustellen.

Auch beim Finanzdepartement der Stadt Zürich ist Kritik an der Ausstellung eingegangen, sagt Mediensprecher Patrick Pons auf Anfrage. Shella Kertesz, Co-Präsidentin der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ), kann das nachvollziehen. Sie versteht nicht, warum die Stadt Zürich sich an «Breaking the Silence» finanziell beteiligt: «Es ist keine kulturelle Ausstellung, sondern eine politische.» Sie sei enttäuscht, dass die einseitige öffentliche Kritik an Israel von offizieller Seite unterstützt werde. Zwar respektiert sie die freie Meinungsäusserung und hat Verständnis für Menschen, die den Krieg erlebt haben und Verwundungen jeglicher Art davontrugen. «Für eine ausgewogene Darstellung braucht es aber auch Leute von der Gegenseite, die sich einbringen können.»

Die Ausstellung sowie ihr Rahmenprogramm seien «ausgewogen», sagt Pons. Mit Referaten und Podiumsdiskussionen biete sich die Möglichkeit zu einem kritischen Dialog. Deshalb stand für die Stadt Zürich die finanzielle Unterstützung nach eingehender Prüfung nie zur Diskussion. Die 10'000 Franken stammen aus dem Beitragsfonds: Geld verstorbener Menschen ohne Nachkommen fliesst dort hinein.

Zurückhaltung bei politischen Ausstellungen

Samuel Dubno, GLP-Gemeinderat und ehemaliger Kommunikationschef der ICZ, befürwortet es, die Meinungsfreiheit zu schützen. Deshalb sei es gut, dass auch solche Ausstellungen stattfänden und so ein kontroverses Thema diskutiert werden könne. Hinter die Art der Finanzierung müsse man allerdings ein Fragezeichen setzen. «Ist es wirklich geschickt, dass der Stadtrat Stiftungs- oder Fondsgeld für diese Ausstellung ausgibt?» Dubno fordert, dass sich der Stadtrat bei der Finanzierung von politischen Ausstellungen zurückhält, gerade wenn es sich um eine so sensible Angelegenheit wie den Nahostkonflikt handelt.

Und Yves Kugelmann, Chefredaktor des jüdischen Wochenmagazins «Tachles», stellt den Zeitpunkt der Ausstellung infrage: «Angesichts der Konflikte in Nahost würden sich andere Themen aufdrängen.» Dass die Stadt Zürich und die Helferei wieder den Langzeitkonflikt Palästina bemühen anstatt etwa die massive Bedrohung der Zivilgesellschaft durch das Regime in Syrien, sei absurd. Allerdings sei die Ausstellung für die Gegner eine «Steilvorlage», um mitzudiskutieren. Derweil überlegt Kertesz, ob sie die Ausstellung besuchen wird: «Vielleicht wäre es wichtig, dass ich mir das anschaue.»

«Breaking the Silence» ist bis 14. Juni in der Helferei zu sehen. Die Ausstellung wird von der gleichnamigen armeekritischen israelischen Veteranenorganisation durchgeführt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2015, 16:22 Uhr

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