Stadt Zürich will mehr Platz für Gemüsebeete schaffen

Beim Bucheggplatz soll wieder Gemüse angebaut werden – und nicht nur da: Grün Stadt Zürich hat eine Urban-Gardening-Strategie.

Mehr Gemüse in die Stadt: Filippo Leutenegger will nächste Woche über eine neue Gartenfläche in Altstetten informieren. Bild: Grün Stadt Zürich

Mehr Gemüse in die Stadt: Filippo Leutenegger will nächste Woche über eine neue Gartenfläche in Altstetten informieren. Bild: Grün Stadt Zürich

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Die Stadt will mehr Flächen für Urban Gardening zur Verfügung stellen. «Die Nachfrage nach einem Stück Land zum Gärtnern ist extrem gross», sagt Markus Wittmer, Fachbereichsleiter Landwirtschaft und Verpachtung bei Grün Stadt Zürich (GSZ). Mehr Flächen zur Verfügung zu stellen, sei darum ein strategisches Ziel geworden. Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger, dem GSZ untersteht, will nächste Woche persönlich über eine neue Gartenfläche beim Dunkelhölzli in Altstetten informieren.

In der Stadtgärtnerei tauschten sich gestern Vertreter von Grün Stadt Zürich mit Urban-Gardening-Aktivisten aus Bristol und Rotterdam aus. Zusammen mit sechs anderen Städten beteiligt sich Zürich am EU-Projekt «Supurbfood» zur nachhaltigen Versorgung von Städtern mit Lebensmitteln.

Abwasser für Tomatenanbau

Urban-Gardening-Forscher Jan Willem van der Schanz berichtete, dass Rotterdam bereits über das Gärtnern hinauswachse und Landwirte zurück in die Stadt hole. CO2 aus der Industrie werde gereinigt, konzentriert und über Pipelines in Gewächshäuser geleitet, wo es das Pflanzenwachstum beschleunige. Die Stadt Delft experimentiere mit der Nutzung geklärter Abwässer für den Tomatenanbau. Kreisläufe zu schliessen und städtische Abfallprodukte wieder für den Anbau von Nahrungsmitteln zu nutzen, ist eines der Ziele der Urban-Gardening-Bewegung. Auch die Biogasanlage im Werdhölzli macht aus den Vergärungsresten des Stadtzürcher Rüst- und Gartenabfalls Dünger, der wieder auf den Feldern ausgebracht wird.

Die Gemüsegärtner der Genossenschaft Ortoloco, die in Dietikon im grossen Stil Gemüse anbauen, denken über einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb nach. Doch wie eine Vertreterin der Genossenschaft bemängelte, sehen die Pachtverträge für die städtischen Bauernhöfe keine Verpachtung an Gruppen oder Genossenschaften vor. Mangelnde Flächen fürs Urban Gardening sind auch in anderen Supurbfood-Städten ein Thema. Wie Joy Carey berichtete, liegt in Bristol das fruchtbarste Land neben einer Autobahn, zu der jetzt noch eine weitere Strasse dazukommen soll.

Gärtnern als Zwischennutzung

In Bristol und Rotterdam nutzen die städtischen Gärtner die Gemüsebeete auch für soziale Zwecke: Ehemalige Drogenabhängige pflanzen in Bristol Salat an. In Rotterdam ziehen Kinder von Einwanderern Gemüse in Gemeinschaftsgärten. «Damit bekochen sie dann in Quartierrestaurants Rentner, die sich vorher vor ihnen gefürchtet haben», erzählt van der Schanz.

In Zürich fehlt es an geeigneten Anbauflächen. Die urbanen Gärtner müssen auf Zwischennutzungen ausweichen. Auch auf dem Brunnenhofgelände beim Bucheggplatz ist befristetes Gärtnern geplant, bevor dort Wohnungen gebaut werden. Während des Baus der Durchmesserlinie führte dort ein Schacht in 40 Meter Tiefe. Inzwischen wurde das Gelände planiert und soll wieder mit Erdreich aufgefüllt werden.

Erstellt: 16.01.2015, 22:17 Uhr

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