«Stadt hätte Häuser an der Weststrasse kaufen müssen»

Zürich hat es verpasst, an der Weststrasse günstigen Wohnraum zu schaffen. Jetzt profitieren von der neuen Verkehrsführung an der Weststrasse die Hausbesitzer massiv. Was geschieht mit dem Profit?

Von der Stadtautobahn zur begehrten Wohnzone: Die Liegenschaftenbesitzer an der Weststrasse reiben sich die Hände.

Von der Stadtautobahn zur begehrten Wohnzone: Die Liegenschaftenbesitzer an der Weststrasse reiben sich die Hände. Bild: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für die Hausbesitzer ist der Wandel der Weststrasse von der Stadtautobahn zur Wohnzone wie ein Lottogewinn: Ohne dass sie einen Finger krümmen müssen, steigt der Wert ihrer Liegenschaften massiv, und sie können die Mieteinnahmen vervielfachen. «Das sind Profite ohne Leistung», sagt SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran.

Die SP-Wohnbauspezialistin ist darum grundsätzlich für eine Abschöpfung von solchen Planungsgewinnen: Wenn durch staatliche Planung der Wert von Grundstücken steigt wie an der Weststrasse, sollen die Profiteure diese Wertsteigerung dem Staat zurückgeben. Umgekehrt würde Badran auch begrüssen, dass der Staat Verluste, die durch seine Planung entstehen, den Hausbesitzern zurückerstattet.

Gesetz fehlt

Weder das eine noch das andere ist aber heute möglich: Dafür fehle die gesetzliche Grundlage, teilte der Stadtrat auf Anfrage Badrans mit. Die SP-Politikerin befürwortet daher, dass längerfristig Bundesgesetze die Gewinnabschöpfung möglich machen werden. Kurzfristig will sie durch Verhandlungen von den Liegenschaftsbesitzern Konzessionen erreichen.

FDP-Gemeinderat Albert Leiser widerspricht Badran. Für den Direktor des Hauseigentümerverbands gehören Planungsverluste und -gewinne zum ganz normalen Risiko der Liegenschaftsinvestoren. Da gebe es nichts abzuschöpfen. «Die heutige Wertsteigerung gleicht nur die Wertminderung aus, die durch die Verkehrsführung vor 40 Jahren ausgelöst wurde», sagt Leiser.

Individuelle Gewinne

Die Liegenschaftspreise an der Weststrasse sind schon in den letzten Jahren im Hinblick auf die Westumfahrung gestiegen. Für Leiser ist klar: «Wer in dieser Zeit gekauft hat, macht jetzt viel weniger Planungsgewinn.» Das ist auch der Grund, weshalb sich der Gewinn der Hausbesitzer kaum beziffern lässt: Für jedes Haus müsste er separat berechnet werden.

Einig sind sich Leiser und Badran allerdings in einem: Die Stadt und namentlich ihre gut dotierte Stiftung PWG hätte an der Weststrasse aktiv werden und kaufen müssen. «Schliesslich wurde sie gegründet, um Häuser der Spekulation zu entziehen», sagt Leiser. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2011, 12:14 Uhr

Artikel zum Thema

«Einkommensschwache Anwohner werden vertrieben»

An der ehemaligen Transitachse werden unzählige Liegenschaften umgebaut oder saniert, langjährige Anwohner sind gezwungen, das Gebiet zu verlassen. Die Quartiervertreter müssen machtlos zusehen. Mehr...

Jedem zweiten Mieter an der Weststrasse gekündigt

Jahrzehntelang erduldeten Familien an der ehemaligen Transitachse den Dreck und Lärm. Jetzt wird sie zur Luxusmeile umgebaut – und laut einer TV-Sendung wird jeder zweite Mieter auf die Strasse gestellt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Friede, Freude, Farbenrausch: Schülerinnen in Bhopal feiern das indische Frühlingsfest Holi. Das «Fest der Farben» ist ein ausgelassenes Spektakel, bei dem sich die Menschen mit Farbpulver und Wasser überschütten (19. März 2019).
(Bild: Sanjeev Gupta) Mehr...