Zürich will die Gammelhäuser kaufen

Die Stadt ist in Verhandlungen mit dem Besitzer der drei ehemaligen Problemhäuser im Kreis 4. Über den Preis herrscht Stillschweigen.

Räumung im Januar 2017: Die Gammelhäuser an der ­Neufrankengasse. Foto: Thomas Egli

Räumung im Januar 2017: Die Gammelhäuser an der ­Neufrankengasse. Foto: Thomas Egli

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Lange war unklar, was mit den Gammelhäusern im Kreis 4 nach der Verbarrikadierung passieren wird. Nun steht fest: Die Stadt Zürich bekundet Interesse am Kauf der drei Problemliegenschaften. «Wir stehen in Verhandlungen mit dem Eigentümer, um die Liegenschaften an der Neufrankengasse 6 und 14 sowie an der Magnusstrasse 27 im Kreis 4 zu kaufen», sagt Michael Rüegg, Sprecher des Sozialdepartements der Stadt Zürich. Die Liegenschaft an der Magnusstrasse ist bereits im Juni 2016 geräumt und verbarrikadiert worden. Auch dieses Haus war von Junkies und Drogendealern bewohnt und gehört dem Küsnachter Immobilienbesitzer Peter Sander.

«Die Verhandlungen sind nicht abgeschlossen, es besteht aber ein Interesse seitens der Stadt», sagt Rüegg weiter. Auch der Besitzer sei an einer raschen Lösung interessiert. Die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer und der Stadt sind seit einigen Monaten in Gang. Welche Summe die Stadt für die Liegenschaften zahlen will, wird nicht kommuniziert: «Der Preis liegt aber nicht über dem Marktwert», sagt Rüegg.

Wohnungen neu nutzen

Warum will ausgerechnet die Stadt Zürich die Problemliegenschaften im Zürcher Langstrassenquartier erwerben? «Die Stadt will zum einen die Weiterführung der Gammelliegenschaften beenden und neue Nutzer in die Häuser bringen», sagt Rüegg. Ein weiterer Grund für den Kauf sei, dass kleine Wohnungen, die es in Zürich nicht so häufig gibt, zu günstigen Preisen vermietet werden können. «Ein gewisser Teil der Wohnungen soll im freien Markt angeboten werden», so Rüegg. Andere Wohnungen könnten für studentisches oder für betreutes Wohnen genutzt werden. Zudem sollen Wohnungen mittel- oder langfristig auch für Leute im Asylbereich gebraucht werden.

Die Schmuddelliegenschaften werden geräumt. Video: Tamedia

Weiter betont Rüegg, dass die Stadt bereits Erfahrungen mit solchen Übernahmen hat. «Zur Jahrtausendwende hat die Stadt schon mehrfach Liegenschaften dem Milieu entzogen.»

Die Frage, ob der geplante Deal mit Peter Sander einen Einfluss auf den Prozess haben wird, verneint Rüegg. Gegen Sander läuft ein Verfahren wegen Mietzinswucher. Wann es zum Prozess kommt, ist noch offen. Das juristische Verfahren sei unabhängig von der Stadt, diese habe auch keine Einflussmöglichkeiten darauf, sagt Rüegg.

Häuser sind bereits geschlossen

Momentan erinnert die Neufrankengasse an eine grosse Baustelle. Die beiden Häuser sollen bis heute geräumt und verbarrikadiert sein.

Gestern warfen Arbeiter noch die letzten zurück­gelassenen Möbel und haufenweise Unrat aus den Fenstern in eine Baumulde. Das Haus Neufrankengasse 14 ist bereits geschlossen. Die Eingangstür ist mit einem Eisengitter verriegelt. Am Türrahmen steht in roter Schrift geschrieben: «Geschlossen». Daneben hängt ein Zettel, auf dem steht, dass an diesem Mittwoch der Strom abgestellt wird.

Erstellt: 16.01.2017, 23:25 Uhr

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