Stadt will nichts von «mafiösen Zuständen» im Taxigewerbe wissen

Ein Mitglied der Taxi-Sektion Zürich macht der Stadt schwere Vorwürfe. Die Stadtpolizei widerspricht.

Zu wenig Standplätze: Dies ist einer der Vorwürfe der Taxi-Sektion gegenüber der Stadt Zürich.

Zu wenig Standplätze: Dies ist einer der Vorwürfe der Taxi-Sektion gegenüber der Stadt Zürich. Bild: Keystone

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Dolores Zanini, Vizepräsidentin der Taxi-Sektion Zürich, und ihre vier Vorstandskollegen sind am Montag zurückgetreten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet von gestern). Die Taxi-Sektion mit rund 500 Mitgliedern ist der grösste Taxiverband der Schweiz. Wie es nach dem Rücktritt des Vorstands weitergeht, ist noch unklar. Zanini nutzte die Gelegenheit, um eine Breitseite gegen die Stadt abzufeuern. In der Zürcher Taxi-Kommission herrschten «mafiöse Zustände». Die Taxi-Kommission setzt sich aus drei bis sieben Mitgliedern aus dem Zürcher Taxigewerbe zusammen und hat insbesondere ein Mitspracherecht beim Erlass der Tarifordnung.

«Seriöse Arbeit»

Von mafiösen Zuständen will die Stadtpolizei nichts wissen: «Die stimmberechtigten Mitglieder der Taxi-Kommission leisten seriöse Arbeit und setzen sich für die Interessen des Taxigewerbes ein», sagt Robert Soos, Sprecher des Polizeidepartements. Weder die Stadtpolizei noch das Departementssekretariat sehen Anhaltspunkte für ein unrechtmässiges Verhalten. Sollten die Vorwürfe konkretisiert werden, will die Stadt diese prüfen.

Dolores Zanini behauptet ferner, dass das Kommissionsmitglied Annemarie Achermann «gekauft» sei. Diese gehöre zudem einem Verband an, der nur zwei Mitglieder habe. Dabei müsse ein Verband mindestens 30Mitglieder zählen, um jemanden in die Kommission delegieren zu können. Die Vorgabe mit den 30 Mitgliedern trifft laut Soos zu, stammt aber von der Taxi-Kommission selbst. Ausserdem gehöre Annemarie Achermann der Kommission seit vielen Jahren an, entsprechend erstaunt sei er über die jetzt vorgebrachte Kritik, sagt Soos.

Auch das Verhältnis zwischen der Zahl der Standplätze und jener der Taxis kritisiert Zanini. Es gebe in der Stadt 245 Standplätze, aber fast 1600 Taxis. Laut Gesetz sollte es ein Standplatz auf drei Taxis sein. Was die Stadt damit veranstalte, sei «moderne Sklaventreiberei». Laut Robert Soos existiert eine solche Regelung aber nicht. In der Stadt Zürich seien 250Taxistandplätze vorhanden, in der Nacht kämen 85temporäre dazu.

Am 1. März tritt in Zürich die neue Taxi-Tarifordnung in Kraft. Neu müssen die Preise am Fahrzeug angeschrieben sein, und der Fahrer darf einen Grundtarif von bis zu 8 Franken verlangen. Aktuell sind es 6 Franken. Zürcher Taxi-Unternehmen erklärten gegenüber dem Tagesanzeiger.ch/Newsnet, dass sie bis auf weiteres an den bisherigen Preisen festhalten wollten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2015, 21:09 Uhr

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