Stadt zahlt «Nervous»-Betreibern Geld und entschuldigt sich – trotz Drohung

Die Ex-Betreiber der Nervous-Bar werden für die Schliessung ihres Lokals entschädigt. Nachdem die Stadtpräsidentin ihretwegen unter Schutz gestellt wurde, entschuldigen sich beide Seiten für ihr Verhalten.

Jens Gloor attackiert Corine Mauch: An einer Wahlveranstaltung schrie der ehemalige Barbetreiber die Stadtpräsidentin an und bezichtigte sie, Schwule zu hassen.

Jens Gloor attackiert Corine Mauch: An einer Wahlveranstaltung schrie der ehemalige Barbetreiber die Stadtpräsidentin an und bezichtigte sie, Schwule zu hassen. Bild: Thomas Burla

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Die Stadt Zürich überweist den ehemaligen Betreibern der «Nervous Bar» «als Entschädigung für sämtliche aus dem Verfahren entstandenen Kosten eine Pauschale», teilt das Hochbaudepartement der Stadt Zürich heute mit. Nach Fehlern bei der Zusammenarbeit zwischen zwei Dienstabteilungen schloss die Stadt Ende 2008 die Schwulenbar in Wiedikon.

Die Stadt gab Monate später zu, Fehler gemacht zu haben. Wegen «Kommunikationsproblemen» zwischen den Ämtern war eine Bewilligung verschlampt worden. Die Stadt drückte bereits damals ihr Bedauern darüber aus; am Aus für die Wiediker Schwulenbar änderte dies jedoch nichts. Eine Entschädigung der Stadt in der Höhe von 10'000 Franken schlugen Gloor und Garotta aus.

Daraus entstand ein Streit mit der Stadt, der nach ihrer Wahl auch Stadtpräsidentin Corine Mauch betraf. Die Ex-Barbetreiber verlangten von ihr, für den Fehler gerade zustehen – obwohl er in der Amtszeit und im Departement der damaligen Hochbauvorsteherin Kathrin Martelli (FDP) passierte.

Mauch bedroht

Der Kleinkrieg mündete nicht nur in Schadenersatzforderungen in der Höhe von 550'000 Franken und einer Haftungsklage, welche der Stadtrat ablehnte. Jens Gloor bedrohte Mauch und bezeichneten sie gemäss Recherchen des Tages-Anzeigers mehrere Male als «Monster». Zudem bekundete er, nichts mehr zu verlieren. Solche Drohungen nimmt die Polizei seit dem Attentat im Zuger Parlament im Jahr 2001 ernst und reagiert sofort. Monatelang wurde Mauch deshalb bei öffentlichen Auftritten von Polizisten in Zivil bewacht.

Nach der Schliessung der Bar machten die beiden geltend, in den Ruin getrieben worden zu sein. Die Krankenkassenprämien hätten sie nicht mehr bezahlen können. Die Miete ihrer Wohnung in Witikon in der Höhe von 1170 Franken zahlte die Stadt über Monate hinweg. Dies, nachdem die beiden, so Gloor, im Januar 2010 gedroht hätten, bei einem Wohnungsrauswurf mit ihren sämtlichen Möbeln ins Stadthaus einzuziehen, wie er gegenüber dem Tages-Anzeiger sagte.

Entschuldigung der Stadt

Der Stadtrat drückt nun «sein Bedauern» aus, wie es in der Mitteilung von heute Freitag heisst. In Zusammenhang mit dem Entscheid des Stadtrichteramts vom 4. März 2011, das Verfahren wegen «Wirten ohne Patent» einzustellen, kann der Stadtrat nicht ausschliessen, dass der Betreiber der Bar wegen «irreführenden Auskünften zu Schaden gekommen ist, dessen Höhe jedoch schwierig festzustellen ist».

Darum haben sich die beiden Parteien darauf geeinigt, dass die Stadt den ehemaligen Betreibern der Bar «unpräjudiziell und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht per Saldo aller Ansprüche für sämtliche aus diesem Verfahren entstandenen Kosten eine Pauschale überweist und sich der Stadtrat hiermit öffentlich bei den Geschädigten entschuldigt», schreibt die Stadt weiter.

Jens Gloor und Carlos Garotta würden ihrerseits ihr Bedauern ausdrücken, «sofern durch ihre Aktionen irgendwelche Behördenmitglieder oder Drittpersonen in ihrer Persönlichkeit verletzt worden sind». Offenbar leben die beiden seit einigen Monaten in Brasilien. Über die Höhe der Entschädigung schweigt sich die Stadt aus. In dieser Sache «werden keine weiteren Auskünfte erteilt», heisst es am Ende der Mitteilung. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2011, 14:32 Uhr

Jens Gloor (links) und sein Mann Carlos Garotta bei der Eröffnung der Nervous-Bar am 11. Oktober 2008.
(Bild: Archiv TA)

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