Städtische Parkplätze werden zu Ladenhütern

In einigen Amtshäusern der Stadt liegen Parkfelder brach – und das, obwohl die Mietpreise moderat sind. Autofahrer sind zu bequem, um lange Gehwege zur Arbeit zurückzulegen.

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Parkplätze in Zürich sind rar – würde man zumindest aufgrund der häufigen politischen Grabenkämpfe meinen, die für jedes einzelne Parkfeld geführt werden. Doch ausgerechnet in den städtischen Immobilien entpuppen sich Autoabstellplätze als Ladenhüter. Von den rund 2000 Parkplätzen, die die Immobilien-Bewirtschaftung der Stadt Zürich an Dritte vermieten kann, stehen derzeit 15 Prozent – also rund 200 bis 300 – leer.

Die Parkplätze gehören zu den 1600 Gebäuden, die stadtintern an die verschiedenen Dienstabteilungen vermietet werden. Wie sie genutzt werden, wird von den verschiedenen Abteilungen selbst bestimmt. So können sie beispielsweise als Abstellplätze für Dienstfahrzeuge oder als Kundenparkplätze dienen, oder sie werden an Mitarbeiter untervermietet.

Städtische Mitarbeiter steigen auf ÖV um

«Wenn die Dienstabteilungen überzählige Parkplätze haben, können sie diese wieder an uns zurückgeben. Wir sorgen dann dafür, dass sie so rasch wie möglich wieder vermietet werden», erklärt Immo-Mediensprecher Marc Huber auf Anfrage. Das sei in den letzten Jahren immer häufiger der Fall gewesen. «Das lässt darauf schliessen, dass immer weniger städtische Mitarbeiter einen Parkplatz brauchen. Wir gehen davon aus, dass diese Leute auf den öffentlichen Verkehr umgestiegen sind.»

Die meisten freien Parkplätze befinden sich in Tiefgaragen. Gegenwärtig sind unter anderem im Verwaltungszentrum Werd, im Amtshaus Helvetiaplatz und bei der Sportanlage Heuried Parkfelder frei. Also in durchaus attraktiven Arbeits- oder Wohngebieten der Stadt. Trotzdem sei die Vermietung schwieriger geworden. «Früher wurden wir sie leichter los, jetzt müssen sie auch einmal aktiv beworben werden.»

Parkplätze ab 60 Franken pro Monat

Es gebe punkto Nachfrage allerdings sehr grosse Unterschiede. «Parkplätze im Citybereich sind immer gefragt. Da kommen die Geschäftsleute sogar direkt auf uns zu, die Plätze sind deshalb auch alle vergeben», so Huber. Die Vermietung der Parkplätze in den Aussenquartieren sei hingegen aufwendiger. Die Objekte müssten mit Anzeigen auf den Immobilienplattformen im Internet beworben werden.

An den Mietpreisen kann es nicht liegen, dass die Parkplätze schwerer an den Mann oder die Frau gebracht werden können. «Wir passen unsere Preise dem Markt an. Sie bewegen sich im Rahmen der privaten Angebote an vergleichbarer Stelle.» Die Kosten variieren je nach Lage und Infrastruktur. Wer beispielsweise ein Parkfeld im Freien in Seebach mieten will, muss dafür 60 Franken pro Monat bezahlen. Ein Parkplatz im Verwaltungszentrum Werd kostet derzeit 300 Franken monatlich und einer im Amtshaus 5 – also mitten in der Zürcher City – rund 500 Franken.

«Die Leute sind offenbar sehr empfindlich, was Distanzen anbelangt»

Das Problem sind die Wege, die je nach Parkplatz bis zum Arbeits- oder Wohnort zurückgelegt werden müssen. «Die Leute sind offenbar sehr empfindlich, was Distanzen anbelangt», glaubt Huber. «Das Verwaltungszentrum Werd scheint für Leute, die an der Bahnhofstrasse arbeiten, bereits zu weit weg, weil die Büros dann nicht in Gehdistanz liegen. Sie müssten noch aufs Tram umsteigen. Das wäre dann eine Art Park-and-ride-Situation. Und die ist offenbar unerwünscht.»

Würde heute ein neues Amtshaus errichtet, dann würde sicherlich auch die Anzahl der Parkplätze viel tiefer ausfallen als beispielsweise im Verwaltungszentrum Werd, dem ehemaligen Bankenhochhaus aus den 1970er-Jahren. «Die Parkplatzverordnung schreibt uns allerdings je nach Grösse, Nutzung und Lage des Gebäudes eine bestimmte Mindestanzahl an Parkplätzen für Kunden und Mitarbeiter vor – Parkplätze für Dienstfahrzeuge ausgenommen», betont Huber. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 11:57 Uhr

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