Stau vor Zürichs Eisflächen

Ursprünglich war im Heuried ein zweites Eisfeld geplant. Es fiel einer Sparrunde zum Opfer. Jetzt sucht die Stadt neue Lösungen. Das Zauberwort: «Multiple Sportflächen».

Grossandrang auf der Kunsteisbahn: «Gratis aufs Glatteis» fand am 10. November 2019 erstmals statt – am 5. Januar 2020 kann man erneut gratis Schlittschuhlaufen gehen.

Grossandrang auf der Kunsteisbahn: «Gratis aufs Glatteis» fand am 10. November 2019 erstmals statt – am 5. Januar 2020 kann man erneut gratis Schlittschuhlaufen gehen. Bild: PD Stadt Zürich

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In Zürich ist die Eissaison gestartet. Seit Anfang November sind die drei Kunsteisbahnen in Oerlikon, im Sportzentrum Heuried und beim Dolder offen. Bereits vergangenen Sonntag bildeten sich vor den Eingängen lange Schlangen, als die Stadt die Bevölkerung zum ersten Mal «Gratis aufs Glatteis» einlud. Allein im Heuried haben knapp 2500 Personen am Anlass teilgenommen.

Seit der Eröffnung der neuen Sportanlage hat das Interesse am Schlittschuhlaufen zugenommen. Kein Wunder also, wollten die SP-Gemeinderäte Duri Beer und Barbara Wiesmann zusammen mit fünf Mitunterzeichnenden vom Stadtrat erfahren, ob das ehemalige zweite Ausseneisfeld der Sportanlage dereinst wieder in Betrieb genommen werden könnte und wie diese Brache generell genutzt werden soll.

Mehr als nur eine Sportart

Nun liegt die Antwort auf die schriftliche Anfrage vor – und sie zeigt, dass die Stadt bereits aktiv wurde. Weil die Bauordnung den Betrieb von temporären Sportanlagen auf dem brachliegenden zweiten Aussenfeld derzeit nur während sechs Wochen im Jahr erlaubt, hat das Zürcher Sportamt Ende Oktober ein Baugesuch eingereicht, mit der eine ganzjährige Nutzung der beiden Eisfelder als «multiple Sportfläche» möglich sein würde.

Alle wollen aufs Glatteis: Vor der Sportanlage Heuried hat sich am Sonntag eine lange Schlange gebildet. (Bild: PD/Stadt Zürich)

«Das Quartier wächst und der Bedarf an Sportflächen ist in der ganzen Stadt gestiegen. Da können wir zwei grosse Freiflächen nicht einfach ungenutzt lassen», erklärt der zuständige Bereichsleiter Hansjürg Lüthi das Vorgehen. «Wir hoffen, dass wir Anfang 2020 die Bewilligung erhalten.»

Flexible Nutzung mit mobilen Anlagen

Die Stadt hat sich bewusst nicht auf eine konkrete Nutzung festgelegt. Sie will mit mobilen Sportanlagen das temporäre Angebot jeweils den Bedürfnissen der Bevölkerung anpassen können. Die Anlagen wären allerdings aus Lärmschutzgründen nur von 8 bis 22 Uhr offen.

Die Aussenfelder im Heuried: Die rot eingezeichnete Fläche wird schon heute zum Eislaufen genutzt, gelb ist die Brache eingezeichnet (Bild: Google Maps)

Die bestehende Eisfläche würde im Sommer dem Badebetrieb zur Verfügung gestellt, damit dort beispielsweise Tischtennis, Fussball oder Volleyball gespielt werden könnte. Für die Brache wiederum wäre die Einrichtung eines Pumptracks für Biker eine mögliche Option. Einen solchen hat das Sportamt dort in diesem Jahr bereits von April bis Mai während sechs Wochen betrieben, um Lärmmessungen für das Baugesuch vorzunehmen. Das Angebot sei sehr gut angekommen, sagt Lüthi. Es habe zwar verschiedene Reklamationen gegeben – allerdings hauptsächlich, weil der Pumptrack wieder abgebaut wurde. Lediglich einige wenige hätten sich wegen Kinderlärms beklagt.

Temporäres Eisfeld kommt nicht infrage

Ob aber auf der Brache im Winter wieder ein zweites Eisfeld betrieben werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im ursprünglichen Bauprojekt für die Sportanlage Heuried war ein zweites Aussenfeld vorgesehen, wurde aber aus Kostengründen bei einer Sparrunde gestrichen. Das Bedürfnis der Bevölkerung und der Sportvereine an Eisflächen ist aber inzwischen gestiegen, die Nachfrage übersteigt das Angebot.

«Ein provisorisches Eisfeld kommt für eine Einrichtung der Stadt Zürich aus ökologischen Gründen nicht infrage.»Hansjürg Lüthi,
Bereichsleiter Sportamt Zürich

«Natürlich wäre es sinnvoll, auf der Brache ein zweites Eisfeld einzurichten und die bestehenden Infrastrukturen der Sportanlage zu nutzen. Im besten Fall könnte man die Felder sogar überdachen», sagt Lüthi. Ein provisorisches Eisfeld, wie es im Winter an anderen Orten der Stadt von Privaten aufgebaut werde, komme für eine Einrichtung der Stadt Zürich aus ökologischen Gründen nicht infrage. «Das zweite Eisfeld müsste ebenfalls über eine Kälteanlage verfügen, deren Abwärme genutzt werden kann.»

Stadt prüft Machbarkeit

Seit Anfang Mai lässt die Stadt nun prüfen, ob eine Wiederinbetriebnahme technisch machbar wäre. Danach will sie über das weitere Vorgehen entscheiden. Lüthi wirft ein, dass es auf dem gesamten Stadtgebiet keine Landreserven oder Räumlichkeiten gebe, die sich besser dazu eignen würden, und «nirgends wäre ein solches Projekt kostengünstiger umzusetzen.»

Vorerst kann am Sportzentrum Heuried ohnehin noch nichts geändert werden. «Ist eine städtische Anlage neu erstellt, dürfen wir während mindestens drei Jahren keine baulichen Veränderungen daran vornehmen – selbst wenn bei der Planung das eine oder andere übersehen wurde», sagt Lüthi. Bei der Sportanlage Heuried läuft diese Frist 2020 ab. «Dann können neue Ideen eingebracht und allenfalls auch umgesetzt werden.»

Erstellt: 12.11.2019, 15:36 Uhr

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