Stauffacherstrasse soll Begegnungszone werden

Neugestaltung des Helvetiaplatzes: Nach 19-jährigem Hin und Her sorgt ausgerechnet die SP für das Ende einer Motion ihres Parteigenossen. Im Visier ist nun der Verkehr.

Begegnungszone statt Durchgangsverkehr: Dieser Strassenabschnitt soll abklassiert werden.


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Der Helvetiaplatz ist ein heiss umkämpftes Terrain. So forderte der ehemalige SP-Gemeinderat Bruno Kammerer bereits 1994 in einer Motion die komplette Neugestaltung des Platzes zum «urbanen Kreis-4-Charakterkopf». Nun beantragte die gemeinderätliche Kommission, der Einschätzung des Stadtrats zu folgen und das älteste Geschäft im Stadtparlament abzuschreiben – wobei sich sämtliche SP-Mitglieder der Stimme enthielten.

Bewegung in die Sache bringen

Weshalb unterstützen die Genossen nach dem jahrelangen Kampf das Anliegen ihres Parteikollegen nun nicht mehr? «Unsere Stimmenthaltung hängt damit zusammen, dass mit Kammerers Motion in den vergangenen Jahren keine Fortschritte in der Angelegenheit erzielt werden konnten», begründet Kommissionsmitglied und SP-Gemeinderat Patrick Hadi Huber die Stimmenthaltung gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Man müsse einen Neuanfang machen, damit Bewegung in die Sache komme. «Deshalb haben wir gemeinsam mit anderen Fraktionen des Gemeinderats ein Postulat zur Neugestaltung des Helvetiaplatzes ausgearbeitet.»

Das Postulat der SP, der Grünen, der Grünliberalen und der CVP fordert eine Belebung des spärlich genutzten Platzes ausserhalb der Marktzeiten und der zahlreichen Festanlässe. Es soll ein «Ort der Begegnung» geschaffen werden, heisst es im Vorstoss. «Wie der Platz dereinst konkret aussehen soll, können wir noch nicht sagen», so Huber. Vorstellbar seien ein temporäres Restaurant, Wasserspiele, eine sanfte Begrünung oder Bänke. Die Neugestaltung soll parallel mit dem Umbau des Amtshauses erfolgen, das an den Helvetiaplatz angrenzt. «Dieser ist voraussichtlich 2017 abgeschlossen. Wir müssen also auf jeden Fall mit einem Zeithorizont von vier Jahren rechnen.»

Begegnungszone statt Durchgangsverkehr beim Helvetiaplatz

Zeitgleich zu diesem Postulat reichte Huber gemeinsam mit dem grünliberalen Gemeinderat Gian von Planta eine Motion ein, die eine Aufwertung des Strassenraums im Bereich Helvetiaplatz bis Herman-Greulich-Strasse und eine Anpassung der Verkehrsführung im Langstrassenquartier verlangt.

«Auch wir sind klar gegen eine Unterteilung des Areals zwischen Helvetiaplatz und Kanzlei durch die Stauffacherstrasse. Deshalb fordern wir auf der Höhe des Helvetiaplatzes eine Begegnungszone auf der Verkehrsachse», sagt Huber. Dieser Strassenabschnitt solle für Autofahrer so unattraktiv wie möglich werden. «Die Abklassierung der Stauffacherstrasse ist unser Hauptziel. Man kann bei unserem Vorschlag also durchaus von einer Kammerer-Light-Version sprechen.»

Kanton entscheidet über Abklassierung

Die Umklassierung einer Strasse erfolgt im Richtplanverfahren. Die Stadt Zürich überarbeitet derzeit den regionalen Richtplan. «Er soll noch in diesem Jahr zur öffentlichen Mitwirkung aufgelegt werden», sagt Stefan Hackh, Sprecher des Zürcher Tiefbauamtes, auf Anfrage.

In diesem Auflageverfahren ist jedermann berechtigt, Anträge zu stellen – beispielsweise auch für die Abklassierung einer regionalen zur kommunalen Strasse. «In einem solchen Fall können wir den Antrag in die Neugestaltung des Richtplans aufnehmen oder begründet ablehnen», so Hackh. Der Richtplan mitsamt dem Bericht der nichtberücksichtigten Einwendungen wird vom Stadtrat beschlossen, ehe er voraussichtlich 2014 im Gemeinderat behandelt wird.

Danach wird der Richtplan dem Zürcher Regierungsrat unterbreitet. Er entscheidet darüber, welche Anpassungen festgesetzt werden sollen und welche nicht. Die Beschlüsse des Regierungsrates werden wiederum öffentlich bekannt gemacht – auch hier sind Einsprachen möglich. Das Verfahren wird schliesslich mit der Genehmigung durch den Regierungsrat abgeschlossen.

Patrick Hadi Huber ist zuversichtlich, dass seine Forderungen Gehör finden. «Der Stadtrat hat Bereitschaft gezeigt, die Motion als Postulat entgegenzunehmen. Es wäre daher wünschbar, dass er die Thematik Stauffacherstrasse bereits bei der Richtplanrevision mit einbezieht», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Inwiefern er dies tut, bleibt allerdings offen.»

Erstellt: 22.02.2013, 14:34 Uhr

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