Street Parade: «Wir machen Musik bis die Polizei kommt»

Dem Zürcher Niederdorf wurde der Stecker gezogen: Keine Outdoor-Bars während der Street Parade, keine DJs, keine Soundanlagen. Die Gastwirte versuchen, das Verbot zu umgehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Es ist total stier», meint die Bardame hinter der Theke des Aquariums, «früher war immer viel mehr los hier – sogar Stunden vor der Parade.» Damals bediente sie das Partyvolk an einer grossen Bar am Limmatquai. Jetzt versucht sie hinter einer improvisierten Theke im Eingang des Lokals ihre Drinks los zu werden.

Vor allem der Sound fehlt

Im Zürcher Niederdorf herrscht an der diesjährigen Street Parade null Partystimmung: Die Stadt Zürich hat den Gastwirten die Sondergenehmigung für den Betrieb von Outdoor-Bars entzogen. Lautsprecherboxen dürfen auch nicht auf die Strasse gestellt werden.

Wo in den Jahren zuvor alle zwei Meter ein anderer Beat aus riesigen Musikanlagen dröhnte, herrscht in diesem Jahr der reguläre Shopping-Modus vor. «Für uns ist das eine Katastrophe», sagt Aquarium-Geschäftsführer Nino Di Jorio, «Die Street Parade ist ein wichtiger Geschäftstag. Wir machen dann jeweils den dreifachen Umsatz eines regulären Samstags.»

Vor allem der Sound fehlt. Die knallbunten Raver bleiben kaum stehen. Sie ziehen in Scharen in Richtung Seebecken. Dort gehts ab, dort spielt die Musik. Elvira Merz, Geschäftsführerin der Havanna Bar, hat daher kurzerhand ihr gesamtes Lokal in einen Lautsprecher verwandelt: Die Soundanlage ist so laut aufgedreht, dass man im Innern nicht mehr mit einander reden kann – dafür nehmen ein paar Leute vor dem Lokal einen Drink vor den offenen Fenstern. «Wir machen so lange Musik, bis die Polizei kommt. Und wenn sie dann wieder gegangen ist, drehen wir den Sound wieder auf.»

Tote Hose auf dem Hirschenplatz

Wo alljährlich der ganze Platz vom tanzenden Partyvolk eingenommen wurde, herrscht in diesem Jahr gähnende Leere. Tote Hose auch auf dem Hirschenplatz. «Wir machen einfach hier drin so laut Musik, wie irgendwie möglich», meint André von der Labyrinth Bar. «Ich hoffe, dass dann später doch noch ein paar Leute kommen werden.»

Der Frust sitzt bei allen Gastrounternehmern tief. «Es ist ein Witz», wettert Elvira Merz, «die Alkoholexzesse hat sich die Stadt selbst zuzuschreiben. Schliesslich hat sie den Verkauf von Alkohol entlang der Parade bewilligt.» Bereits die EM sei für die Betreiber von Restaurants und Bars ein riesiges Verlustgeschäft gewesen, «und jetzt auch noch das. Die Street Parade war für mich sonst ein Rekordtag.»

Nino Di Jorio geht sogar noch weiter: «Das wars! Wir werden auch im nächsten Jahr keine Bewilligung erhalten. Die Stadt hat nur darauf gewartet, uns die Bewilligung zu entziehen. Jetzt ist die Party im Niederdorf vorbei.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2008, 15:19 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Mamablog Bye, mein Grosser

Blog Mag Facetime überall?

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Die Ruhe weg: EIn Blauschaf betrachtet den Betrachter im Uoo von Moskau, Russland. (17. August 2017)
(Bild: Yuri Kochetkov/EPA) Mehr...