Streit um das Bally-Logo an der Bahnhofstrasse

Die Stadt möchte das Gebäude und den Schriftzug schützen, der Nachmieter will diesen abmontieren.

Spätwerk der Architekten Haefeli, Moser, Steiger: Das markante Bally-Eckhaus an der Bahnhofstrasse.

Spätwerk der Architekten Haefeli, Moser, Steiger: Das markante Bally-Eckhaus an der Bahnhofstrasse. Bild: Sophie Stieger

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Eigentlich wäre alles bereits geregelt. Der Modekonzern Zara hat den Mietvertrag für das Gebäude an der Bahnhofstrasse 66 unterschrieben, wie der TA aus verlässlicher Quelle weiss. Damit würde der grösste Modeverkäufer der Welt den Traditionsbetrieb Bally ablösen, der seit 1927 im bekannten Eckhaus an der Bahnhofstrasse Schuhe verkauft.

Zara hat dem Vertrag allerdings nur unter einem Vorbehalt zugestimmt: Der Bally-Schriftzug muss weg. Doch so einfach lassen sich die markanten Kugeln mit dem Bally-Logo nicht abschrauben, denn der Denkmalschutz überlegt sich, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Das Bally-Haus aus dem Jahr 1968 ist das Spätwerk der renommierten Zürcher Architekten Haefeli, Moser, Steiger, die unter anderem das Kongresshaus, das Universitätsspital und das Hochhaus zur Palme bauten. «Die Architekten des Bally-Hauses setzten zur Bauzeit innerhalb der vom Historismus geprägten Bahnhofstrasse einen neuartigen städtebaulichen Akzent», sagt Martina Jenzer, Leiterin der Denkmalpflege. Dazu zähle auch der vom Zürcher Grafiker Gérard Miedinger gestaltete Schriftzug auf fünf einzelnen Kugeln.

Die Denkmalpflege und die PSP Swiss Property – Besitzerin des Gebäudes – sind in Gesprächen, wie mit den Kugeln verfahren werden soll. Ob der Schriftzug allenfalls abgedeckt wird, die Schriftzeichen nur temporär oder definitiv entfernt werden, wollte Christoph Sättler von der PSP Swiss Property nicht sagen. Es würden verschiedene Szenarien diskutiert.

70er-Gebäude haben schlechten Ruf

Das Bally-Haus steht trotz seiner prominenten Gestalter und einer «Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich» bisher nicht unter Denkmalschutz. Der Grund ist einfach: Das Haus stammt von 1968 und war damit bisher zu jung, um als schutzwürdig zu gelten. Nur Gebäude bis 1965 stehen zurzeit unter Schutz. Die Stadt will jetzt allerdings Häuser, die zwischen 1960 und 1980 entstanden, auf ihre Schutzwürdigkeit überprüfen. Vier Kriterien sind für eine Aufnahme entscheidend: die städtebauliche, die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, die bautypologische sowie die baukünstlerische Bedeutung. Ein Gebäude könne bereits als schutzwürdig gelten, wenn eines der vier Kriterien erfüllt sei, sagt Jenzer.

Wie viele Bauten aus den 70er- und 80er-Jahren unter Schutz gestellt werden, ist noch nicht bekannt. «Gemessen an der grossen Bautätigkeit in den 70er-Jahren, werden nur wenige für die Inventaraufnahme vorgesehen», sagt Jenzer. Der schlechte Ruf, der Gebäuden aus jener Epoche anhaftet, ist für die Chefin der Denkmalpflege nicht gerechtfertigt, weil er sich vor allem auf die schlechte Energiebilanz und die Kurzlebigkeit der Materialien beziehe. «Die architektonische Qualität ist dagegen besser.»

Club Privé wird geschlossen

Die PSP beabsichtigt, das Bally-Gebäude zu sanieren. Der letzte Umbau datiert von 1995. Damals wurden drei Fünftel des Gebäudeinnern abgebrochen und neu erstellt. Der Liftkern wich unter anderem einer Rolltreppe. Ein interessantes Detail befindet sich tief im Boden: Das dritte Untergeschoss nimmt nur die Hälfte des Grundstück ein, weil die andere Hälfte für den einst geplanten UBahn-Tunnel unter der Bahnhofstrasse vorgesehen war.

Der Club Privé in der obersten Etage des Bally-Hauses wird nach einem Mieterwechsel ebenfalls geschlossen. Ein Nachfolgeclub sei nicht vorgesehen, sagt Christoph Sättler.

Erstellt: 20.02.2013, 06:32 Uhr

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