Strenge Auflagen verzögern neue Hortplätze

In der Stadt fehlen über 400 Hortplätze. Einer der Hauptgründe für diesen Mangel sind die Auflagen der Feuerpolizei und der Lebensmittelkontrolle.

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Das Quartier Affoltern boomt. Allein letztes Jahr sind 2300 Neuzuzüger gezählt worden. Besonders erfreulich dabei: Viele sind junge Familien mit kleinen Kindern. Für sie ist es besonders ärgerlich, dass es viel zu wenig Hortplätze für die Kleinen gibt. Dabei ist schon massiv aufgerüstet worden. Bis zu den Sommerferien hat die Stadt 60 neue Plätze geschaffen. Das reicht jedoch bei weitem nicht. «Wir brauchen dringend weitere hundert Hortplätze», sagt Vera Lang, Präsidentin der Kreisschulpflege Glatttal.

Bei den Politikern ist das Verständnis für dieses Anliegen gewachsen. Im Gemeinderat ist Ernst Danner (EVP) aktiv geworden und fordert in einem Postulat rasch neue Hortplätze für den Schulkreis Glatttal im Allgemeinen und Affoltern im Speziellen. Was genau aber bedeutet «rasch»? «Das bedeutet, dass auch Provisorien möglich sein sollen», antwortet Danner. Solche würden aber durch «bürokratische Schikanen» verhindert. Danner: «Warum müssen Küche und Aufenthaltsraum getrennt sein? Warum darf ein Kühlschrank nicht frei stehen?»

«Die Küche ist der Risikoraum»

Kein Verständnis für diese Diskussion hat Jürg Neeracher, Chef der kantonalen Feuerpolizei. Er hört diese Argumente seit Jahren, aber das ändere nichts an den Fakten. Das Problem bestehe darin, dass ausgerechnet die Küche der Risikoraum eines Gebäudes sei, sagt Neeracher. «Vier von fünf Bränden entstehen dort.». Auch das Gebot der Hygiene spreche für eine Trennung von Küche und Aufenthaltsraum. Darauf wird bei Krippen und Horten besonders genau geschaut. Sie müssen sich neu beim Kantonalen Labor melden und unterliegen den gleichen Anforderungen wie Restaurants. Das bedeutet, dass sie mindestens einmal pro Jahr durch die Lebensmittelkontrolle überprüft werden.

Mark Ziegler von der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich ist zuständig für die Infrastruktur in den Schulhäusern. «Wir werden laufend mit strengeren und neuen Auflagen konfrontiert», stellt er fest. Hort ist nicht gleich Hort, der Teufel steckt bekanntlich im Detail. «Es spielt eine Rolle, ob ein Mittagstisch eine Aufwärmküche hat oder ob dort richtig gekocht wird», sagt Ziegler. Zudem kommt es zu einem selbst laufenden Prozess: Je mehr Kinder über Mittag in der Schule bleiben, desto leistungsfähiger muss die Küche sein, desto mehr Räume braucht es insgesamt, beispielsweise zusätzliche Toiletten. «All diese Auflagen müssen wir in ein vernünftiges Konzept verpacken», sagt Ziegler. «Wir sind jetzt daran, mit allen Beteiligten gemeinsame Grundlagen zu erstellen, um Betreuungsstätten schneller und einfacher zu planen und zu realisieren.»

Das Gesetz schreibt Hortplätze vor

Dass gehandelt werden muss, bestreitet niemand. Das Zürcher Stimmvolk hat 2005 das neue Volksschulgesetz angenommen, das die Stadt verpflichtet, jedem Kind, das einen Hortplatz benötigt, auch einen anzubieten. Bis es so weit ist und auch feuerpolizeiliche und hygienische Auflagen erfüllt werden können, dauert es noch. Zu lange, findet Ernst Danner und appelliert an den gesunden Menschenverstand. Er hofft, dass die neuen Verordnungen weniger nach den Buchstaben und mehr nach Sinn und Zweck angewandt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2008, 22:10 Uhr

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