TA-Meeting: 3-D-Flug ins menschliche Hirn

Patrick Aebischer, der Präsident der ETH Lausanne, lud am Tages-Anzeiger-Meeting zum 3-D-Flug ins menschliche Hirn.

In voller Länge: Video des Tages-Anzeiger-Meetings vom 26. Januar. Der 3D-Effekt blieb den Gästen vorbehalten und ist hier nicht zu sehen.
Video: Video: Jan Derrer

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Der Mann mit der Löwenmähne und der Gestik eines charmanten Lausbuben schaffte im Schiffbau das Unmögliche. Dem 56-jährigen Sohn eines Freiburger Malers und einer irischen Schauspielerin gelang es, 300 wissenschaftliche Laien mit einem Vortrag über Hirnforschung anderthalb Stunden lang zu faszinieren – und das auf Französisch.Patrick Aebischer hiess der charismatische Referent am 31. «Tages-Anzeiger»-Meeting. Er wollte Künstler werden wie seine Eltern, ist Arzt und Neurowissenschaftler geworden und formt die ETH Lausanne (EPFL) seit 2000 zur Hochschule mit Weltruhm.

«Von der Vielfalt der Schweiz profitieren»

Aebischer hatte in den USA eine kometenhafte wissenschaftliche Karriere hingelegt – und war schlau genug, die Strategie von Tamedia-Verleger Pietro Supino zu durchschauen. «Es ist kein Zufall», sagte Aebischer, «dass nach dem Zusammenschluss von Edipresse und Tamedia in der Schweiz ein Welscher nach Zürich eingeladen wurde.» Supino meinte zu diesem Schulterschluss: «Wir sind davon überzeugt, dass die Fähigkeit, vom Reichtum und der Vielfalt der Schweiz zu profitieren, für uns eine wesentliche zukünftige Stärkung sein kann, wenn wir es gut machen.»

Aebischer hat Supino eines voraus: Als Chef der ETH Lausanne kooperiert er schon lange über den Röstigraben hinweg mit der ETH Zürich. «Koopetition» nennt das Aebischer – Kooperation und Kompetition. Höhepunkt seines Vortrags war ein 3-D-Video mit einer Fahrt durch das Nervengeflecht des menschlichen Hirns. Alle 300 Gäste – Politiker, Wirtschaftsführer, Künstler sowie viele Medien- und Werbeleute – setzten im Schiffbau eine Spezialbrille auf. Dass Aebischer kein staubtrockener, abgehobener Wissenschaftler ist, zeigte sich, als er sein Lieblingsbild beschrieb: Bertrand Piccards Solarflugzeug über dem Schloss Chillon. Hightechwissenschaft und die Schönheit des Genfersees – über diese Poesie und Symbolik strahlte Aebischer wie ein kleiner Bub über sein erstes Papierflugzeug.

«Ich war zu Tränen gerührt»

Die Reaktionen waren stürmisch bis emotional. «Ich war zu Tränen gerührt», sagte Peter Rothenbühler, Direktionsmitglied von Edipresse. «Es tut uns Welschen unglaublich gut, dass Aebischer und die ETH Lausanne diese grosse Plattform in der Deutschschweiz erhalten haben. Riccarda von Mecklenburg von der M&M Media Agentur bezeichnete Aebischer als «wunderbare Mischung aus intelligenter Ironie und verkäuferischem Talent». Besonders beeindruckt war sie vom «Strahlen und Blitzen» in seinen Augen. Josepha Haas, Leiterin des Zürcher Medieninstituts, sagte: «Von diesem Auftritt eines Wissenschaftlers könnte die Medienbranche einiges lernen.» Aebischer vereine die «3 I» auf vorbildliche Weise: Innovation, Intellekt, Integration.

Nur einer im Publikum hinterfragte den fulminanten Auftritt: SVP-NationalratChristoph Mörgeli. Aebischer sei zwar ein exzellenter Verkäufer, «eine Art‹Marco Solari der Westschweiz› (welcher auch da war). Doch sei bedenklich, «dass die Zürcher applaudieren, wenn gewaltige Mittel von Zürich nach Lausanne verschoben werden». Mit dieser Aussage war Aebischer nicht einverstanden. «Das ist absurd», sagte er, «das Verhältnis zwischen Zürich und Lausanne blieb in den letzten Jahren gleich.»Felix Gutzwiller, Zürcher FDP-Ständerat, ergänzte. «Aebischer hat mit seinem Engagement viele private Sponsoren angezogen. Auch als Zürcher kann ich seine intensive Identifikation nur begrüssen.» ETH-PräsidentFritz Schiesser sagte: «Damit unsere beiden technischen Hochschulen Weltspitze sind, braucht es Konkurrenz und Zusammenarbeit.»

Und wie hatten es die vornehmlich aus der Deutschschweiz stammenden Gäste mit dem Französisch? «Kein Problem», sagte FDP-Kantonsrätin Regine Sauter. «Ich nehme jede Woche eine Französischstunde.» Keine Mühe hatte auch CVP-Nationalrätin Kathy Riklin. «Zum Glück hat er nicht Englisch gesprochen, wie es früher unter Ernst Buschor im ETH-Rat noch der Fall war.» Radio-24-Chefin Karin Müller dagegen meinte: «Mir wäre Spanisch lieber gewesen.»

Während sonst der Zürcher Stadtrat am TA-Meeting immer beschlussfähig anwesend war, fehlte er gestern in corpore. Statt Hirnforschung musste er den ganzen Tag das Budget überarbeiten. Anwesend war dafür in aufgeräumter Stimmung Statthalter Hartmuth Attenhofer. Er hatte den Stadtrat dazu verdonnert, möglichst rasch ein neues, ausgeglicheneres Budget zu präsentieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.01.2011, 16:37 Uhr

Patrick Aebischer (Bild: Nicola Pitaro)

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