Taxi-Suche per iPhone: Der Test

Hilfe für Taxi-Suchende in Zürich: Eine neue App will Fahrgast und Taxi auf einfache Weise zusammenführen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat ausprobiert, ob es funktioniert.

Raum Zürich: Hier sind rund 100 Taxifahrer bei «Taxibeam» angegliedert. (Bild PD)

Raum Zürich: Hier sind rund 100 Taxifahrer bei «Taxibeam» angegliedert. (Bild PD)

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Mitten in der Stadt Zürich und kein Taxi weit und breit? Die iPhone-Applikation könnte die Lösung sein: Statt die Nummer einer Taxi-Zentrale zu wählen, öffnet man die App auf dem iPhone. Per GPS wird der eigene Standort und jener von Taxis in der Nähe ermittelt.

Das iPhone zeigt die zur Auswahl stehenden Taxifahrer und gibt an, wie weit diese weg sind: in Kilometern und Fahrminuten. Man kann einen oder alle auswählen, angeben, wann man das Taxi braucht und die Fahrer direkt anfragen. Die ersten Rückmeldungen von Nutzern gehen von «der Hammer» bis «unbrauchbar». Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat sich die neue Applikation angesehen und getestet.

Auftrag abgebrochen

Einen ersten Versuch unternehmen wir nachmittags um 16.30 Uhr an der Zweierstrasse in der Nähe des Stauffachers. Die iPhone-App «Taxibeam» informiert uns zuerst, dass Spassanfragen unerwünscht und droht mit Sperrung. Dann zeigt es einen Fahrer an, der dem System angeschlossen ist. Es gibt ausserdem an, ob der Fahrer selbständig ist oder zu einer Taxizentrale gehört.

Wir geben die Anzahl Passagiere ein, den eigenen Namen und die Telefonnummer, bestätigen alles - und warten. Innert weniger Sekunden akzeptiert der Taxifahrer die Anfrage und macht sich auf den Weg. Könnte man zumindest denken. Denn plötzlich wird der Auftrag abgebrochen und man muss von Neuem beginnen. Aber beim zweiten Anlauf bringt das System eine Fehlermeldung: Es konnten keine freien Fahrer gefunden werden. Enttäuscht spazieren wir um die Ecke, denn da stehen vier freie Taxis. Die Vermutung: Der Fahrer hat kurz nach der Anfrage von der Zweierstrasse einen weiteren Auftrag erhalten und sich für diesen entschieden.

Wenig später beim Hauptbahnhof der erneute Blick aufs iPhone: Vier freie Taxis gibt das Programm an. Vor dem Bahnhof stehen Dutzende Fahrer: Von ihnen scheinen sich noch nicht viele die Applikation heruntergeladen zu haben.

Nach 21 Uhr alle besetzt?

Zweiter Versuch: Es ist kurz nach 21 Uhr, wir sind in der Nähe des Bahnhofs Stadelhofen. Das iPhone-App gibt zwei Taxis an. Aber keiner der Fahrer reagiert auf die Anfrage. Vielleicht sind sie mit anderen Kunden unterwegs und haben das App nicht abgestellt. Es geht mit dem Zug nach Hause.

Am Nachmittag klappte es fast, am Abend nicht. Vielleicht stehen die Chancen frühmorgens gut, über das iPhone ein Taxi zu bekommen: der dritte Versuch. Standort ist Zürich-Affoltern. Um 6 Uhr sieht es gut aus. Immerhin einen Fahrer meldet das Programm. Er ist 12,27 Kilometer entfernt. Es ist aber noch etwas früh. Wir entscheiden uns, die Taxi-Applikation in einer Viertelstunde nochmals zu starten und dann auf halb 7 Uhr ein Taxi zu ordern. 15 Minuten später: Pech, das iPhone bringt wieder die Fehlermeldung. Es sind keine Fahrer mehr verfügbar.

Taxifahrer nutzen App nur kurz

Die Macher der «Taxibeam»-App wissen um dieses Problem. Im Raum Zürich seien derzeit rund 100 Fahrer angeschlossen: «Damit müsste ein vernünftiger Betrieb eigentlich zu gewährleisten sein», sagt Marco Lehmann, der «Taxibeam» zusammen mit Marco Kundert auf den Markt gebracht hat. Es zeige sich aber, «dass viele die App nur ein paar Stunden oder tageweise nutzen und sonst beiseite legen». Warum die Fahrer sich so verhalten, wissen die beiden noch nicht. Die Applikation an sich ist für Taxifahrer kostenlos. Sie bezahlen pro bedienten Kunden einen Franken an die Entwickler.

Das Problem, dass sich - anscheinend freie - Fahrer auf Anfragen gar nicht melden, wollen Lehmann und Kundert in einer nächsten Version der Applikation beheben. Möglicherweise hören die Taxifahrer das Signal nämlich nicht: Bald soll der Ton für neue Aufträge viel lauter sein, so Lehmann.

Auch an der Qualitätsmessung studieren die Macher derzeit herum. Die Kunden sollen schlechte Erfahrungen deponieren können. Grundsätzlich ist Lehmann mit den ersten Wochen Betrieb aber sehr zufrieden. Das Interesse sei sehr gross. «Täglich kommen neue Fahrer dazu, und wir stehen auch mit Taxizentralen in Kontakt.»

Erstellt: 09.04.2010, 14:04 Uhr

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