Taxidienst Uber senkt erneut Fahrpreise

Der rasante Expansionskurs des US-Fahrdienstvermittlers Uber geht weiter. Bei Taxiunternehmen in Zürich sorgt das für rote Köpfe.

Günstigere Tarife wegen tieferen Benzinkosten: Uber liegt unter den Preisen der herkömmlichen Taxis.

Günstigere Tarife wegen tieferen Benzinkosten: Uber liegt unter den Preisen der herkömmlichen Taxis. Bild: Kai Pfaffenbach/Reuters

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Im vergangenen Jahr steigerte Uber die Zahl der Fahrten in der Schweiz um das Vier- bis Fünffache. Alleine in Zürich gibt es rund 100'000 Nutzer und eine hohe dreistellige Zahl an Fahrern. Nun tritt Uber mit noch tieferen Preisen auf das Gaspedal.

«Wegen der tiefen Benzinkosten» senke Unternehmen die Preise für UberX in Zürich um 20 Prozent, kündigte das US-Unternehmen unlängst an. Das Angebot von Uber, bei dem professionelle Fahrer tätig sind, lag preislich bislang ungefähr ein Drittel unter dem der herkömmlichen Taxis.

Vom HB zum Flughafen kostet 26 Franken

Damit wird eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Flughafen im Durchschnitt nur noch 26 Franken kosten. Bei einem herkömmlichen Taxi fallen für die gleiche Strecke ungefähr 60 Franken an. Dabei gilt es aber festzuhalten, dass Uber ein variables Preismodell benutzt, bei dem die Tarife bei grosser Nachfrage auch beträchtlich steigen können.

Das Startup beansprucht für sich, Wettbewerb in eine festgefahrene Branche gebracht zu haben. Die direkte Verbindung von Angebot und Nachfrage über eine Smartphone-App entspreche einem modernen Bedürfnis der individuellen Mobilität, heisst es.

Derzeit prüft das Unternehmen einen weiteren Ausbau des Geschäftes in der Schweiz. Gegenwärtig bietet Uber seinen Dienst in Basel, Genf, Lausanne und Zürich an.

Umsatzeinbruch von 30 Prozent

Bei den Taxiunternehmern sorgt der Marktneuling für rote Köpfe. Am Montag demonstrieren sie in Bern für ein Uber-Verbot. Sie bezeichnen Uber als «Schwarzarbeitgeber» und die tieferen Fahrpreise als «Tarifdumping». In Zürich nehme Uber den Taxis bis zu 30 Prozent des Umsatzes weg, sagt Roland Höhn von der Taxi Sektion Zürich. Diese vertritt die Interessen von rund 450 Taxifahren und ist damit eine der grössten Taxiverbände der Schweiz ist.

«Besonders mit seinem Billigangebot UberPop ist er für die jungen Leute mit der App interessant und billig», sagt Höhn. «Vorher sind diese Leute mit uns gefahren. Jetzt müssen wir zusehen, wie das Uber-Programm uns die Kundschaft vor den Augen stiehlt.» In den anderen Städten ist der Nachfragerückgang vergleichbar.

Dem hält Uber entgegen, eine neue Zielgruppe im Visier zu haben. «Die meisten Uber-User sind vorher wenig bis gar kein Taxi gefahren», sagt der Geschäftsführer von Uber Schweiz, Rasoul Jalali, der Nachrichtenagentur sda.

«Unsere Erfahrungen zeigen, dass bereits bei kleinen Preissenkungen die Nachfrage überproportional zunimmt. Sinken die Preise, fängt eine völlig neue Zielgruppe an, auf individuelle Fahrdienste zurückzugreifen», erklärt er.

Tiefe Preise durch Technikvorteil

Seine tiefen Fahrpreise erzielt Uber nach eigenen Angaben hauptsächlich mit einer grösstmöglichen Auslastung der Fahrer. «Unsere Technologieplattform zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie Angebot und Nachfrage äusserst schnell und effizient zusammenbringt», sagt Jalali.

«So reduzieren wir lange Wartezeiten, Leerfahrten und lange Standzeiten, gleichzeitig steigt die Anzahl der Fahrten pro Stunde», erklärt er. «Im Taxi-Gewerbe stehen die Fahrer im Durchschnitt mehr als 70 Prozent ihrer Einsatzzeit an Taxiständen und warten auf den nächsten Fahrgast.» Am Ende des Tages erziele der professionelle Fahrer also einen höheren Umsatz bei gleichbleibender Arbeitszeit.

Eine Aussage, der Ruedi Näpflin von der IG Airport Taxi Fahrer Zürich widerspricht. Gespräche mit UberX-Fahrern hätten gezeigt, dass deren Wartezeiten mindestens genau so lange sind wie die von Taxifahrern mit oder ohne Anschlussverträgen bei Vermittlungszentralen.

«Die Wartezeit ist immer ein Teil des Taxigewerbes und wird es auch bleiben, sonst können die Kunden zum Beispiel bei einem Bahnhof oder Flughafen nicht sofort ins Taxi einsteigen, wenn innert zehn Minuten 100 Taxi gebraucht werden» sagt er. Zudem habe das Taxigewerbe in Europa seit Jahren modernste GPS-Systeme, die Leerfahrten zu verhindern helfen und die Auslastung verbessern.

Gleich lange Spiesse

Weil Uber nicht als Transportunternehmen gelte und deshalb keine teuren gesetzlichen Auflagen erfüllen müsse, fühlen sich die Taxifahrer benachteiligt. Sie fordern gleich lange Spiesse im Wettbewerb. Uber sei als Mitbewerber willkommen, aber nur wenn er sich an die Gesetze halte, sagt Patrick Favre, Präsident der Fachgruppe Taxi des Nutzfahrzeugverbandes ASTAG.

Taxichauffeure müssten unter anderem über eine professionelle Fahrer-Lizenz, ein zugelassenes Fahrzeug und einen Fahrtenschreiber verfügen. Uber hält diese Vorschriften nur teilweise ein.

Ein Vorwurf, den Uber nicht gelten lässt: Bei den Diensten UberX und UberBLACK erfüllten die ausschliesslich professionellen Fahrer sämtliche Voraussetzungen für den berufsmässigen Personenverkehr, so das US-Startup. Bei UberPop hingegen handle es sich lediglich um einen Mitnahme-Dienst unter Privatpersonen. (wsc/sda)

Erstellt: 26.02.2016, 14:36 Uhr

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