Test zeigt: Den perfekten Randstein gibt es nicht

Der Randstein ist im Alltag oft der Feind von Velo- und Rollstuhlfahrern sowie Sehbehinderten. Die Stadt richtete extra ein Labor ein, um 13 Typen zu testen.

Velofahrer können sich beim Auffahren auf Randsteine rasch einen Platten einfangen: Symbolbild.

Velofahrer können sich beim Auffahren auf Randsteine rasch einen Platten einfangen: Symbolbild. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie sieht der perfekte Randstein für Sehbehinderte, Velo- und Rollstuhlfahrer eigentlich aus? Dieser Frage ging die Firma Metron im Auftrag der Stadt Zürich nach und kam in ihrem Bericht zum Schluss, dass es diesen gar nicht gibt. Aus dem Bericht geht beispielsweise hervor, dass der beste Kompromiss zwischen den Bedürfnissen von Rollstuhl- und Velofahrern ein Randstein mit einer Neigung von 14 Grad ist. Dieser ist jedoch wiederum für Sehbehinderte problematisch, müssen Randsteine doch für sie erkennbar und ertastbar sein. Deshalb müsse für jede einzelne Situation der beste Kompromiss gefunden und den örtlichen Begebenheiten angepasst werden, heisst es in dem 76-seitigen Papier.

«Der Bericht war absolut notwendig», sagt Urs Walter vom Tiefbauamt. «Die vielen Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben uns gezeigt, dass bei den Randsteinen Handlungsbedarf besteht.» Zudem sei der Bericht ein Standardwerk, dessen Erkenntnisse der ganzen Schweiz zugutekämen. So fliessen die Testergebnisse ab sofort in die Strassenbaunormen des Verbands der Schweizerischen Strassenfachleute ein.

Keine Blindenhunde im Versuch

Alle Erkenntnisse des Tests wurden in einem eigens dafür gebauten Testlabor an der Förrlibuckstrasse während vier Monaten gewonnen. Metron testete mit 20 Sehbehinderten, 30 Velo- sowie 12 Rollstuhlfahrern insgesamt 13 unterschiedliche Randsteintypen. Blindenhunde konnten für die Tests jedoch nicht berücksichtigt werden, da diese das Versuchsprinzip nicht kennen und sich daher in der Versuchssituation nicht wie im Alltag verhalten würden.

Auf die Belange der Velofahrer ging die Studie vertiefter ein. Man kennt es aus dem städtischen Leben: Bei zu wenig Luft im Reifen wird beim Auffahren auf das Trottoir der Schlauch seitlich zwischen Felgen und Pneu gedrückt – daraus kann rasch ein Platten resultieren. Deshalb montierten die Tester an den Velos Messgeräte, um die Randsteine auf ihr Schlagpotenzial zu untersuchen.

Abhängig von örtlichen Gegebenheiten

Bei den Rollstuhlfahrern lag der Schwerpunkt der Erhebungen bei der Kippgefahr und dem Kraftaufwand. Die Gehbehinderten mussten vor und nach dem Befahren der Randsteine eine Einschätzung über die Qualität der Randsteine abgeben: Dabei schätzten sie die Hindernisse vor dem Test generell schlechter ein als im Nachhinein.

Fazit des Tiefbauamts: Die richtige Wahl des Randsteins hängt sehr stark von den örtlichen Gegebenheiten ab.Der Bericht von Metron kostete 50'000 Franken. Da die Randsteine schweizweit ein relevantes Problem darstellen, übernahm der Bund diese Kosten. Das für die Untersuchung gebaute Randsteinlabor an der Förrlibuckstrasse kostete gemäss Urs Walter vom Tiefbauamt 60'000 Franken und wurde von der Stadt bezahlt. Das Labor wird im Rahmen der Sanierungsarbeiten in der Förrlibuckstrasse wieder abgebaut. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2013, 07:30 Uhr

Bildstrecke

Welcher Randstein darfs denn sein?

Welcher Randstein darfs denn sein? In Zürich-West wird der Randstein der Zukunft getestet. In einem Parcours können Velo- und Rollstuhlfahrende verschiedene Varianten befahren.

Artikel zum Thema

Das Randstein-Casting in Zürich-West

Auf einem kurzen Strassenabschnitt in Zürich wird entschieden, wie Randsteine künftig schweizweit genormt werden sollen. Acht Varianten werden getestet. Jeder Zentimeter zählt im Kampf um mehr Sicherheit. Mehr...

Stadt vertagt versprochene Velobrücke

Hintergrund Die Bewohner des Kreises 3 müssen weiter Umwege in Kauf nehmen, wenn sie mit dem Velo zum Hauptbahnhof fahren wollen. Nun wird der Bau einer Brücke über die Sihl bis 2018 aufgeschoben. Mehr...

Zürichs Zukunft: Mehr Velo, weniger Parkplätze

Heute hat Zürich bekannt gegeben, dass der Veloverkehr bis 2025 verdoppelt werden soll. Dafür werden 55 Millionen Franken in Velowege investiert – und Parkplätze abgebaut. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...