Teurer Flop des Museums Rietberg

Das Museum wollte die Chavin-­Ausstellung auch in Mexiko zeigen. Ausser Spesen von 150'000 Franken wurde daraus nichts.

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Der soeben veröffentlichte ­Bericht der Rechnungsprüfungskommission (RPK) des Zürcher Gemeinderates enthält Zündstoff. So fragt sich die RPK, wie es dazu kommen konnte, dass die im städtischen Museum Rietberg äusserst erfolgreiche Ausstellung «Chavin – Perus geheimnisvoller Anden-Tempel» in Mexiko nicht hatte gezeigt werden können. Statt Einnahmen verursachte die Schau Ausfälle in der Höhe von 150'000 Franken. Die RPK verlangt von den Verantwortlichen, dass aus den gemachten Erfahrungen die notwendigen Schlüsse gezogen werden. Am nächsten Mittwoch kommt die Angelegenheit im Stadt­parlament zur Sprache.

Plötzlich nicht mehr erwünscht

Albert Lutz, seit 16 Jahren Direktor des Museum Rietbergs, sucht den Fehler nicht bei den Mexikanern, sondern bei sich selber: «Ich hätte mich vertraglich absichern müssen und habe es nicht getan», gesteht er freimütig. Dabei arbeitet Zürich nicht das erste Mal mit Mexiko zusammen. Das Anthropologische Museum in Mexiko-Stadt habe eine Delegation nach Zürich geschickt, um die Ausstellung vor Ort anzuschauen, erklärt Lutz. «Deshalb sind wir davon ausgegangen, dass alles klappen wird.» Ein Wechsel im Kulturministerium machte jedoch dem Museum Rietberg einen Strich durch diese Rechnung. Die Ausstellung aus Zürich war plötzlich nicht mehr erwünscht, doch das Geld war bereits ausgegeben.

Für Samuel Dubno, GLP-Gemeinderat und Mitglied der RPK, ist Albert Lutz über seine eigenen guten Absichten gestolpert. Dubno hat sich sagen lassen, dass im Kunstbetrieb informelle Absprachen oder ein Handschlag noch etwas gelten würden. «Doch», so sagt er, «so ein Vorfall darf nicht mehr passieren, er ist unschön.» Immerhin hält er Lutz zugute, dass er nicht versuchte, etwas zu vertuschen. «Er hat von Anfang an alles offengelegt.»

Grosses Loch in der Kasse

Unter dem Strich fehlen dem Museum Rietberg aus der Jahresrechnung 2013 nicht nur die 150'000 Franken aus Mexiko. Vielmehr hat das auf Kunst aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien ausgerichtete Museum sein Budget um insgesamt 400'000 Franken überschritten. Auch die Verkäufe der Kataloge und die Besucherzahlen sind markant zurückgegangen. «Ich halte Albert Lutz nach wie vor für einen guten Museumsdirektor», erklärt dazu Dubno. Doch angesichts des Lochs in der Kasse wird er konkrete Massnahmen für die Zukunft ergreifen müssen. «Ohne vertragliche Vereinbarung darf es keine Vorleistungen mehr geben.»

Erstellt: 28.06.2014, 11:44 Uhr

Ausschnitt aus dem Flyer zur Ausstellung «Chavín – Perus geheimnisvoller Anden-Tempel», die das Museum Rietberg bis im März 2013 in Zürich zeigte.

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